13 Dezember 2005

Coming out

Ich lese seit ca. einem Jahr keine Bibel mehr, weil ich jeden Text schon zu oft gelesen hatte und mir ständig Predigten einfielen, aber das sollte doch Gottes Buch an mich sein; jedenfalls in erster Linie. Naja jetzt kaufe ich mir demnächst mal ne Volxbibel, vielleicht schnackelts dann ja wieder.
Ich wollte die meiste Zeit , die ich mit Jesus lebe, fromme Karriere machen und somit einen schönen Wert in der fromm sozialisierten Welt haben. Das Ziel scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich selber dabei ertappt habe, oder besser gesagt nicht mehr wegschauen konnte. Dabei war ich so gut. Ich habe die Bibel in fünf verschiedenen Übersetztungen gelesen (komplett mit Geschlechtsregister), ich habe einen Hauskreis geleitet und ich habe Frauenarbeit gemacht. In mir steckt eben eine Amy Sample-MacPherson, eine Cindy Jacobs und natürlich auch eine Jacky Pullinger. :-)
Wenn mich mich jemand gefragt hat welcher Dienst in der Gemeinde der Größte ist, hätte ich die fromme Antwort gehabt:"Es gibt keinen größten Dienst. Wir sollen einander dienen. Der Prediger (ich hab´übrigens auch gepredigt), Apostel etc... ist nicht meht wert, als die Putzfrau." Scheiße gelogen. Ich wollte nie putzen. Wer will schon putzen? Wer glaubt den Kack eigentlich wirklich? Ich wollte vorne stehen und weltverändernd predigen. Die Leute sollten lachen, ich wollte Stadien füllen. (natürlich nur für den Herrn) Ganz ehrlich ich hab die Gabe zu predigen und ich habe mich trotzdemoft gewundert, wenn Predigten was gebracht haben und dann war ich Gott sehr dankbar, daß er mich nicht bloßgestellt hat.
Der größte Vorwurf, den ich mir machen kann ist, daß ich meine Gabe (ist nicht groß, ist nur mein Herz. Wenn ich von meinem Herzen erzähle und ich selbst bin, stellt sich Jesus dazu) wie Ramsch im ein-Euro-Laden verteilt habe. Was ich nicht alles tue (hoffentlich nicht mehr) um ein bißchen Zugehörigkeit zu verdienen. Ich habe versucht so zu sein, wie die Leute, die um mich rum waren, aber es gibt nur gute Originale und schlecht Kopien . Mir fällt es immernoch schwer zu glauben, daß ich etwas Kostbares habe (sagt Jesus jedenfalls), dass andere auch noch brauchen könnten. Aber ich will mein Herz nicht mehr verschleudern (das ist übrigens das Kostbare, sagt Jesus).
Ich war ziemlich sauer auf Jesus, weil ich nicht den Eindruck hatte, daß er mich gewarnt hätte.
Wir reden aber noch miteinander, jeden Morgen.
Wecker klingelt
Mesii: Jesus bist du noch da?
Jesus: Ja Kleine ich bin noch da!
Mesii: Liebst du mich?
Jesus: Ich liebe dich!
Dann hau ich auf den Wecker und schlaf nochmal ne halbe Stunde.
Manchmal fängt Jesus auch an und sagt mir, daß er mich liebt. Auch dann schlaf ich nochmal ne halbe Stunde.


Kommentare:

denkpause hat gesagt…

Man Mesii, vielen Dank für den ehrlichen Artikel! Und danke an Jesus für dich - ich mag dich :-).

Bernhard hat gesagt…

diese Post ist ein Mesii-kurz-in-den-Arm-nehm-post. sagen kann i nix, drücken tu i di!

Rotsch hat gesagt…

Hallo Mesii cool das es dich gibt, freu mich auf euch

Alex hat gesagt…

denke es gibt genug leute mit der gabe des predigens, der prophetie usw. das problem ist nur das es darum geht beziehung mit gott zu leben was viel wichtiger ist als irgendwas für ihn zu tuen. ein dienst entsteht dann aus der beziehung mit gott, aber das vergessen die meisten. und deshalb kraucheln auch so viele vor sich hin und versuchen krampfhaft ihre berufung zu leben oder ihre gaben auszuüben oder sonstwas, aber gott steckt nicht dahinter und dann ist es mehr oder weniger nutzlos...

Anonym hat gesagt…

ey, du bist mal ganz sicher ein original und keene kopie (und auch immer gewesen finde ich), das glaub' mann... krass-offener text ... glaube auch, dass das sachen sind mit denen jeder zu kämpfen hat der irgendwie mal vorne steht/stand/stehen wird oder lobpreis macht oder so... bender

Josia hat gesagt…

Kann ich gut nachvollziehen - ich hab vorkurzem haargenau das selbe gemerkt. Jetzt ist mein Leben aus meiner früheren Sicht betrachtet viel wertloser, aber wenn ich ehrlich bin fühle ich mich jetzt wohl, weil ich ehrlich zu mir selbst war.
Ich wünsch dir alles gute! :)

Tom Götze hat gesagt…

Echt gut! Dieses ehrliche Erkennen der Lage hilft weiter. Aber nur, wenn es dich in deiner Beziehung zu Jesus weiterbringt. Lass dich nicht von Mister S. verarschen indem du irgendwie depressiv darüber wirst oder dich wertlos "fühlst".
Jesus liebt dich volle Kanne. Und Satan wäre es gerade recht, wenn du das auch noch in die Ecke wirfst. Aber wie Alex schon geschrieben hat. Beziehung ist wichtiger als "machen, machen, machen".

Hab ich leider auch schmerzlich erfahren müssen und ab und zu bin ich auch wieder ins "Machen" reingefallen und musste von Jesus wieder aufgeweckt werden. Tja, so "sch...." sind wir Menschen manchmal, aber trotzdem liebenswert.

Hey! Danke für diesen Blogeintrag!

Gruß Tom

HoSnoopy hat gesagt…

Ich habe mich 1995 bekehrt. Ich bin kath. großgeworden und mußte ja als guter Christ diese Kirche hassen. Und das kam mir auch gerade recht, denn ich fühlte mich von den Pfarrern (die zT Religionslehrer waren) geistlich mißbraucht. Vergebung war da erstmal nicht drin. Gerade recht kamen mir da radikale, freikirchliche Gedanken über die "bösen Katholiken, die einzig und allein dem Teufel dienten". Doch irgendwie spürte ich, daß da ein Haken ist.
Herbst 1996. Ausgerechnet ein Katholik erklärte mir, daß es Religiösität nicht nur in der kath. Kirche gibt, sondern auch, und nicht unbedingt minder, in den Freikirchen. Daß das ausgerechnet ein Katholik sagte, beleidigte meine religiösen Gefühle.
Was er sagte, hatte Hand und Fuß und ich kann das heute immernoch so unterschreiben: Es ist sehr wichtig, ehrlich und authentisch zu sein und religiöser Krampf ist in jeglicher Hinsicht unnütz. Oderso.
Vielleicht war das die wichtigste "Predigt" meines Lebens - auf einer Feier aus dem Mund eines katholischen Elektro-Unternehmers (der heute nicht mehr katholisch ist ;-)). Ich konnte mich nie irgendwelchen "Leitsätzen" freikirchlicher Gemeinden unterordnen. Die einzige Gemeinde, in der ich mich wirklich wohlfühlte war eine, die in dem Sinn gar keine Leitsätze hatte. "Wir wollen Jesus ähnlicher werden", war dabei das einzige, was ich hörte und jeder von den ca. 200 Mitgliedern folgte Jesus nach - auf seine Individuelle Weise.
Ich habe mich anfangs als Christ gezwungen, Bibel zu lesen - nach 10 Jahren Christsein bin ich immernoch nicht durch (egal, welche Übersetzung). Ich glaube, daß Gott das nicht so wichtig ist, sofern man auf ihn hört/hören kann. Ich lehne mich zurück, frage, was Jesus möchte und gehe meinen Weg. Oder, wie Claudia mal sagte: "Christsein heißt, die Gnade Jesu anzunehmen und das Leben zu feiern" (odersoähnlich).
Mittlerweile habe ich, schlechter Bibelleser, 4 (+1 Hauskreis *G*) JF-Gruppen mitgegründet, die alle noch existieren :-). Ich glaube nicht, daß ich besonders eng mit Jesus verbunden bin (das ist auf jeden Fall noch ausbaubar!), dennoch fängt er mit mir was an.
Ich habe in den letzten Monaten so den Eindruck, daß viele religiöse Lügen aufgedeckt werden und Menschen darüber zusammenbrechen. Aber nicht selten wirkt das nachhaltig befreiend auf die Menschen. Ich hoffe es.
sofx

cee hat gesagt…

Hab grad vor ca. 30min gelernt dass man als Christ eine "antworten-Haltung" haben sollte. z.b. wenn Gott dir sagt "du bist mein geliebtes Kind", und du sagst darauf "jaja..schön und gut, aber..." ist das eben keine richtige Antwort. Richtig wäre, dass man antwortet, und gleichzeitig sein Herz so richtig in der Liebe von Gott badet!!!
so ganz grob erklärt halt... Wenn man etwas gehört hat (von Gott), soll man etwas konkretes tun, weil man eben berührt ist. Gott glauben und nicht der Welt. Die allerallermeisten Christen gehen am Sonntag in die Kirche, hören ne Predigt, finden sie vielleicht noch cool weil man auch mal lachen konnte, gehen dann nach Hause und leben so weiter wie vorher... Wenn Gott mir sagt, ich habe Autorität, sollte ich dann nicht auch mit Autorität leben? Weisst du was ich meine?

Von wann bis wann seid ihr genau in Aarau??