27 März 2006

fromme Diskriminierung der Kinderlosen

Ich bin genervt, warum ich genervt bin erzähle ich euch gleich, hier erstmal wie ich darauf gekommen bin. Die Schokoladenfrau hat einen recht nachdenklich machenden Eintrag zum Thema Kinderlosigkeit in die Netzwelt gestellt. Da wir keine Kinder wollen (entweder in den nächsten fünf Jahren nicht, oder nie), bringen mich solche Sachen immerwieder ins grübeln. Wenn ich mit diesen Gedanken mal durch bin, erzähle ich mehr.

Hier aber warum ich genervt bin. Während ich den Eintrag las, kamen mir all die doofen Sprüche in den Sinn, die je zum Thema Christen und Kinder oder nur Kinder oder Kinderkriegen gehört haben, inklusive aller Antworten, die ich gerne gegeben hätte und die mir erst drei Stunden später eingefallen sind.

Eine Hand tätschelt meinen Bauch, machdem ich den neusten Nachwuchs bewundert habe:"Und wann seid ihr dran, wird doch bald mal Zeit?" (Sorry ich habe Krebs und sie haben mir gestern die Gebärmutter, beide Eierstöcke und die linke Brust abgenommen)

"Christinnen, die keine Kinder wollen, werden nie ihre eigentliche Berufung finden" ("ich fühle mich geführt gleich mal zu brechen").

"Wenn ihr erstmal Kinder habt, dann fühlt ihr viel mehr wie sehr Gott euch liebt und was er für euch empfindet. ("kann fromm motivierter, emotionaler Mißbrauch vergeben werden?")

Ich:"ich denke nicht, dass ich genug von zu Hause mitbekommen habe um eine gute Mutter zu sein, das ist man schließlich 24 Stunden lang und nicht 8" Ach der Herr hat doch alles neu gemacht uns. (Sprachlos in Anbetracht von soviel Dummheit)

Ich versuche in einem Gespräch auf die momentanen finanziellen Hindernisse hinzuweisen. "Ach der Herr wird schon für euch sorgen" ("So wie für all die Christen, die ich kenn und die in mehr als schlechen Verhältnissen hausen und deren Kindern man das auch ansieht?)

Dabei kenn ich sehr coole Familien und Mütter die das wirklich aus Berufung sind und die überhaupt nicht blöd rüberkommen, sondern, da wo sie sind echt einen Unteschied machen. Außerdem lese ich gerne den einen, anderen oder besonderen Mütterblog.

Mich nervt einfach diese Zwangsmeinung mancher Christen (die leider im speziellen), dass man sich unbedingt reproduzieren muss. Bin ich nur eine echte Christin, wenn ich Kinder habe? Macht es mich weniger zur Frau (im allgemeinen) keine zu haben?

Kommentare:

dreidimensional hat gesagt…

Glaub mir Tanja!!
Ich seh das genauso!!!
Man sollte Frauen niemals über ihre Kinderzahl definieren!
Und Christen schon gar nicht!!
KOTZ!!!!!

Rahel =)

Schoko hat gesagt…

Hey Mesii,
ich frag mich warum ich so Sprüche nicht höre.Wir tragen ja auch mit unserer Kinderlosigkeit zum aussterben der Deutschen bei (ist das schlecht?).
Höre ich die Sachen nicht oder sagt die keiner einem Mann? Warscheinlich sind ja auch nur die christlichen Frauen gemeint.Oder was? Oder ich bin taub auf dem Ohr. Kann auch sein. Die können ja auch alle machen was sie wollen,schneller Brüter oder Vater Abraham, ist mir egal.
Sehts mal so: würde es keine Pharisäer geben, hätte Jesus weniger lustige Sachen gesagt.

Johannes hat gesagt…

Sei froh, dass du wenigstens verheiratet bist...

benderhead hat gesagt…

hmmm.. ja, christen können schon sehr sensibel sein... brainstorming zum thema: ist eh ein krasses ding.. du hast leute die kriegen kinder und wollen gar keine, du hast paare die gern eins hätten aber keine bekommen können...
ich kenn paare mit wenig kohle und kindern die trotzdem geile familien sind..
wenn ich meine kollegen höre, muss aber scheinbar erst derundder fette job und dieunddie sicherheit da sein damit man welche kriegen kann.. sicherheiten gibts aber denke ich nicht.. selbst wenn ich jetzt nen job hab der gut ist, kann der in 6 jahren weg sein und das kind immer noch nicht aussem haus...
glaube, ne gute portion auf gott vertrauen ist da also immer nötig..
ansonsten denk ich halt immer nur (weil ja gerade auch thema in der presse unabhängig von christen), dass zumindest die deutschen aussterben, denn theoretisch müssten auf 2 leute auch immer mindestens 2 kinder kommen und das ist halt nicht der fall... ob das jetzt schlimm ist sei mal dahingestellt....
und das thema renten, wer kümmert sich mal um uns wenn wir alt sind usw. ist da natürlich auch noch am start... naja.. weiss nicht.. fazit: glaube nicht, dass man eine bessere oder schlechtere frau ist gemessen an der kinderzahl oder kindervorhandenheit und glaube aber auch, dass kinder super sind und einem auch viel geben und viele, die denken sie könnten kein kind grossziehen vielleicht gerade gute eltern sind weil sie sich viel gedanken drüber machen... also hab auch schon leute erlebt die immer meinten, sie könnten nicht so mit kindern und jetzt voll drauf abgehen und alles cool hinbekommen...

Anonym hat gesagt…

Die Frage ist nur, warum machst du dir darüber solche Gedanken? Du könntest solche Sprüche doch mit einem Lächeln quittieren, aber scheinbar ist das ein schlechtes Gewissen, warum auch immer. Es klingt zwar komisch, aber wenn man einmal Kinder hat möchte man sie nicht missen. Es gibt natürlich Momente wo man überlegt wieder "frei" zu sein. Aber Kinder sind Kinder. Bist du alleine aufgewachsen, also ohne Geschwister? Ich habe 4 Geschwister, bin also in einer größeren Familie aufgewachsen. Meine Frau ist Einzelkind, aber sie hat sich von meiner "Vernarrheit" in Kinder anstecken lassen und seitdem unser Kleiner da ist, bin ich erstaunt was für eine gute Mutter sie ist und was für eine starke Frau!

andichrist hat gesagt…

sah letztens ein poster.
darauf waren die jungs ( mädels ) von tokio hotel.
kommentar darunter : 4 gute gründe keine kinder zu kriegen !

cee hat gesagt…

hey mesii.. bin echt ein bisschen erstaunt über den beitrag. und zwar von dem her, dass ich nicht gedacht hätte, dass es wirklich solche ernst gemeinte kommentare gibt. ist doch nun wirklich privatsache, ob und und wann man kinder will oder nicht. Ich persönlich fahr ja auch voll auf Babies ab und hätte immer wieder mal gerne selbst eines, aber habe jetzt ganz ehrlich noch nie gedacht "was ist wohl mit mesii und ojo los"... Ist wohl so wie bei allem.. jede und jeder soll das mit sich und dem herrn anschauen!

Sascha hat gesagt…

Ja das kenne ich auch - diese Bemerkungen, die subtil ganz klar ausdrücken was Sache ist: gute Christen haben Kinder. An Argumenten dafür mangelt es ja auch nicht...von obskuren Bibelversen ("das Weib aber wird durchs Kinderkriegen gerettet") über zutiefst ehrbare Versuche das deutsche Volk vor dem sicheren Aussterben zu retten bis hin zu den christlichen Basiswerten des Vermehrens, fruchtbar seins usw. Natürlich ist ja auch an all dem etwas dran, aber genau das ist der Punkt - an jedem Argument ist etwas dran. An denen die dafür sprechen und an denen die dagegen sprechen. Es gibt kein Schwarz und Weiss - die Welt ist in Farbe. So möchte ich sie auch wahrnehmen. Aber dann kommen oft Christen daher, die eine Schwarz - Weiss Sicht der Dinge haben, und diese Christen wollen mich ebenso farblos und beschränkt haben wie sie es selbst sind. Zum Beispiel mit dem Thema Kinder kriegen, machst dus bist du gut, machst dus nicht bist du schlecht. Dass das absolut lieblos ist und das strikte Durchboxen von irgendwelchen Regeln, ungeachtet in welchen Umständen ich mich befinde, ist ja glasklar. Dass sich manche Leute von der Vielschichtigkeit einer Welt in Farbe bedroht fühlen, und deshalb alles brav und sicher in Schwarz - Weiss ordnen ist ja auch verständlich. Aber trotzdem pisst es mich an, mit diesen Wesen konfrontiert und von ihnen bewertet zu werden. Schön wärs wenn mir das wirklich mal egal ist was andere Christen, die mich weder kennen noch das beste für mich wollen, über mich (und meine Nachwuchspläne) denken.

anja hat gesagt…

Sorry, bin grade ohnehin am Blog lesen und wollte nur schnell hierzu was schreiben, obwohl ich weiß, dass es nicht so nett ist, bei jemandem halbanonym zu kommentieren... aber manche Aussagen provozieren bei mir Senf:

"Die Frage ist nur, warum machst du dir darüber solche Gedanken? Du könntest solche Sprüche doch mit einem Lächeln quittieren, aber scheinbar ist das ein schlechtes Gewissen, warum auch immer. "

Ich hätte sowas auch schreiben können, und NEIN. Das hat nichts mit schlechtem Gewissen zu tun. Das hat damit zu tun, dass man sich durchaus auch über Leute ärgern darf, die einem ins Leben sprechen, Grenzen überschreiten, ohne dazu "berufen" (im Sinne von tatsächlich persönlich in die aktuelle Situation involviert) zu sein, und das dann auch noch mit frommem Anstrich.

Solche Sprüche höre ich (weiblich, Ende zwanzig, Single) auch oft, und zwar nur, weil ich im gebährfähigen Alter bin - auch von Leuten, die weder mich noch meine Lebensumstände kennen (keine Sorge, die werde ich hier nicht erläutern).

Wie frau zur K-Frage letztendlich steht, sollten sie und ihr Partner tunlichst mit Gott und ggf. nem autorisierten Menschen als Mentor ausmachen. Alles andere löst auch bei mir Brechreiz aus.