15 September 2008

Für Johanna

Huibella

Eines Tages, es war ein sonniger Sonntag, klopfte es an das Schlossportal.
König Julius ging erst gemächlichen, königlichen Schrittes zum Tor doch dann, das Klopfen war lauter geworden, es war ein Wummern und Bummern, raffte er seine Robe um nicht über sie zu stolpern und rannte so schnell er konnte. Als König Julius das Portal schnaufend und pustend erreichte und die große Tür mit dem übliche Quietschen öffnete, sagte er erstmal:" Uff" und dann setzte er sich auf auf seinen Po und wunderte sich.
Vor ihm stand ein Gespenster, ein Gespenstermädchen und weinte. In beiden Händen hielt sie eine der großen Kanonenkugeln die vor dem Schloss lagerten, mit der hatte sie wohl so laut an das Tor gewummert. Jetzt lies sie die Kugel fallen und rieb sich ihre verheulten, großen schwarzen Gespensteraugen. "Ich habe kein Zu-hu-hu-hu-hu-hause und ich bin mü-hü-hü-hü-deeeee. Nirgendwo darf ich schla-hafen."
König Julius kratzte sich am Kopf wobei seine Krone nach hinten rutscht, sagt nochmal "Uff"" und stand auf.
"Aber ,aber liebes Fräulein Gespenst", "Frau-hau Gespen-ster-hin bitte, ich bin ein eman-han-zipiertes Ge-he-spenst, äh ich mein Gespen-hen-steri-hi-hin", unterbrach ihn die Gespensterin weinend.
König Julius nickte verständnisvoll, denn er war die besonderen Gewohnheiten und neurotischen Vorlieben der Gespenster gewohnt, er kannte ja Huibuh. Er hob also erneut zum reden an:" Aber, aber liebe Frau Gespensterin. Bitte hören sie auf zu schluchzen und erzählen sie doch bitte bei einer Tasse Kakao von ihrem Schicksal."

Die Frau Gespensterin beruhigte sich allmählich und folgte König Julius noch leicht schluchzend die große Freitreppe hinauf ins Schloss. Mit jedem Schluchze hüpfte sie ein wenig höher in die Luft und man hätte meinen können sie sei fröhlich, aber wir wissen es dass es die große Trauer über den Verlust ihres Zuhauses war.
Im Schloss vor dem Kamin hatte sich Frau Gespensterin ein wenig beruhigt und schüttet den Kakao mit einem großen Gulp in ihren Gespensterinnenmund. Sie stellte die Tasse beiseite und begann zu erzählen:" Mein Name ist Huibella und ich habe bis heute" sie schluchzte auf, schluckte tapfer und fuhr dann mit ihrer Geschichte fort " bis letzten Freitag habe ich auf Burg Schönschloss gelebt. Dort habe ich jede Nacht gespukt und gegeistert und ich hätte bestimmt jeden das fürchten gelehrt, wenn nur jemand dort gewohnt hätte. "
Es stellte sich heraus, dass Huibella seit hunderten von Jahren in einer Burgruine lebte. Es gab nur noch einen kleinen Raum bei den ehemaligen Folterkammern, der nicht eingestürzt war. Meistens waren der Raum und die Truhe in der Huibella schlief trocken, vor allem wenn es nicht regnete. Sie hatte eine schöne alte Truhe mit rostigen Zangen und anderen alten Folterinstrumenten und wenn man Eisen und Rost mochte, konnte es dort recht kuschlig sein.
Am Freitag war sie lange vor Mitternacht wach geworden. Es dröhnte durch das ganze alte Gewölbe, der Erdboden zitterte und die alten Ketten an den Wänden rasselten als ob tausend Gespenster und Gespensterinnen im Verlies wären. Huibella schwebte aus ihre Truhe und war geblendet, das Sonnenlicht schien in ihr Verlies. Wie war das möglich? Als sie um eins nach der Geisterstunde in ihre Truhe geschwebt war, hatte ihr Verlies noch eine Gewölbedecke, sie war sich sicher, da war eine Decke.
Langsam gewöhnt sie sich an das grelle Sonnenlicht und schwebte neugierig durch ihre kaputte Decke. Je höher sie schwebte, ihr Verlies war sehr weit unter der Erde, desto lauter wurde der Lärm und die paar Mauern der alten Burg, die noch standen zitterten und bröckelten.
Als sie oben angekommen war sah sie Maschinen und riesige Werkzeuge und viele Leute. Auf den Maschinen stand „Burgen und Abrisse aller Art“. Ein Abrissunternehmen war gekommen um ihre schöne Burg, oder was davon noch schönes übrig war kaputt zu machen. Da wurde Huibella stinkwütend, sie raffte ihre ganze gespenstische Persönlichkeit zusammen und sauste auf den Mann zu, der alle anderen Leute anschrie. Der musste der Chef sein. „Hören sie mal, sie“, fing unsere Gespensterin an, doch der Mann reagierte gar nicht. Sie versuchte es erneut „eh sie Schuft, sie Burgenkaputtmacher, lassen sie das.“ Wild sauste sie um seinen Kopf herum.
Jetzt sah er auf und schaute sie an „Aha, sie sind also das Gespenst hier. Ich muss ihnen leider mitteilen dass sie ausziehen müssen. Die Burg wird abgerissen und hier entsteht einen schöne Reihenhaussiedlung. Sie werden verstehen, dass Reihenhausbesitzer keinen Gespenster bedarf haben.
Wir können ihnen auch nicht bei der Umsiedlung helfen, da kein Gesetz gibt, dass uns dazu verpflichtet. Bis Montag haben sie Zeit, dann werden die Bagger alle Steine wegfahre. Guten Tag“

Huibella war so durcheinander und geschockt von den Neuigkeiten, dass sie ganz vergaß ihm zu antworten, sie sei einen Gespensterin und zwar einen emanzipierte. Was sollte sie jetzt nur tun?
Sie war so müde und so traurig und ach so ratlos. Sie war ein übermüdetes Gespenst ohne Heimat.
Huibella weint und grübelte was nun aus ihr werden sollte.

Da kam ihr eine Idee. Sie könnte um Asyl bitten. Menschen machten das ständig, wenn sie ihre Heimat verloren, sie gingen in ein anderes Land sagten: „ich werde politisch verfolgt, bitte lassen sie mich in ihrem Land wohnen.“ Sie wollte das auch tun.
So zog sie also los um auf anderen Burgen um Asyl zu bitten. Sie klopfte zuerst auf Burg Sonnenfels, aber wussten nicht, was politisches Asyl bedeutet und schlugen ihr das Burgtor vor der Gesperinnennase zu. So ging es ihr auch bei Burg Zündstein, Burg Geldadel und Burg Reichaberdumm. Niemand wollte sie aufnehmen.
Entweder die Leute hatten Angst vor Gespenstern oder die Gespenster, die dort lebten wollten keine
weiter Mitbewohnerin haben.
Die Nächte verbrachte sie im Wald, wo sie sich vor all den Tieren fürchtete, denn auf Burgen gibt es kaum Tiere. Einmal hoppelte ein neugieriger kleiner Hase zu dem mosbewachsenen Stein auf dem sie schlief und schnüffelte sie neugierig an. Huibella wachte in dem Moment auf als seine Barthaare ihr linkes Gespensterinnenohr kitzelten und schrie vor Schreck ganz laut. Dann sauste sie in die Luft und der Hase in seinen Hasenbau. Er hatte sich mindestens genauso erschrocken wie Huibella.
Das Schloss von König Julius war ihre letzte Möglichkeit um ein neues Zuhause zu finden. Auf ihrer Liste standen kein einziges Schoss und auch keine Burg mehr, die sie nicht gefragt hatte.
„Und deshalb, weil ich so verzweifelt war habe ich mit der Kanonenkugel geklopft, damit sie mich hören Herr König Julius,“ beendete Huibella ihre Geschichte.
Gerade als König Julius etwas sagen wollte sauste Huibuh aus der wackligen Rüstung, die am Kamin stand, hervor und zeterte: „Also bei mir kann sie nicht schlafen, ich lebe seit vielen Hundert Jahren alleine in meiner Truhe, in der Kammer, im Turm. Ich bin es nicht gewohnt mein Truhe zu teilen. Und und ich schnarche und ich brauche viel Platz und überhaupt ist das meine Burg und da ist kein Platz für noch ein Gespenst.“
„Aber aber lieber sehr verehrter Huibuh,“ sagt König Julius „Wir werden doch eine Dame nicht vor das Schlosstor werfen und sie mit all den gefährlichen Hasen und Vögeln, die im Wald vor dem Schloss wohnen, alleine lassen“.
„Doch ich will das“, trotzte Huibuh, „hier ist nur Platz für mich und für einen König und der bist du“.
Huibella war ganz leise zur Tür geschwebt, hatte versucht möglichst ganz leise zu weinen und so nicht gehört, das König Julius Huibuh sagte: „ Lieber Huibuh, wir haben viel Platz hier im Schloss und werden schon eine Truhe für Frau Huibella finden. Bedenke doch all die Nächte, die du alleine durch die Gänge schwebst, ganz ohne Gesellschaft, weil ich meistens zur Geisterstunde schlafe“.
Das überzeugte den trotzigen Gespenstermann. Er sauste zur Tür der großen Halle und erwische Huibella gerade noch an einem Zipfel ihrer Gespensterinnenhand. Mit traurigen Augen drehte sie sich um: „Ich bin schon fast gar nicht mehr hier, also lass mich auch gehen und dann kannst du ganz in Ruhe in den viel vielen Räumen geisterndem und spuken.“
„Ehem“, räusperte sich Huibuh „also, es ist so, es gibt hier ganz echt viele Räume und Kerker und so und die kann ich alleine gar nicht alle ordentlich bespuken. Und in der Folterkammer ganz hinten im Kerker ist noch einen Truhe, die ich im Moment nicht brauche. Und .... Und.... Und.... Und es wäre vielleicht doch schön, wenn du bleiben könntest und mir so bisschen beim geistern und gruseln hilfst.“
Da freute sich Huibella sehr und zog sofort in die Truhe in der Folterkammer ganz hinten im Kerker ein, denn sie war so schrecklich müde, von ihrer Asyl suche und vom Weinen und vom Freuen.

Kommentare:

Miri hat gesagt…

Schön :-)

cee hat gesagt…

oohh.. schöhön!