13 Januar 2009

einfach eine Geschichte, die ich mir ausgedacht habe. Kommentare sind herzlich willkommen.

Nach all den Jahren, ein Treffen. Nur weil sie sich vor zwanzig Jahren geschworen hatten sich heute genau dort wieder zu treffen, fuhr sie dorthin.
Wenn sie damals mit siebzehn gewusst hätte wie schnell Zeit vergeht, hätte sie gesagt: „Kommt wir treffen uns in genau vierzig Jahren wieder hier“ und nicht schon in zwanzig. Wenn sie siebenundfünfzig wäre, wäre das alles nicht mehr so peinlich. Dann wäre sie daran gewöhnt und könnte alles ganz ruhig erzählen. Sie hätte Abstand, so als würde sie von einer anderen Person erzählen und nicht von sich.
Sie konnte es sich genau ausmalen, das Treffen. Erst großes Hallo und „wie ist es dir denn so ergangen“ und dann wenn alle bestellen würden, Bier, Sekt, Wein, irgendwas die Frage: „Warum trinkst Du denn nichts?“
Sie war angekommen. Das Hallo hatte sie überstanden. Die anderen Frauen waren auch optisch keine zwanzig mehr, genau wie sie. Krähenfüße, gut gefärbte Haare kaschierende Kleidung, damit das Hüftgold nicht zu sehen war.
Gut, die erste Runde war ohne die große Frage an ihr vorbeigegangen. Sie war auch nicht die einzige, die Kaffe trank, vielleicht hatte sie Glück und es fiel gar nicht auf.
Sie schwelgten in Erinnerungen über den Tag, als sie sich geschworen hatten, sich in genau zwanzig Jahren in diesem Kuhkaff in Bayern wieder zu treffen. Das Abi war gerade vorbei, alle hatten Studienplätze und klare Ziele vor Augen. Sie und ihre vier Freundinnen sollten einen Monat später in alle Richtungen verstreut werden. Ein letzter gemeinsamer Urlaub und damit sie sich nicht für immer aus den Augen verloren, die Abmachung eines Wiedersehens in zwanzig Jahren.
Der Abend schritt fort und die Gespräche wurden tiefer, „oh Gott bitte lass niemanden die Frage stellen“!
Aus ihnen war was geworden. Sie hatten es geschafft. Keine war nur Hausfrau und Mutter oder eine kleine Angestellte. Sie waren erfolgreich, hatten Geld, Eigentumswohnungen oder Häuser, die Autos waren neu gekauft und keine Kleinwagen. Gut, sie konnte mithalten, in allen Punkten. Selbst als sie soviel gesoffen hatte, dass es jeder im Büro merkte, hatte sie ihre Arbeit abgeliefert und war unter den besten der Abteilung gewesen. Dann der Tag, als sie zu betrunken war, um zur Arbeit zu gehen. Sie hatte sich krank gemeldet, war mit dem Taxi zu einem Arzt weit ausserhalb der Stadt gefahren, jemand der sie auf keinen Fall kannte. Drei Monate Kur, offiziell hatte sie einen Unfall.

Man hatte ihr gesagt, sie müsse das Problem beim Namen nennen und sie wollte auf jeden Fall hier bei diesen Frauen, die ehemals so vertraut waren, zum ersten Mal sagen, warum sie nichts trank.

Was hatte ihr Gegenüber gesagt? Einsamkeit. Ja klar Einsamkeit kannte sie auch. Sie konnte mitreden. Die leere Wohnung, die Scheidung, der viel zu späte Entschluss Kinder zu wollen und die Tatsache keinen Partner dafür finden zu können, der tauglich war. Sie sagte, es läge vielleicht an den zu hohen Ansprüchen, die mit den Jahren nicht weniger wurden. Die anderen nickten, lachten erzählten ihre kleinen Katastrophen.
Ihre Nachbarin erzählte von der Beerdigung ihrer Mutter. Das Gefühl etwas verbotenes zu tun, als sie ihre Sachen für den Nachlass durchsehen musste. Als sie Fotos von einem ihr unbekannte Mann fand. Auf einem der Fotos stand, er wäre ihr biologischer Vater. Kein Name, keine Adresse nur unbeantwortete Fragen.
Anscheinend hatten alle Problem. Alle litten an sich selbst, egal wie gut die Fassade nach aussen auch glänzte. Vielleicht war es wirklich so, dass ihre Furcht ausgelacht zu werden sie isolierte. Ihr Schweigen war vielleicht das eigentlich Schlimme und nicht ihre Sorgen und Ängste.
Wenn sie nicht jetzt mit dem Schweigen brach wann dann? Was sie trinken wolle fragte ihr Gegenüber. Eine Mangosaftschorle, ich hab die letzte Jahr zu viel getrunken. Ich bin Alkoholikerin.

Kommentare:

Nicole hat gesagt…

Huhu
der Text ist intressant, ich würde es evtl.noch etwas mehr ausbauen.
Und auch die Reaktionen der anderen mit rein bringen.

Hi trotzdem ne Gute idee.

cee hat gesagt…

Hey cool! Danke! Ich finds super so!