08 März 2009

So jetzt mal was,für zum traurig sein!






Es war einmal ein kleines Mädchen ,das hiess Mirinda. Sie persönlich fand den Namen scheusslich, weil es auch eine Limonade gab, die so hiess. Mirindas Mutter fand den Namen schön. Sie hatte ihn extra ausgewählt, weil er sonnig und süß klang. Weil der ganze Name orange war, wie die Limonade. Vor allem aber hatte Mirindas Mutter den Namen ausgesucht, weil nichts an dem Namen traurig war.
Mirindas Mutter war oft traurig. Manchmal weinte sie schon beim Frühstück. Wenn Merinda fragte, warum sie traurig sei, zuckte sie oft mit den Schultern und sagte: „Ach Mirinda, es ist alles traurig heute.“ Oft wischte sie sich dann ganz schnell die Tränen ab und versuchte ein Lächeln. 
An solchen Tagen ging Mirinda voller Sorgen zur Schule. Sie sass dann im Unterricht und sorgte sich. Was wäre wenn Mama nie mehr aufhören würde zu weinen? Mama wollte nicht das die Nachbarn, die Frau im Supermarkt an der Kasse oder sogar die Oma wussten, dass sie traurig war.
Wenn ihre Mama für immer traurig sein würde, würde sie immer in dem Supermarkt gehen müssen. 
Mirinda ging oft in den Supermarkt. Mirinda Mutter sagte dann: „Mirinda, ich bin heute so traurig. Du bist nie traurig, weil dein Name so fröhlich ist. Bitte geh für mich einkaufen. Ich will nicht, dass die Kassiererin merkt wie traurig ich bin.“ An solchen Tagen musste Mirinda auch ans Telefon gehen und wenn jemand ihre Mutter sprechen wollte, sollte Mirinda sagen, dass ihre Mutter nicht da war. Aber ihre Mutter war da. Sie lag im Bett und weinte. Wenn sie nicht weinte schlief sie.
Dann machte Mirinda sich das Mittagessen und das Abendessen selber und sie schickte sich auch selber ins Bett, mit Zähneputzen und Gesicht waschen.
Obwohl Mirinda nie traurig war, weil man mit ihrem Namen nie traurig sein konnte, war sie aber auch nie fröhlich. Sie schaffte es einfach nicht. Wenn andere Kinder lachten und sprangen und tobten, Buden baute und hinfielen, dann stand Mirinda da und sah zu.
Sie war nur draussen wenn ihre Mutter nicht geweint hatte, aber sie sah nur zu.
Sie sah zu und machte sich Sorgen um ihre Mutter, die vielleicht gerade jetzt in diesem Moment wieder traurig wurde.
Es war anstrengend aus der Wohnung zu gehen, wenn ihre Mutter traurig war und es ihr bestimmt, ganz, ganz bestimmt schon helfen würde Mirinda mit dem fröhlichen Namen bei sich zu haben.
Am Wochenende konnte Mirinda ganz bei ihrer Mutter sein. Dann musste sie nicht in der Schule sitzen und sich Sorgen machen, ob ihre Mutter gerade weinte. Dann wusste sie ob ihre Mutter weinte. Mirinda wachte dann morgens schon früh auf und oft wusste sie dann auch, ob ihre Mutter heute traurig sein würde oder ob es ein guter Tag würde.
An den guten Tagen, weinte ihre Mutter nicht und Mirinda gab sich große Mühe alle traurigen Sachen vor ihrer Mutter zu verstecken. Der Fernseher musste aus bleiben, weil die Nachrichten für Tränen sorgen könnten. Die Tageszeitung schmiss Mirinda in den Müll, aber nach ganz unten. Das Telefon zog Mirinda aus der Steckdose. 

Eines Tages, Mirinda war gerade vom Supermarkt heimgekehrt, hörte sie beim Aufschliessen der Wohnungstür einen lauten Rums. Ganz schnell zog sie die Einkaufstüten hinter sich her in die Wohnung. Mirinda rannte ins Schlafzimmer, wo ihre Mutter schon den Ganzen Tag schlief und weinte. Ihre Mutter war hingefallen. Sie lag auf dem Boden und sie rührte sich nicht. Auch als Mirinda zu ihr lief und sie schüttelte, als sie laut „Mama, Mama“, rief rührte sich ihre Mutter nicht.
Auch jetzt weinte Mirinda nicht, denn so hatte ja diesen fröhlichen, sonnigen Namen, der alle Tränen fern hielt. Sie ging zum Telefon, ganz langsam damit sie nicht vielleicht auch fallen würde und rief die Feuerwehr an. „Hallo, hier ist Mirinda Steeger, ich wohne in der Hans-Christian-Andersen-Strasse 12 im dritten Stock. Meine Mama ist hingefallen und sie bewegt sich nicht mehr. Bitte kommt doch und helft meiner Mama“. 
Dann legte Mirinda den Hörer auf und öffnete die Wohnungstür, damit die Sanitäter herein kommen könnten. Sie setzte sich neben ihre Mutter und wartete. Warten kann ganz schön lang sein. Mirinda dachte schon fast, dass niemand kommen würde, da kamen die Sanitäter rein. 
Im Krankenwagen durfte sie mitfahren weil sie niemand wusste, der sofort kommen konnte um auf sie aufzupassen, aber sie durfte nicht mit ihrer Mutter in den Behandlungsraum. Also wartet Mirinda. Sie saß auf den harten Stühlen im Wartezimmer und starrte auf ihre Schuhe. „Blos nicht weinen“,dachte sie. „Wenn ich weine wird alles noch schlimmer. Ich darf nicht weinen mein Name ist sonnig und fröhlich.“
Eine Krankenschwester kam und fragte sie nach ihrer Oma und wo sie wohnen würde. Mirinda wollte nicht sagen, dass Oma im Altheim war und manchmal nicht wusste welcher Tag oder welches Jahr war. Und von Papa einem wusste sie nichts, den gab es nicht. 

Nach dem Mirinda wieder eine Weile allein gewartet hatte, kam die Krankenschwester brachte Kakao und setzte sich neben Mirinda. Da wusste Mirinda bescheid, ihre Mutter würde nicht wieder kommen. Im Fernsehen setzte sich auch immer jemand nettes neben die Person, die im Wartezimmer war. Dann musste der Wartende etwas trinken oder rauchen, wenn sie ihm Zigaretten anboten, und dann sagte sie etwas wie „Ich muss ihnen eine traurige Mitteilung machen, ihre Tante ist verstorben“. 
Mirinda lächelte die Krankenschwester an. Wenn sie lächelte, würde ihre Mutter wiederkommen und alles wäre gut, vielleicht auch besser. Die Schwester seufzte, schaute auf ihre Hände und blickte Mirinda dann ins Gesicht: „Deine Mutter wird nicht wieder kommen, diesmal nicht Mirinda. Deine Mama ist tod. Es tut mir leid“.
Mirinda lächelte weiter. Wenn sie nur weiter lächeln würde, würde alles gut werden. einfach lächeln, alles würde gut. Und dann taten Mirinda die Mundwinkel weh, so weh. Sie musste sie nach unten nehmen, aber sie würde nicht weinen. Sie summte leise, bis das summen nicht mehr ging weil ihr Kinn zitterte. Und dann zerrten die Mundwinkel nach unten und die Augen wurden nass und ihr ganzer Körper weinte. Sie schluchzte und es schüttelte sie und die ganze Mirinda mit dem fröhlichen, sonnigen Namen weinte.

Kommentare:

cee hat gesagt…

oh..krass! und leider nicht unrealistisch.. Schön geschrieben, Kompliment!!

Königskind hat gesagt…

hammer geschichte und leider so wahr.

Yvonnisonni hat gesagt…

Hmm, wollte Dir nur auf diesem Weg alles Gute nachträglich und ganz viel Segen vorbeischicken....
Yvonne

happybones hat gesagt…

hey mesi, du bekommst noch dein gewinn!!
am besten ich brings kurz vorbei, morgen oder sonntag!
nicola