05 September 2010

Freitagsdemo - mail an das Polizeipräsidium Stuttgart, dei Stuttgarter Nachrichten, Die Stuttgarter Zeitung und diesen Blog

Sehr geehrte Damen und Herren,

Auf der Demonstration am letzten Freitag wurde ich Augenzeugin einer Begegnung zwischen protestierenden Bürgern und der Polizei.
Zwischen neuem und altem Schloss wurde der Demonstrationsweg so von Ihnen geleitet, dass die Demonstranten an der Bushaltestelle rechts entlang gehen sollten. Der Weg auf der linken Seite wurde zunächst locker durch vier oder fünf Polizistinnen und Polizisten versperrt. Nun staute sich der Weg und anscheinend versuchten immer mehr Demonstranten durch die linke Seite zu gehen. Nun kann man so einen Lücke freundlich mit Worten und Taten mit einer Kette schliessen, oder aber und das war hier leider der Fall, durch den Einsatz des Oberkörpers noch schnell einen Demonstranten wegschubsen. Das geschah mit unnötiger Wucht und ich vermute auch mit unterschwelliger Aggression. Der Demonstrant, ein Herr Mitte vierzig, fragte warum er so brutal geschubst würde, die Worte flogen hin und her und einige Demonstranten mischten sich ein, riefen den Polizisten an : „Er hat ihnen doch nichts getan.“
Ihr Kollege brüllte den Demonstranten an er sollte mal nicht beleidigende werden. Wobei ich keine Beleidigungen gehört habe.
Immer wieder geht durch die Presse, dass Linksradikale unter den Demonstranten seien und die Demonstranten teilweise gewaltbereit seien. Laut meiner Erfahrung ist das nicht der Fall. Alte Herren mit Gehwagen, Frauen mit Säuglingen, Familienväter Studenten und Auszubildende, machen das Gros der Demonstranten aus. Das Klischee des Schwarzen Blocks stimmt so wenig, wie die brutale GI-Mäßige-Polizeigewalt – und Ihr von mir beschriebener Kollege sieht wirklich wie das Klischee aus und hat sich ebenso verhalten.
Schwarze Schafe gibt es auf beiden Seiten. Sie sind für den Schutz der Bürger verantwortlich, somit müsste meiner Meinung nach, der betreffende Kollege die Konsequenzen für unangemessenen, gewalttätigen Polizeieinsatz gegen die Bürger auch tragen. Ich werde keine Anzeige erstatten, bitte Sie aber mit dem Kollegen zu sprechen (vielleicht meldet er sich ja freiwillig, sonst schicke ich Ihnen gerne das Foto).
Nun noch ein Lob. Ich sehe immer wieder, wie Sie den protestierenden Bürgern freundlich auf ihre Fragen Antworten. Sie machen vermutlich viele Überstunden wegen der zahlreichen Aktionen seitens der Stuttgart 21 Gegner.
Mir fällt auf, dass Sie meist lächeln und das auch noch Nachts um drei an der Torwache.

Ich ging den vorgeschriebenen Weg, nachdem sich die Situation beruhigt hatte, weiter. Auf der Strecke, Höhe Planie sprach ich einen Polizisten an und fragte wo ich mich beschweren könnte und beschrieb ihm meine Beobachtung. Er empfahl mir die Beschwerden an das Polizeipräsidium Stuttgart zu richten, was ich hiermit tue.

Mit freundlichen Grüßen
Tanja Günther