06 Oktober 2013

Entrümpeln

Was sagt eigentlich die Wohnung eins Menschen über ihn aus?
Ich meine nicht den Stil und Farben. Ich meine wie aufgeräumt es ist. Wo ist es unordentlich? Sieht man die Stellen sofort oder sind es die Kellerräume?
 Es gibt Thesen, die besagen, dass der Zustand einer Wohnung etwas über den emotionalen Zustand der Bewohner aussagt. Wie aufgeräumt ist es also in unserem Leben? Gibt es Ballast? Dinge die rumliegen, weil sie noch reparierte werden müssen - irgendwann, wenn wir mal Zeit haben.
Ist das vergleichbar mit den Beziehungen, die wir noch reparieren müssen, oder beenden müssen?

Angeblich kann man leichter leben, wenn man den Ballst los wird - in diesem Fall meine ich den Materiellen Ballst.
Ich versuche seit einigen Jahren mein Leben zu minimieren. Wenn alles besetzt ist kann nichts neues an die Stelle kommen und das Alte belastet oft nur, nimmt Platz weg und steht im Weg, wenn man es nicht wirklich braucht.
Weniger zu besitzen mehr abzugeben als anzuhäufen ist also das Ziel. Es fing mit Büchern an und dem Umzug nach Stuttgart. Wollte ich wirklich all die Bücher mitnehmen und warum? Würde ich sie noch mal lesen? Fände ich die Bücher so gut, dass ich sie auf alle Fälle an andere weiterempfehlen würde?

 Ich liebe Bibliotheken. Sie sind für mich ein Ort mit endlosen Möglichkeiten, vielen Informationen und einer grossen Menge von Abenteuern, die noch erlebt werden müssen.
 Eine alte, private Bibliothek am liebsten mit dunklen Holzregalen und langen Leitern davor, alten Ledersesseln vor einem Kamin und Karaffen mit Flüssigkeiten die hoffentlich Whiskey sind, wäre mein Traum.
 Aber habe ich den Platz dafür? Würde ich dort wirklich den größten Teil meiner Freizeit verbringen, wenn ich eine solche Traumbibliothek hätte? Nein!
Also mistete ich gnadenlos aus, was ich kein zweites mal lesen würde und freute mich auf die Stadtbibliothek in Stuttgart.
 Das Bücherdezimieren, verfolge ich weiterhin. Alles was ich nicht ein zweites mal lese darf gehen.

Ebenso verfahre ich mit Kleidung. Ein Kleid, dass mal passte und eines Tages bestimmt wieder passen wird kommt weg. Es passt mir jetzt nicht und jetzt brauche ich Kleidung die passt und nicht Kleidung die mal passen könnte. Prophetische Kleidung hält im Winter nicht warm.
 Geschirr? Ich schmeisse alles raus, was ich nicht jeden Tag benutze. Was bringt mir das gute Geschirr? Wann bin ich Tollpatsch gut genug um das gute Geschirr zu benutzen? Entweder es ist jeden Tag gut oder es geht.
Die einzige Ausnahme bildet ein kompletter Schrank mit Vasen. Wenn man Blumen kauft hat man meist nicht die passende Vase und eine Ansammlung von fast passenden Vasen finde ich da hilfreich.

Ebenso geht es uns mit Umtöpfen. Man weiss ja nie wie gross die Palme noch wird.

 Wir sind in die aktuelle Wohnung umgezogen und mussten uns von zwei Kellerräumen und einer Garage auf einen sehr kleinen Kellerraum umstellen.
Das dritte Zimmer ist nach zweieinhalb Jahren immer noch eine Art Aussenlager mit Wohnoption.
 Was kann weg?
Was brauche wir wirklich nie mehr?
Was muss halt weg weil wir keinen Platz haben?
Beim Sichten fällt auf, was wir überhaupt nicht vermisst haben, jetzt aber auf alle Fälle doch noch behalten wollen.
Wenn ich vor dem Berg stehe und sehe, was alles zu tun ist, möchte ich am liebsten die Türe schliessen und sofort auswandern.
 Aber man muss die Dinge einzeln betrachten.
 Jeden Tag ein bisschen. Wenn ich nur jeden Tag ein Teil in die Hand nehme und an seinen Platz bringe - das ist in den meisten Fällen der Müll - bin ich in zwei Jahren fertig.

 Was machen mit den alten Fotos, Briefen oder Flyern? Brauche ich die Sachen um mich zu erinnern und wie oft will ich meinen Kopf und mein Herz in die Vergangenheit stecken?
 Ob es nun verpasste Gelegenheiten oder liebe Erinnerungen sind, Freundschaften die waren und die nicht mehr sind oder sogar großartige Zeugen unglaublicher Erfolge, es war einmal.
Wenn ich mich nicht von selbst an die Menschen und Situationen erinnern kann, muss ich auch keine Erinnerunghilfen haben, die das tun.
Ich werde die Sachen einmal anschauen, dann werde ich mich freuen oder weinen, vielleicht auch erschrecken und dann kommen sie weg.
Mal schauen,ob dann wirklich was neues kommt und was es sein wird.

Kommentare:

Nicole Sarah hat gesagt…

Hi
zu allererst finde ich deine neue Aufmachung von deinem Blog total schön :-)
dann finde ich deine Gedanken wegen wegwerfen gut ;) SO mach ich es in der Tat auch, Fotos entwickel ich gar nicht mehr erst, sie sind auf dem Rechner ein paar wenige auf Facebook, aber wirklich ausdrucken muss ich diese nicht mehr!
Bücher ist jetzt hier ein klein wenig ein anderes Prinzip bei mir, ich liebe meine Bücher, sonder da aber auch schon sehr großzügig mittlerweile aus :)
Auch hab ich ja meinen EbookReader :) da sind auch einige Bücher drauf ;)

Finde deine Gedanken gut :-) und wollte einfach mal einen lieben Gruß da lassen :-)

die Vorgärtnerin hat gesagt…

ach, das macht dich so liebenswert, dass du prophetische Kleidung ausmistest, prophetische Vasen und Übertöpfe aber behältst.

Grüne Grüße!