31 Dezember 2014

Die fetten Jahre sind nicht vorbei

Ich bin angenehm satt bis vollgefressen von 2014!
Ich habe so viel erlebt, so viel gemacht, ausprobiert und getestet.
Ich bin aus einem Flugzeug gesprungen – mit Fallschirm.
Ich habe ein Diplom in sterben gemacht. In ordentlich und passend heisst das Fachschwester für palliative care.
Fast jeden Freitag habe ich gebloggt und drei Artikel in einer kleinen Zeitschrift veröffentlichen dürfen.
Wir haben den zwanzigsten Hochzeitstag gefeiert mit Freunden von nah und fern.
Portugal hat unser Herz erobert und wir haben fünf Tage versucht auf einem Brett durch seine Wellen zu kommen und nicht unter ihm.
Aarau und Lemgo waren Besuchshighlights mit vielen Sachen zum nachdenken.
Wir haben gefeiert und gelacht.
Es waren wenige traurige Momente im Jahr 2014. Was ich als Ausgleich nehme für die tränenreichen Jahre die wir schon hatten.
Trauzeugin war ich für die Beste Freundin und die solide Wahl ihres Herzens. (Wenn er sich als unsolide herausstellt, zerstöre ich zuerst die Harley und dann den Rest seines Lebens – er weiss bescheid)
Ich bin mal wieder etwas leichter und voller guter Vorsätze es zu bleiben.
Die nächste Ausbildung habe ich angefangen und im März heisse ich hoffentlich Praxisanleiterin.
Auf meiner Station war mehrfach die Hölle los, Leitungswechsel, Kollegen die kündigen oder gekündigt werden mussten und mehr Patienten, als ein unterbesetztes Team eigentlich versorgen kann. Aber mit Niemandem möchte ich so arbeiten, wie mit den Kollegen, die ich habe.
Wenn schon Titanic, dann nur mit dieser Band – wir spielen bis zum Schluss.
Ich war mit der Besten aller Trauzeuginnen im Wochenendurlaub – Katerbedingte Todeswünsche inclusive.
Ein Buch habe ich mal wieder versucht zu schreiben und nun weiss ich es ist kein Meister vom Himmel gefallen. Ich vermute, das ist mal einen Sache an der ich dran bleibe. Selbst wenn ich niemals gut genug für ein Buch bin oder mein Buch niemals gut genug für die Öffentlichkeit ist – es ist die Zeit, den Strom und die Tinte wert – für mich.

Ein fettes Jahr ist rum und das Nächste wird noch fetter - jedenfalls habe ic hdas so im Gefühl.

26 Dezember 2014

Weihnachten mit Inspektor Linley und warum ich die meisten nicht Thriller mag




Weihnachten war für mich immer die Zeit um zu lesen. 

Ich komme aus einer Lesefamilie. Wenn ich auch sonst oft über meinen genetischen Ursprung moser, sie haben mir die Liebe zu Büchern vererbt.

Meine beste Freundin und Schwester meint, ich habe ein widerliches Elefantnegedächtnis. Vielleicht hat sie recht, nicht mit dem widerlich, aber mit dem Gedächtnis. Ich kann mich an viele Bücher erinnern, die mir an Weihnachten geschenkt wurden.

Ganze Meter TKKKG  und fünf Freunde, Pünktchen und Anton, das doppelte Lottchen, das Tagebuch der Anne Frank, die letzten Kinder von Schevenborn und die Weisse Rose im Widerstand.

Wenn ich mir die Liste anschaue, weiss ich wo mein Gerechtigkeitsfimmel herkommt und warum ich auf Lügen völlig aussteige. Ich weiss auch, warum ich seit ich dreizehn war Tagebuch schreibe.


Ich liebe Worte, ich mag die gewaltigen und die leisen. Ich liebe Bücher in denen ich was lernen kann, die die Seele erheben, mich zum Lachen bringen mich emotional aufwühlen. 

Die meisten Thriller, mag ich nicht. 

Ich bin übersättigt von Massenmördern und Serienkillern. Danke, kein Nachschlag.

Vor einer Weile, habe ich mich an Herrn Fitzek herangewagt und auch hier wurde ich enttäuscht.

Die Figur war unglaubwürdig psychisch krank. Da steige ich schon aus medizinischer Sicht aus.

Warum berät die Autoren niemand mit medizinischen Kenntnissen?

Ich liebe Menschen und begegne ihnen gerne wieder. Die Grausamkeiten der Verbrechen, die in Venedig und Umgebung passieren, kann ich nur ertragen weil ich Komissario Brunetti da ist.

Ich mag den Mann, seine Familie, sein Trinkverhalten. Seit ich die Bücher von Donna Leon gelesen habe, will ich mir mal Venedig ansehen.

Das Leben von Barbara Havers und das traurige Schicksal ihres Vorgesetzten Inspektor Linley bewegt mich. Wird er über den Tod von Helen hinwegkommen? Die Fälle sind recherchiert, die Handlung hat tolle Wendungen, die Personen sind plastisch. Und es gibt keine Serienkiller die zu selten gewickelt wurden.

Ich finde sogar Mankells Kommissar nett - depressiv und zynisch, aber nett.

Was sollen eigentlich diese Serientäter? Sind sie der schwarze Mann für Erwachsene? Brauchen wir, ähnlich wie Kinder die böse Märchenhexe, einen Überbösen damit wir an ihm unsere unrealistischen Ängste abarbeiten können? 

Oder klappt man das Buch am ende zu und ist froh dass sich der Horror des eigene Lebens, auf Samstagseinkäufe im Kaufland, die Schwiegermutter und die jährliche Grippewelle beschränket?

Man hat sich fertig gefürchtet und kann nun das eigene Leben wieder schätzen?

 Weil der Serientäter a) endlich gestorben ist und man mit einem neuen bösen Böllemann im nächsten Roman rechnen kann  oder b) der Killer entwischt ist und man ihn im nächsten Roman wider treffen darf?


19 Dezember 2014

Verstopft

Ich bin schriftlich verstopft. Mehrfach verstopft.

Verstopfung Nummer eins
Nach dem NaNoWriMo habe ich den Fehler einer Pause gemacht.
Pausen sind nicht gut, jedenfalls keine Pause von über zwei Wochen.
Ich habe Texte angefangen und auf die virtuelle Halde gelegt, weil nichts gut war.
Was blogt man nach dem  NaNoWriMo?
Hallo, ich habe fünfzigtausen Wörter gepackt aber die Geschichte musste eine unverhoffte Wendung nehmen. Sie wurde eine völlig andere Geschichte und auch die macht noch keinen Sinn.
Ich müsste das Ding überarbeiten, noch mal lesen und wieder von vorne.
Und dann schweben aber schon neue Ideen in meinem Kopf und Projekte die mal lesereif werden sollen, aber nicht genug ausgereift sind, um überhaupt angefangen zu werden. 

Verstopfung Nummer zwei.
Was soll der Blog überhaupt? Er hat kein Konzept. Es geht weder nur ums schreiben wie bei den Schreibdilettanten, noch geht es um Theologie, oder um Computer.
Ich bin keine Celibrity, deren Schnupfen schon erwähnenswert wäre. Und ich habe keine niedlichen Kinder, deren süße Andekdötchen die Netzwelt bereichern könnten.
Mein leben ist zu unnormal und gleichzeitig zu gewöhnlich. Ich müsste doch ein Thema verfolgen mit dem Geschreibe hier, das tut man doch als Blogger.
Vielleicht ist es eine Blogschreiber Sinnkrise, oder die berühmte Midlifekrisis? Statt Porsche fahren und jungen Hausfreund bevögeln, überlege ich meinem Blog mehr Tiefe und Inhalt zu geben.
Ich mache aus dem Durcheinander meiner schriftlichen Gedanken einen Intellektuellen Zengarten.

Verstopfung Nummer drei

Die Frau Mama ist im Krankenhaus. Hüfte. Alle Mutter Tochter Konflikte, die in der Brigitte stehen werden ausgelebt. Von Vorwürfen über die Entfernung Stuttgart - Remscheid von der Frau Mama. Vorwürfe über Unbelehrbarkeit und Starrsinn von meiner Wenigkeit bis hin zu ständigem " ich lege jetzt  auf" wieder von der Frau Mama  und bösem Hörerauflegen von mir.
Ich schwanke zwischen ich muss zurück nach Remscheid ziehen und ich wandere aus.
Hatte Hemingway sowas? Oder Konsalik um die Ansprüche nicht zu hoch zu schrauben. Vielleicht hatten die das nicht weil sie Männer waren und Männer schlecht Mutter Tochter Konflikte haben können.
Was ist mit den Brontee Mädels, Jane Austen oder Nora Roberts? Vermutlich war/ist bei denen alles so wunderbar wattig, so schön familiär, da kann gar kein Konflikt kommen.
Und deshalb sind die nicht verstopft, wissen immer was sie schreiben wollen und es passt vom ersten Wort an.    

Alles bleibt wie es war und alles auf Anfang. Bis nächsten Freitag.

06 Dezember 2014

Mediale Entwöhnte Umgewöhnung


Anstatt täglich dutzend Male meine emails zu checken, zu schauen ob es auf Facebook allen gut geht und so locker eineinhalb bis zwei Stunden zu verlieren, habe ich den letzten Monat geschrieben.   
(Bla bla ihr wisst es NaNoWriMo, bla bla 50000 Wörter in 30 Tagen bla bla)
Mal abgesehen von einigen schreiberischen Erkenntnissen, habe ich folgendes festgestellt.
Es gibt ein Leben ohne Facebook und emails. Oh mein Gott.

Meine emails habe ich einmal täglich beantwortet, das reicht wohl, niemand hat sich beschwert.
Ihr habt alle überlebt, ganz ohne meine likes und Kommentare. Ihr habt geheiratet, eure Geburtstage gefeiert und eure Chefs gehasst, alles ohne mich.  
Ich werde das beibehalten. Wer mich also dringend kontaktieren will, muss mir wohl eine sms schreiben, die checke ich öfter mal.
Ich bin bestimmt eine der übelsten fabookern und Netzverläufern, die ich kenne. Dabei verliere ich Zeit. Zeit die ich brauche um zu lieben, zu schreiben, zu laufen, mich mit meinen Freunden und Kollegen zu treffen. 
 2015 wird das Jahr der weisen Zeiteinteilung.
Ich will mich überraschen lassen, wenn wir und auf ein Bier sehen und du eine neue Frisur hast. Ich will deinen Witz auf der Arbeit zum ersten mal hören und nicht mehrfach geteilt auf facebook lesen.
Entsage ich jetzt facebook völlig? Nein, aber einmal täglich reicht auch.
Ich will Zeit zum lesen haben. Ich will die relavant und die Krautreporter lesen, vielleicht noch die Federwelt und die hohe Luft. Und natürlich Bücher, Bücher die mich packen und nicht mehr los lassen. Die Art Bücher, die mich traurig zurücklassen, wenn die letzte Seite gelesen ist, weil sie so gut waren und nun zu ende sind.   
Ich will meine Zeit zurück haben und ich will dich lieber analog treffen als digital. Vielleicht habe ich sogar die Zeit dich zu besuchen.
Denn wenn ich nicht ständig von dir lese, stelle ich hoffentlich fest, dass ich dich mal wieder treffen will.

22 November 2014

Novemberpläne - Zwischenbericht

Da sich der Monat dem Ende zuneigt, ist mein Projekt 50000 Wörter im November zu schreiben auch fast vorbei.
Der Plan war weniger Medien und mehr schreiben.
Was wurde daraus?
Ich habe es geschafft. Medial gesehen. Ich sehe einmal täglich nach meinen mail und ich schauen auch nur einmal täglich nach meinen Freunden auf Facebook. Reicht alles. Sogar die sms beantworte ich nicht sofort und ich lese sie auch nicht direkt. 
Ich habe oh wunder Zeit. Viel mehr Zeit und ich bin entspannter, fühlt sich jedenfalls so an. Das soll so weitergehen, auch im Dezember. Vielleicht mache ich da sogar mal einen medienfreien Tag? Der Gedanke ängstigt mich jedenfalls nicht. Anfang November hätte er mir den Schweiss auf die Stirn getrieben.
Was die die Schreiberei angeht - ich wollte schneller werden und 500 Wörter in einer viertel Stunde schaffen - ich bin schneller aber nicht da, wo ich hin wollte. Wobei 350 auch nicht schlecht sind, für mich.
Aber ich liege heute zurück.... Wenn ich täglich 1667 Wörter schreiben soll, damit ich bei 50000  ende, liege ich einen Tag zurück. Einen Tag und einen Blogpost, den ich statt Freitag am Samstag reinsetzte.
Ich hatte eine tolle Idee über was ich schrieben könnte, aber ich meine Geschichte spukt mir durch den Kopf und die doofen Protagonisten und Antagonisten tun nicht was sie sollen. Sie verändern einfach die Geschichte.
Vermutlich muss ich den ganzen, schönen Roman noch mal neu schreiben, damit er Sinn macht und die Figuren sich ordentlich verhalten.
Vielleicht habe ich wegen dieses Fehlverhaltens eine Schreibblockade? Schreibblockade hört sich auf alle Fälle besser an als, " mir ging wie immer auf halber Strecke die Energie aus " oder " ich habe meine Figuren nicht im Griff ". Heute muss ich also noch ranklotzen und meine Charaktere zurück in ihre Bahnen lenken.
Zur Belohnung gibt es Kürbissuppe.

14 November 2014

Und dann sind sie plötzlich alt

Alt werden unsere Eltern schon immer, seit ihrer Geburt um genau zu sein.
Aber wirklich Alt? Meine Mutter war schon immer älter als ich - 33 Jahre älter und das ändert sich nicht, der Abstand bleibt, jedenfalls in Zahlen.
Es gab eine Zeit da hatte ich den Eindruck mit meinen Eltern auf einem Level zu sein. Wir waren einander ein Gegenüber. Ich wurde endlich ernst genommen, nicht belächelt, nach dem Motto " das wächst sich noch aus".
Jetzt habe ich sie irgendwie überholt. Aus der Frau die mir sagten, dass ein Blazer bei minus fünf Grad zu kalt ist, auch wenn eine Jacke warm aber uncool ist, wurde .... Ja was wurde aus ihr?
Sie ist alt. Sie hat Schmerzen. Der Körper ist eine Baustelle, wenn nicht das Herz muckt, zicken die Knie, der Rücken oder die Niere.
Sie will lange schlafen aber ihr Kopf lässt sie nicht,  der ist all die Jahre der frühen Aufstehens gewöhnt. Sie ist nicht mehr so schnell wie früher, wie auch mit den Knien, dem Rücken und dem Rest der Baustelle Körper.
Und dann ist da der Kopf, der ist nicht alt. Der ist fit und agil und will noch so einiges. 
Aber auch der hat sich verändert.
Sie ist nicht milder geworden, was man dem alt werden allgemein unterstellt. Sie ist hart. Hart gegen sich, weil der verdammte Körper nicht will und hart gegen andere, weil die nicht so machen wie sie machen würde, wenn der verdammte Körper nicht wäre.
Sie trauert der verlorenen Schönheit nach und befindet, dass es win weiterer Grund ist nicht aus dem Haus zu gehen.
Wann ist sie so alt geworden?
Ich erinnere mich, dass sie sich über ihre Mutter ärgerte, die ständig Angst hatte nicht genug Geld zu haben. Jetzt muss ich mir anhören wie arm sie ist und dass sie sich kaum was leistet und sie könnte, aber da ist ja der Körper und der Mangel an Schönheit der Jugend.
Da ist ein Unterschied zwischen älter werden und alt geworden sein.
Ich erinnere mich bei einem Gespräch meiner Eltern mit deren Bekannten dabei gewesen zu sein. Der Freund meiner Eltern sagte " und dann wunderst du dich über deine Eltern und was für einen bescheuerten Scheiss die plötzlich von sich geben ."
Sehe ich das bei meiner Mutter jetzt auch so?
Sie wird hilfloser, sie wird starrsinniger und sie will keine Hilfe und wenn ich nicht 450 km von ihr entfernt wohnte würde alles besser sein, sagt sie.
Ich habe ein schlechtes Gewissen und ich weiss genau, dass nichts anders wäre, weil sie keine Vorschläge annimmt, die ihr nicht in den Kram passen. 

07 November 2014

Reisen bildet

Ich habe meinen Bus verpasst weil ich zu fahrig bin, um ein Ticket richtig zu lesen. Das mit den nicht richtig gelesenen Textaufgaben war schon in Mathe mein Problem, allerdings eines von vielen Problemen, die ich mit Der Mathematik hatte.

Wenn man sein Ticket nicht richtig liest, steigt man am Frankfurter Flughafen aus anstatt am Hauptbahnhof. Wenn man es auch in der Wartezeit auf den nächsten Fernbus nicht liest, wundert man sich und ruft zur Abfahrtzeit bei der Hotline an und fragt wo der  Bus bleibt.
Dann stellt man fest, dass die von Meinfernbus ganz wundervoll sind.
Die freundliche Frau an der Hotline hat mich zurüchgerufen mir eine Anschlussverbindung genannt und mich zum Hauptbahnhof gelotst, dort hatte ich Wieder Aufenthalt und ich lernte wieder.
Wenn der Akku vom Handy langsam leer geht, wird man etwas panisch.
Wenn man sich auf die Ellnbeuge schlägt, wie ein Junkie der die letzt gute Vene sucht, nennt man es Frankfurter Applaus.
Wenn man in Frankfurt am Bahnhof steht wird das real. Eine Frau weint, wenn man ihr statt dem erbetenen Euro fünf gibt und sogar noch sagt, sie möge auf sich aufpassen. Ihr fehlten noch zwei Euro vierzig, vermutlich für Heroin, jetzt hat sie noch zwei Euro sechzig für was zu essen oder sie muss für zwei Euro sechzig weniger schnorren.
Die Leute haben keine Zeit. Sie müssen hasten und eilen, denn die Bahn streikt - ganz unerwartet, plötzlich. Es war nicht vorhersehbar, das hat gestern noch keiner gewusst.
Sie sind  sauer, die unverschämten Lockführer streiken, wenn das alle täten. Wenn das die Krankenschwestern täten.
Ja wenn die Gesundheitsberufe ohne akademischen Abschluss es endlich tun würden, dann würde die Arbeit auch höher bezahlt. Aber die Pflege opfert sich lieber auf und jammert, als sich auf die Hinterbeine zu stellen. Also denke ich, Lockführer ole und wünsche ihnen alles Gute.
Ein Mann sagt mir, er will lieber den Euro als das Brötchen, der Bäcker hier ist so teuer. Natürlich will er den Euro für Schore, seine Pupillen sprechen Bände.
Ich kaufe ihm Was zu Essen und geb ihm Geld. Wir unterhalten uns kurz über das Geld das bie reicht und wie schlecht man am Bahnhof was geschnorrt kriegt, wir geben uns die Hand und wünschen uns einen schönen Tag.
Wenn ich jedem Junkie Geld gäbe, würde ich bald ganz schön arm sein, sagst du. Das mag sein,aber im geschleckten Stuttgart und da kann ich mir das leisten, sage ich dir.
Du sagst dass die sich eh nicht an das Gespräch erinnern werden. Na und, aber an diesem Tag hat jemand mit ihnen geredet und war freundlich, das ist heute vielleicht das einzig nette, das ihnen passiert ist.
Am Busbahnhof soll ich mal zwei Busse eher da sein, falls doch noch ein Platz frei ist, sagen mir die netten Mitarbeiter von Meinfernbus. Also geh ich schon mal dorthin, damit ich nicht schon wieder einen Anschluss verpasse.
Ich komme mit Nummer drei ins Gespräch, wir reden über Kälte und Obdachlosigkeit, dass es schwer ist in Frankfurt.man wird verjagt. Unter den Gleisen ist es warm, aber da darf man nicht hin, weil es Einbruch ist und dann die Bullen kommen.
Zu viel Valium macht Depressionen und wenn man seinen Perso verliert kriegt man kein Geld von der Arge. Wenn man beweisen will wer man ist ohne Wohnsitz, ohne Perso und ohne Stammbuch wird es schwierig.
Dann rufen die netten Menschen von Meinfernbus an und sagen ich kriege einen Platz im nächsten Bus. Wir verabschieden uns und ich hoffe er hat gut zugehört, als ich ihm sagte wie man im größten Notfall im Krankenhaus ein Bett bekommt und hat sich nicht nur über die Cola und das Geld gefreut.
Ich habe weniger schreiben können, als ich wollte, ich schaffe es nicht meine Mutter heute Abend noch zu besuchen ich möchte ein Kölsch und ich habe Hunger. Ich sitze im warmen Bus und freu mich über meine Probleme, worüber rege ich mich eigentlich.
Meine Unachtsamkeit hat mich 36,06 € gekostet. Mir darüber bewusst zu werden, wie gut es mir geht unbezahlbar.


31 Oktober 2014

Ich bin dann mal weg.

Entgegen meiner Gewohnheit täglich zwischen sechs und fünfzehn mal meine mails, emails, social media accounts und diverse Zeitungen und Videos zu checken, wird das ab morgen auf einmal täglich reduziert.
Ich bin dann mal weg.
Wenn ich meine täglich im Internet verbrachte Zeit zusammen rechne komme ich auf ein bis zwei Stunden täglich. Kein Wunder, dass ich keine Zeit habe.
Der November wird der Monat meiner Internetdiät. Für die nächsten 30 Tage nutze ich meine Zeit zum Schreiben.
Zum dritten mal mache ich den NANOWRIMO mit. Am 30. November müssen 50000 Wörter geschrieben sein - die länge eines durchschnittlichen Romans.
Da ich ohne Druck schwer kann, ist der Wettbewerb gegen mich selbst, meine beste Chance etwas zu schreiben, was ich überarbeiten kann und aus dem mal ein Buch werden könnte.
Ich trete gegen mehrere Gegner an und alle wohnen in meinem Kopf. Da ist nicht nur ein innerer Schweinehund, es ist ein Rudel.
Der Alphaschweinehund  sagt mir, dass ich fantasielos bin, dass die Geschichte keinen Sinn macht, dass ich schon witziger war und dass ich besser aufgeben soll.
Sein Rudel fragt, wann ich denn mal spielen komm, da gibt es Bücher zu lesen, Serien zu schauen ( am Besten am Stück ) und Freunde zu treffen. Sie erwähnen stetig meinen Mangel an Kultur und Bildung und winken mit dem Loopsheft für Stuttgart.
Und das Schwinehunderudel hat Flöhe. Die kriechen ins Ohr und sagen:" nur kurz Facebook checken, kurz die mail schreiben, kurz die sms beantworten!"

Falls ich das Rudel und die Flöhe besiege, schaffe ich nicht nur einen Roman, sondern auch ein erhöhtes Schreibtempo, die Rückgewinnung eines gesunden Umgangs mit den sozialen Medien und der Informationsflut des Netzes.
Liebe Freunde ich ich bin weg.
Ich hoffe wir bleiben Freunde.

24 Oktober 2014

Schämen

Manchmal schäme ich mich.
Das passiert. Ich schäme mich für Dinge die ich gesagt habe oder ich getan habe. 
Ich versuche mich dann zu entschuldigen, wenn ich damit andere verletzt habe. Wenn ich nur peinlich war, singe ich ein Lied. Das hilft mir nicht weiter um meine Peinlichkeiten zu kreisen und was vernünftiges zu tun.
Manchmal, wenn ich gedankenverloren einer Tätigkeit nachgehe, die nicht viel Aufmerksamkeit erfordert, weil sie Routine ist, erinnere ich mich an ganz alte Geschehnisse und was ich da gesagt oder getan habe.
Das ist mir dann so peinlich, dass ich nachträglich rot werde und wieder schnell was singe. Singen hilft gegen schämen. Manchmal pfeife ich nur, aber das hat den gleichen Effekt.

Dann gibt es Gruppen zu denen ich gehöre und derer ich mich öfter schäme. 

Nicht alles, was tun ist falsch, nicht alles ist peinlich. Manche von ihnen sind immer peinlich, aber nicht alle. Jedenfalls kann ich die nicht wegsingen.
Aber ich muss oft Stellung zu ihnen beziehen. Entweder weil man mich auf die Gruppenzugehörigkeit anspricht oder weil es mir so peinlich ist, was jemand gemacht hat, dass ich mich und den Rest der Gruppe gegen ihn abgrenzen will.

Die erste Gruppe ist die der Krankenpflege. Ich habe schon in einem anderen Post darüber berichtet, dass der Chefarzt nicht unser Chef ist, wir nicht bei der Caritas einen sechswöchigen Kurs besucht haben und dass wir nicht in diesem Beruf sind weil wir Ärzte heiraten wollen und allgemein promiskuitiv sind.

Ich möchte noch näher auf das Thema eingehen. Ich schäme mich der Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht für Patienten interessieren, diese respektlos behandeln und sie bloßstellen ( siehe Zeitungsartikel zum Thema Selfies mit Patienten).
Ich schäme mich für die Dummen unter uns, die glauben Blasen und Nieren Tee wäre ein Till Schweiger Scherz und zwei Ampullen Vitamin B6 bringen weil sie die Ampulle Vitamin B12 nicht finden konnten.
Ich möchte mich für die unter und entschuldigen, die immer nur tun, was der Arzt sagt und meinen deshalb nicht mitdenken zu müssen.
Aber die Meisten von uns sind verantwortungsbewusst und behandeln ihre Patienten mit Respekt und Würde. Wir denken nach, bilden uns fort und verstehe uns als Teil des therapeutischen Teams.
Und auch die, die dumm handeln sind nicht nur dumm, jedenfalls sage ich mir das immer.

Die andere Gruppe zu der ich gehöre, ist die Christenheit  und da gibt es eine Menge zum schämen.

Denn hier ist zuerst, die Vergangenheit des Christentums ganz vorne zu nennen - ich meine die Hexenverfolgung, die Kreuzzüge und das Schweigen im Dritten Reich -.
Allerdings hat sich auch die Krankenpflege in ihrer Geschichte nicht Ruhm bekleckert, aber das wissen die wenigsten und so muss ich mich nur wegen meiner "frommen Vorfahren" rechtfertigen und nicht auch wegen meiner pflegerischen.
Aber gehen wir in die Gegenwart, findet sich im christlichen Bereich ein bunter Strauss an Schämbarketeiten: Fromme Sprache im religiösen kontext, die kein Laie aka nicht-Kirchgänger versteht, amerikanische Fersehprediger die sich bereichern wollen " einen fröhlichen Geber hat Gott lieb und wenn du 10% deines Einkommens gibst, bekommst du es mindestens 30fach wieder", Frauenfeinde - die Frau aber wird selig, dass sie dem Manne untertan sei und Kinder gebärt, weil das ihre Lebensaufgabe ist" -,  Homosexuellenhasser " die vergewaltigen alles Kinder und Schaafe " und so vieles mehr.
Und da gehöre ich zu. Ich vertrete zwar keine dieser Ansichten aber ich glaube an den gleichen Gott ( was mir von ihnen vermutlich abgesprochen wird, da ich die Ansichten nicht vertrete ).
Ich glaube, dass Jesus für die Sünden, Verfehlungen, Schmerzen und Leiden dieser Welt gestorben ist. Ich glaube, dass er jeden liebt ( auch die, die mich aufregen und die ich nicht geliebt kriege), jedem helfen möchte und das Beste ist, was mir jemals passiert ist. Weitere Infos gerne auf Anfrage. 

17 Oktober 2014

Bin ich eine oder bin ich keine?


Was macht einen Schriftsteller aus? 

Veröffentlichungen? Literaturpreise? Eine Besprechung im Literarischen Quartett? 
Stephen King wusste schon sehr früh, dass er Schriftsteller ist, er verfasste Geschichten sobald er in der Schule Schreiben gelernt hatte.
Wir haben eine Gemeinsamkeit, Herr King und ich. 
Den Wunsch zu schreiben, hatte ich schon immer. Den ersten Versuch, startete ich etwa im Alter von acht Jahren. Ich hatte zuvor eine Geschichte über eine kleine Katze gelesen, die Abenteuer erlebt.
Ich erfand darauf hin eine Geschichte über einen kleinen Hund, der Abenteuer erlebt.
Das nächste, an das ich mich erinnern kann, war der Wunsch über meine Uroma zu schreiben. Ich war elf. Es sollte ein ganzes dickes Buch werden. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich über die erste Seite hinausgeschrieben habe, allerdings weiss ich noch, dass ich mehrfach das Wort "eigentlich" verwendete.
Wie etwa " sie ist eigentlich alt, benimmt sich aber jung" oder " sie hat nicht studiert, ist aber eigentlich sehr schlau."

In meiner Pubertät wollte ich schreiben wie Anne Frank oder Susanne E. Hinton. Beides waren junge Autorinnen. Sie waren weiblich und sie mussten nicht steinalt alt wie Goethe werden.

Ich habe es keiner der beiden Autorinnen nachmachen können.
Ich habe weder mit sechzehn mein erstes Buch geschrieben wie Frau Hinton, noch haben sich meine Tagebücher millionenfach verkauft, wie die von Anne Frank, ausserdem lebe ich noch.

In Deutschland gilt man erst als Autor, wenn man etwas veröffentlicht hat, dass käuflich erworben werden kann, am liebsten als Paperback -der ultimative Beweis, dass man mehr als ein Buch verkauft hat und von der Schreiberei leben kann.

Wenn man noch nicht veröffentlicht hat, sollte man wenigstens Germanistik studiert haben oder als Journalist tätig sein.
Nach diesen Kriterien, bin ich kein Autor.

In Amerika ist das anders. 
Dort reicht der Wunsch zu schreiben, die Fähigkeit einen Stift zu halten oder mit dem Computer umgehen zu können aus, um sich Autor zu nennen und ernst genommen zu werden.
Wie angenehm, wie ermutigend.
Allerdings gilt auch dort: Wer schreiben will, muss schreiben.

Ich habe Jahre lang davon geträumt zu schreiben und es nicht getan.

Die Zeit fehlte. Ich hatte keine zwei Stunden am Tag um zu schreiben. Ich schaffte es einfach nicht, wir John Grisham um fünf Uhr im Büro zu sitzen und zu schreiben bevor der Betrieb losging.
Ab und an ein Schreibseminar zur Eigenermutigung musste ausreichen.

Und dann wurde mir ein Ipad geschenkt. Zum Geburtstag, weil ich doch schreiben will und weil sie anscheinend glauben, dass ich das tun sollte - mein Mann, meine Freunde und die Familie.


Seitdem höre ich Podcasts. Einer hat mich sehr ermutigt - die Schreibdilettanten. Die Jungs haben "normale" Berufe, von denen sie leben können und sie haben den Traum eines Tages vom Schreiben leben zu können.

Sie geben Tips zum Schreiben, Plotten, Schreibprogrammen für Schriftsteller, Lesetips und mehr. 
Ich habe gelernt, dass man jede Minute zum Schreiben nutzen kann. Ich brauche keine Stunden, die ich mir mühsam freischaufle, fünf Minuten geschrieben sind besser als garnicht geschrieben und wenn ich fünf Minuten sitzt, habe ich plötzlich doch mehr Zeit, als ich dachte.

Natürlich wünsche ich mir, dass ein Buch von mir gedruckt und von vielen Menschen gekauft und gelesen wird. Selbstverständlich wäre es traumhaft vom Schreiben leben zu können. 

Ob das, was ich schreibe gut genug ist? Es gibt grottenschlechte Bücher, die verlegt wurden und wundervolle Romane, die niemand verlegen will.
Um veröffentlicht zu werden braucht man ausser Talent auch viel Glück. 

Am Glück kann man nicht schrauben aber man kann seine Sachen verdammt gut machen. 

Ab wann ist etwas gut? Ist etwas gut wenn die aktuellen Experten es als gut einstufen? Dann wären uns vermutlich viel Musikrichtungen, Malereitechniken und auch Bücher vorenthalten worden.Ich glaube, dass viel zu viele Talente brach liegen, weil wir Angst haben als nicht gut genug bewertet zu werden.
Aber das macht nicht aus ob ich mich Schriftstellerin nennen darf oder nicht.
Ich schreibe. Ich schreibe täglich und ich schreibe so gut ich kann und das macht die Bezeichnung Schriftstellerin aus.

10 Oktober 2014

Laufen und Schnaufen die Dritte

Wie das Laufen so läuft willst du wissen?
Ob ich mich jetzt aufwärme, bevor es losgeht?
On ich schon zehn Kilometer am Stück gelaufen bin?
Wie schnell ich bin?

Das Laufen läuft gut. Ich habe mir auf der runners point Seite einen Trainingsplan runtergeladen. In drei Monaten zum zehn Kilometer Lauf.

Jede Woche steigert sich die Länge der Läufe und die Herzfrequenz mit der ich laufen soll. 
Das fängt ganz langsam an. Also hatte ich keine Sorge vor der ersten Trainingseinheit. Zwanzig Minuten später machte ich mir welche. Ich sollte nach zehn Minuten im langsamen Aufwärmtempo zwanzig Minuten lang mit meiner Maximalfrequenz laufen. Nach fünfzehn Minuten hatte ich das Gefühl, meine Lunge läuft vor mir her, währende meine Beine weit hinter mir laufen.
Die Beine waren müde und die Lunge wollte ankommen. 
Als Krankenschwester gingen mir die diverse Krankheitsbilder durch den Kopf, auf deren Zenit, ich mit einem Schlauch im Hals mitten im Park lag und diverse Rettungssanitäter um mich herumsprangen.
 "Es könnte eine Lungenspastik sein, immerhin reagiere ich auf Gräser und Pollen."
"Es gibt auch Menschen in meinem Alter, die einrn Herzinfarkt haben."
"Hoffentlich wird das kein Schlaganfall."

Zu Hause angekommen war ich stolz wie Bolle Auf mich, weil ich a) überlebt hatte ohne Notarzt, b) genau nach Plan gelaufen war und c) die Einheit der zweiten Woche absolviert hatte.

Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Meiner Wade geht es gut, seit ich mich aufwärme und nun doch so richtig richtige Laufschuhe besitze. Ich habe mich von meinen der-Joey-Kelly-läuft-auch-mit-Deichmann-Tretern getrennt und Laufschuhe für den professionellen Hobbieläufer gekauft.

Bei Shoe ans Sole habe ich eine Laufanlayse bekommen. Da wurden die Füße ausgemessen, der Laufstil per Kamera analysiert und verschieden Laufschuhe an meinen Füßen, während des Laufens, gefilmt. Meine Füße sind Stars und so sehen die Schuhe aus, Rosa und türkis Metallic. Wie ein Autoscooter auf dem Wasen.
Ich habe noch nie so viel Geld für Schuhe ausgegeben 140€, das sind drei Paar Deichmanntreter.
Dank Aldi kann der Laufherbst kommen, ich werde mir den Weg durch die Dunkelheit in Pink und Knallgrün erlaufen.
Und meine Trainungserfolge? Bis jetzt wird es ein Kopf an Kopf Rennen mit dem Besenwagen.
Aber ich laufe. Meine Waden sind unauffällig, die Knie machen mit und die Lunge sorgt für adäquate Sauerstoffversorgung.
Es bleibt spannend.

P.S.im Februar will ich in Göppingen zehn Kilometer laufen.

03 Oktober 2014

Gewichtsnorm

Man kann seiner Drogensucht davonrennen, dem Krebs entkommen oder ganz schlicht dem Übergewicht den Garaus machen.
Diverse Krankheiten, wie Bluthochdruck und Diabetes werden erfolgreich durch Sport und Gewichtsabnahmen verhindert.
Letzteres ist keine Headline wert, ist aber eine Erfolgsstory. Eine Headline wären die Menschen, die an ihrem Diabetes, Bluthochdruck und Arterienverkalkung versterben.
Weil Sport kein Mord ist. Sport ist gesund und hält fit und setzt ganz tolle Endorphine ( ähnlich wie Kokain ) frei und es verändert das Denken und überhaupt alles.
Herzbeutelentzündungen, weil man trotz Grippe und gegen den Rat des Mediziners gelaufen ist, zählen nicht. Magenschleimhautentzündungen, weil der Hobbyhochleistungssportler Schmerzmittel in Ratiopharmaktien steigernden Dosen zu sich nimmt, haben mit dem Sport an sich nichts zu tun.
Sport ist gut und kein Sport ist schlecht. Dick sein ist falsch und dünn sein richtig. Zu dünn gibt es nicht und Fettleibigkeit fängt bei Kleidergrösse 44 an. Kleidergrösse 40 ist der Beginn von Übergewicht.
Wer sagt das ?
Die Gesellschaft! Der Grossteil der Gesellschaft. Und bitte lieber, Leser liebe Leserin, komm mir nicht mit den Medien, die uns das vorschreiben. Wir kaufen diese Medien, wir wollen diese Meinung lesen hören und sehen. 
Der Durchschnitt der Gesellschaft ist übergewichtig und treibt selten Sport, will aber nicht hören, dass es ok ist so zu leben, sonst würde die Medien darüber schreiben müssen. Wir sind übergewichtig, sportlos und wir wollen hören wie lebensgefährlich das ist. Ein Leben am Limit.

Trotz Fett, Tabak und Alkohol wird der Durchschnittsdeutsche, siebenundsibzig Jahre alt.

Natürlich können jetzt böse Zungen sagen dass die Fett-Sprit-Tabak-kein Sport-Bevölkerung sehr jung stirbt und die Sportasketen saumässig alt werden und sich der Schnitt daraus errechnet.

Denn wenn immer mehr Menschen unsportlich und dick sind, müssen proportional dazu immer weniger Menschen sportlich schlank und aktiv sein. 


Die Durchschnittsfrau trägt Kleidergrösse 42 - 44, damit sind alle Frauen, die nicht mindestens ein Meter Achtzig gross sind, fett per Gesellschaftsdefinition.


Und ich hänge mittendrin. Ich zum dritten oder vierten Mal ernsthaft ab, versuche mal wieder regelmässig Sport zu machen und frage mich wann ich mich schlank und fit finde.

Denn hier geht es zwar auch um das Wohlfühlgewicht, aber auch ich bin zahlenhörig. Wenn ich mich bei xy,yx Kilo schon wohl fühle, aber die Zahl auf der Waage noch gefühlt zu gross ist, werde ich dann zufrieden sein? Oder bin ich erst zufrieden, wenn die richtige Zahl auf der Waage erscheint?
Warum finde ich meine übergewichtigen Freundinnen schön und perfekt, wie sie sind und kann gleichzeitig völlig unzufrieden mit mir selbst sein?
Ich bin begeistert über Modenschauen für Plus-Size Frauen und über den Fatkini ( wobei ich den Namen nicht mag ).
Sind übergewichtige Menschen krank? Immer ? Ab wann ist man dick? Wann fühlst du dich hässlich?

26 September 2014

Kulturschock

Kulturschock. Vom bergischen Land ins Schwabenland.
Vom Krankenhaus zur Pädagogik.
Anderes Kollegen, andere Sprache ein anderes Klientel.

Was ich mir bei dem Umzug dachte, ausser " nichts wie weg " , weiss ich nicht.
Das ich nicht gedacht hätte, wie schwer ein Umzug in ein anderes Bundesland mit der Kombination auch den Beruf zu wechseln ist, weiss ich jetzt.
Ich dachte die sprechen nur anders.
Aber die sind anders.

Auch das Klientel sah nicht nur anders aus und war halt jünger, die waren auch anders, als der ordentlich sedierte Intensivpatient an seiner Beatmungsmaschine.

Pädagogen sind speziell. Sie reden freundlich und höflich, fragen ob man etwas machen mag - meinen aber, dass man es bitte tun soll. Der schwäbische Pädagoge hängt ein le an die unvorstellbarsten Adverbien und Substantive.

In einer Schule in der man sich um sehbehinderte Kinder und Jugendliche mit vielen weiteren Behinderungen kümmert, kümmert man sich auch um die Eltern. Einige Eltern glauben, dass ihr Kind, das einzige in der ganzen Schule ist oder das der kleine Watz zumindest der, ist der die meiste Aufmerksamkeit braucht.
Erzeuger, in Paaren oder als Soloprojekt denken auch, dass die Zeit, die Pädagogen zur Verfügung steht, proportional Dehnbar ist zu den Bedürfnissen, des kleinen Watz.
( in acht Stunden Schule, kann er jeweils fünfundvierzig Minuten lang, Physiotherapie, Logopädie, Sehförderung und Atmungstherapie erhalten. Dazu kommen, am gleichen Tag, der Unterricht für Mengen und Grössen und das Anbahnen der Lesefähigkeit, ebenfalls für die Dauer von fünfundvierzig Minuten, sowie der Gruppenunterricht im Gestalten und Sachkunde.
Natürlich muss der kleine Watz auch noch gewickelt oder auf die Toilette gebracht werde, nachdem er gegessen hat ( die vom Elternhaus vorgegebene Menge muss in das Kind befördert werden ) und er braucht Pausen.
Wir kommen hier auf die Magische Zeitdehnung von Acht auf satte zehn Stunden.

Und dann der kleine Watz und die kleine Wutz.
Die sind auch anders. Die sind keine kleine Erwachse. Die sind Kinder und die sind schon medizinisch per se anders. Dazu addiert wird die Behinderung und die Auswirkungen auf das Kind.
Biologisch ist die kleine Wutz sieben Jahre alt. Motorisch steht sie auf dem Stand eines halbjährigen Säuglings. Wo steht die Wutz emotional?
Was ist denn am nötigsten bei der Wutz? Das sieht jede pädagigisch zuständige Person andres. Die Sonderschullehrerin findet die Sehförderung ist da wichtigste, der Physiotherapeut möchte dass die motorischen Fähigkeiten ausgebildet werden, der Fachlehrer möchte das Wutzi begreift nicht die einzige Schülerin der Klasse zu sein und die Fsjlerin will das Wutzi sie nicht kratzt, wenn sie gewickelt wird.
Die arme Krankeschwester schaut zu und findet alles völlig fremd.
Und mitten drin ist Wutzi, die auf Grund eines epileptischen Anfalls in der letzten Nacht, völlig übermüdet ist und nur schlafen will.

Alles ist individuell und besonders. Jeder Tag ist anders und doch völlig routiniert, da zu viel Veränderung für fünf Watze und Wutzis auch nicht gut ist.
All der Förderei stehen bizarre Problem im Weg. Wie schaffen wir es, dass Watz isst ohne, dass für ihn " wie schön das du geboren bist " durchgesungen wird?
Kann man Wutz beibringen, nicht so lange zu heulen bis das richtige Lied auf dem CD Player angespielt wird?
Wie kann man mit Wutz auf die Toilette gehen, ohne dass sie a.) sich und b.) den Toilettenbegleiter zusammentritt?
Wie kann man Watzs Windel schliessen, wenn er eine Erektion hat? (Man will ja nicht in einer halben Stunden, erneut zum Wickeln gehen und das T-Shirt ebenfalls wechseln.)
Die Krankenschwester stand mittendrin und staunte. Alles war unendlich langsam. Da gab es kein Zack Zack und los. Jede Aktivität brauchte Planung und bis alle im Rollstuhl sassen damit es losgehen konnte, war bereits die hälfte der Zeit verstrichen.
Die lieben Kleinen waren nicht nur lieb und irre dankbar, weil sie arm und behindert war und man sich um sie kümmerte. Die hatten Charakter und sie fanden Lehrer genauso ätzend oder cool, wie andere Schüler auch.

Es gab einen Wutz, der gerne kotzte, wenn ich mich um ihn kümmern musste. Das ich ihn teilweise betreute, konnte nicht geändert werden. Ich fand dieses Kind >#*^=*+^%#~  und er liebte mich mit gleicher Inbrunst.
Wir fanden dennoch einen Weg um miteinander nicht zu kotzen.

Und was hat die Krankenschwester in all der Zeit gelernt?
Jeder Jeck ist anders!
Viel Geduld.
Auch kleine Schritte können vorwärts bringen.
Eine CD kann man hören, bis man sie nicht mehr ertragen kann und darüber hinaus noch hören muss. Darauf folgt die Phase in der diese HassCD deine neue Lieblings CD wird.
Kastanien( für den Laien, das sind Stuttgarter Pflastersteine, mit denen Demonstranten werfen) sind das ganze Jahr toll.

Ich bin jetzt wieder Krankenschwester und sehr glücklich, dass ich das Tempo vorgeben kann.
Aber jeden Herbst, wenn die Kastanien fallen denke ich an die Pfiffis und singe die Hits der Hass CD.

19 September 2014

Urlaubsansichten

Man kann einen Menschen nur beurteilen, wenn man eine Weile in seinen Schuhen gelaufen ist, sagt ein altes Sprichwort, das man wahlweise den Chinesen oder den Indianern unterstellt.
Der moderne Pädagoge würde es so übersetzten, man muss den Menschen in seinem soziokulturellen Hintergrund sehen, mit Rücksichtnahme auf seine religiösen Wurzeln und dabei seine biopsychozoziale Gewordenheit nicht ausser Acht lassen.
"Andere Länder andere Sitten" würde meine Oma sagen.
Bei Star Treck ist es die „Oberste Direktive“ , der wichtigste politische Grundsatz der Föderation. Sie enthält ein verbindliches Nichteinmischungsprinzip in die internen Angelegenheiten anderer Zivilisationen. ( Quelle Wikipedia) man darf beobachten, sich aber nicht einmischen, weil man die Zivilisation nicht kennt.
Der Kölner sagt dazu " jeder Jeck is anders ".

Soweit alles klar. Und dann bin ich doch immer wieder erstaunt wie anders die anderen sind. Wenn wir alle in Deutschland oder Europa leben und so circa einen ähnlichen Bildungsweg genossen haben oder ein ähnliches soziales Umfeld haben, dann müssen wir doch in etwa gleich leben und denken. Vor allem gleich denken und bewerten.
Pustekuchen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur ein Anders.
Und von diesem Anders will ich lernen. Davon will ich mir etwas mitnehmen. 

Das ist hoffentlich mehr als ein Schlüsselanhänger aus dem Türkeiurlaub, der mich daran erinnert, dass alles all inclusive war, oder eine Muschel die mich an den Strand von Peniche mit seinen perfekten Wellen erinnert.


Eine Cousine hat uns Gewürze geschenkt, die sie in Israel auf dem Markt gekauft hat. Das ist ein Souvenir, dass man im Alltag gebrauchen kann. Keine Speise, hier zubereitet mit diesen Gewürzen, kann so schmecken wie das Essen dort. Aber ich kann mein Essen damit aufpeppen, ergänzen, bereichern.


In welchen fremden Kulturen war ich denn und was ist mein Souvenirgewürz?

Wir waren in Lemgo, einer Kleinstatt in Ostwestfahlen Lippe. 
Eine Lebensgemeinschaft über dem Kirchenbüro. Sie leben Gemeinschaft und nicht nur innerhalb ihrer Wohnung. Essgemeinschaft nennen sie es. 
Vier mal pro Woche wird reihum bei Freunden gegessen, man hat Schlüssel voneinander.
Diese Menschen haben alle reduzierte Stellen, damit sie das leben können. Die Gemeinschaft zu leben, füreinander da zu sein, ist ihnen am wichtigsten. Sie leben und experimentieren mit Spiritualität. 
Stadtpilgern, Körpergebet, Volxkirche mit gemeinsamen Essen.

Welches Gewürz nehme ich mit? Es gab so viele. 

Was von all den faszinierenden Sachen passt zu meinem Leben?
Die Essgemeinschaft hat mich am meisten beeindruckt, ich mag Essen und ich mag Menschen. Aber vier mal die Wochen? Anderen meinen Schlüssel geben, ausser zur Sicherheit, falls ich mich ausgeschlossen habe, no way.
Wer kann in Stuttgart vier mal die Woche? Auch nur auf ein Mittagessen? Wer? Ich mit meinem Schichtdienst nicht. Die Meiste , die ich kenne auch nicht. Hier hat man zumeist 100% Stellen und wir wohnen mindestens zwanzig Minuten Fahrt voneinander entfernt.
Aber mehr zum Essen einladen, das kann ich. Rumhängen mit Freunden, das kann ich auch. Gewürz Nummer eins ist im Gepäck.

Die Sache mit dem Pilgern fand ich gut. Ich war ja mal auf dem Westweg. Vielleicht setzt ich den fort,nächstes Frühjahr . Ab der Stelle, wo ich letztes mal nicht weiter konnte, weil ich mich am Vorabend mit meiner Wirtin zu sehr betrunken hatte, könnte ich weiter wandern. 

Das ist zwar nicht so wie im Lemgo, weil es nicht langsam umd ruhig ist, aber es ist eben wie bei Mesii. Und beim Laufen habe ich schon immer nachgedacht und Gott taucht da auch öfter auf.
Ich werde mehr draussen sein, an er Luft, mit oder ohne Wade, weil ich im Sommer 2015 den Stuttgartlauf machen will.

Und damit  sind wir schon in der Schweiz, in Aarau. Nicht wegen der Frischen Luft, wegen der hohen Luft. In Aarau gibt es eine Wohnung, da liegt die Hohe Luft auf der Fensterbank. Ein Magazin zum Philosophieren.

Gute Alltagstaugliche Gedankengänge und Hinterfragungen. Ich habe es noch nicht aboniert, aber es steht auf der Liste.
Aarau. Da geht man einfach raus in die Altstadt und findet immer jemanden zum grüssen und oder zum Kaffetrinken. Warum mache ich das nicht hier? Es verlangsamt, es ist unterhaltsam und man kann im Internetcafe die Homepage von der Hohen Luft in Cannstatt lesen.

Jetzt habe ich ein bisschen Lemgo und ein bisschen Aarau in meinem Leben, bin um einiges reicher in der Seele und weiter im Horizont. 

12 September 2014

Laufen und Schnaufen die Zweite

26 Tage frei. 16 Tage Urlaub plus Nachtwachenfrei und Wochenende, machen 26 Tage.
26 Tage, an denen ich jeden Tag Sport machen und schreiben wollte.
Jetzt habe ich noch sechs Tage vor mir, wenn der Blog raus ist noch vier und hier ist das Fazit.
Geschrieben wurde bisher an 16 Tagen. An den vier fehlenden Tagen, kam mir das Leben dazwischen. Unter anderem tarnte es sich zwei mal, als Kater.
Tja und die Sache mit dem Sport sieht auch so aus.

Warum tut man sich das im Urlaub an?
Weil es Spass macht und weil ich in einen guten Rhythmus kommen will, damit es im bösen Alltag nicht verloren geht, das Bewegen und das Schreiben. Und das Schreiben fällt auch schon leichter geht länger und wird gefühlt besser.
Und der Sport war auch toll.

ABER
Aber meine linke Wade ist ein Terrorist. Sie zwickt. Sie zwickt und macht seit ca drei Wochen rum.  
Im Wasser ist sie lieb. Da macht sie genau das Gleiche, wie die Rechte. Sie paddelt schmerzfrei und schiebt mich vorwärts.
Wenn sie laufen soll, fängt sie schon an zu heulen... Wie ein Teenager. Dieses leichte Genöle, das ausdrücken soll, dass sie nur mitmachen, weil man sie zwingt.
Und dann beim Laufen selbst, wird sie zur Tyrannin. Sie ballt sich zusammen, wird auf Dehnung leicht besser und zieht sich beim Weiterlaufen noch mehr zusammen.
Klare Diagnose der Krankenschwester - also meine Diagnose - "das ist ein Krampf". Gegen Krämpfe hilft Magnesium.
Magnesium gibt es in Tablettenform, zum brausigen Trinken oder zum Schlucken und in Bananen gibt es das auch.
Magnesium.. " kann in hohen Dosen abführend wirken " Das steht auf jeder Packungen mit Magnesium.
Wann ist denn die Dosis hoch? Der Krampf soll gehen und die schlaue Krankenschwester schluckte das Zeug, bis der Krampf geht. Das war der Plan.
Der Krampf blieb und der Durchfall kam.
Also wird das gute Zeug abgesetzt, damit ich vom Klo runter und in die Laufschuhe rein komme. Ich sag der Wade , dass ich mich von ihrem gekrampfe nicht beeindrucken lasse. Ich lasse mir von meiner Wade nicht vorschreiben, ob ich laufe oder nicht.

Gestern war ich mal privat in meinem Krankenhaus. Kollegen besuchen und mich freuen, dass ich keinen Stress habe. Ist ne tolle Beschäftigung.
Wenn man schon mal da ist..... Und die doofe Wade wieder so gekrampft hat und doch Ärzte hier arbeiten, die ich kenne... Kann ich ja auch mal wegen der Wade fragen.
Gedacht und gleich gemacht.
Die alberne Wade wurde geschallt und gedrückt - internistisch untersucht, von einer der Besten des Hauses. " Ja könnte ein Krampf sein."

 Dann kam noch eine ärztliche Kollegin mit chirurgischer Erfahrung, die ich noch nicht kannte. Wieder wurde gedrückt und geschallt, diesmal auf dem Bauch liegend. Die Füsse wurden auf Puls getestet, der erst nicht da war, sich dann aber doch zeigte und dann wurden chirurgische Fragen gestellt.
Die Fragen zeigten, dass die schlaue Krankenschwester, nämlich ich, nicht so schlau ist, wenn es um sie selbst, also um mich, geht.
"Machst du sonst auch so viel Sport?"
"Eher nicht ich gewöhne mir das gerade an."
Hochgezogene Augenbraue.

"Dehnst du dich davor?"
"Nö, finde ich doof und unnötig. Ich dehn mich auch nicht bevor ich aus dem Bett steige."
Noch höher gezogene Augenbrauen.

"Geht es denn weg, wenn du Ibuprofen nimmst."
" Nehme ich nur bei Rückenschmerzen und die habe ich gerade nicht. Ausserdem dachte ich, es sei ein Krampf."
Die Augenbrauen verschwinden unter dem Ponny und sie grinst.
Ich werde kleinlaut "Tja, ist mal wieder der Beweis, dass wir ziemlich doof sind, wenn es um uns selber geht."
"Ja." Die Augenbrauen kehrten zurück auf die Nullstellung.
" ich empfehle dir eine Woche keine Belastung zu machen und zu beobachten, ob es so besser wird. Ich denke, du hast eine Zerrung."

Liebe Nation, wie kann man so blöd sein? Wie kann ich so blöd sein?
Wenn mir jemand diese Symptome geschildert hätte, hätte ich der Person direkt geraten a. Schmerzmittel zu nehmen, b. Eine Woche nicht zu laufen und zu schauen, ob es so besser wird.
Und c. In Zukunft ordentlich zu Dehnen.

Vermutlich hatte der medizinische Anteil meines Gehirns auch Urlaub gebucht. Ich hoffe er kommt bis Dienstag wieder, dann ist der Urlaub vorbei.

05 September 2014

Vom Laufen die Erste

Vom Laufen die Erste

Ich geben bekannt: ich laufe.Ich laufe zwei bis drei mal die Woche. Ich will im Januar de Februar zehn Kilometer laufen und weniger als sechzig Minuten dafür brauchen.
Das ist der Plan soweit.

Warum schreibe ich nicht über das Laufe?
Bisher war ein Grund nicht darüber zu schreiben, dass ich nicht der weibliche Speedy Gonzales vom Neckar bin. Und wenn ich laufe und darüber schreibe, will ich verdammt gut sein, dachte. Aber dann fiel mir wieder ein. Dass ich einen ehrlichen Blog haben möchte, ohne Show und Schnörkel. 
Ein weiteres Argument dagegen war, dass ich die Lauferei mal viel und mal wenig betreibe und dass ich Manschetten davor habe, meine Marathonlaufwünsche öffentlich bekannt zu geben.
Was ist wenn ich es doch nicht tue oder wenn ich es mache, aber ganz gruselig vom Besenwagen überholt werde? Ich wüsste jetzt nicht, welche Variante schlimmer ist?
Andererseits könnte  die Wahrscheinlichkeit steigen, dass ich überhaupt mal regelmässig laufe und mich endlich beim Stuttgartlauf anmelde. Ach verdammt ich tue es. 

Des weiteren gebe ich bekannt, dass ich versuchen werde auch nach meinem Urlaub regelmässig zu laufen. Langfristig will ich auf einen Halbmarathon trainieren, den ich im nächsten Sommer laufen will. Gewünschte Zeit unter drei Stunden, am liebsten zweieinhalb.

Damit ich das mit der Laufdisziplin verinnerliche, laufe ich einmal die Woche neben der unglaublichen Lotte her, wobei sie läuft und ich wackle. Lotte hat schon mal einen Halbmarathon geschafft, radelt wie wild durch Stuttgart und ist überhaupt sehr sportlich. Diese unglaubliche Lotte, ist jetzt meine persönliche Coachin. Ich hoffe das Wort existiert.
Laufen mit der unglaublichen Lotte ist schöner, als alleine zu laufen. Ich merke nicht wie die Zeit vergeht, habe Spass daran und werde freundlich gebremst, wenn ich zu schnell laufe. " mesii, du schnaufst und hechelst wie ein altes Weib, mach mal langsamer".

28 August 2014

Stille Icepost

Stille Post und am Ende weiss keiner worum es geht. Die Icebucketchallange.

Ich bin, wie die Meisten über Facebook darauf gestossen, als ich eine Herausforderung sah, die Ein Bekannter hatte. Er liess sich einen Eimer Wasser ( ob drin waren weiss ich nicht ) über den Kopf gießen und forderte drei seiner Freunde heraus, das gleiche zu tun.
Ich fand das witzig.

Dann fand ich heraus, dass es im ursprünglichen Video um ALS ging. Die Herausforderung war zu spenden oder sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf zu giessen und auf ALS aufmerksam zu machen.
Auf ALS bin ich, anders als die Meisten auf Facebook, gestossen, als ich den ersten Patienten betreut habe.
Ich glaube ich muss hier nicht mehr viel zu der Krankheit erklären.
Eine Fortschreitenden Lähmung, die alles, wirklich alles befällt. Am Schluss kann man nicht mal alleine atmen.
Die Angst zu ersticken ist dein ständige Begleiter.
Du siehst dir selbst beim Verfall zu. Mittendrin statt nur dabei.
Dabei bleibt dein Geist völlig wach und klar.
Am Ende steht die umgekehrte Isolationshaft im eigenen Körper. Die Anderen dringen zu dir durch, aber du nicht zu ihnen.

Das beste Video war von Patrick Stuart, der den Jean-Luc Picard in Startreck spielt. Er sitzt an einem Tisch, vor sich ein Champagnerkühler mit Eis, eine Flasche Whiskey, ein Whyskeyglas, ein Scheckbuch und ein Stift. Er füllt den Scheck aus, gibt zwei Eiswürfel ins Glas, schenkt sich Whiskey ein, trinkt und prostet in die Kamera.
So macht man das. Das ist Stil.

In vielen der Videos, die ich danach sah ging es nicht mehr darum, sondern nur noch um die Herausforderung sich eben einen Eimer Wasser über den Kopf zu giessen.
In den darauf folgenden Tagen las man erste empörte Posts darüber, worum es eigentlich geht, dass es um eine böse, fiese Krankheit geht und das es so eben nicht geht.
Promis die nur mit Eiswasser rummachten, ohne auf ALS hinzuweisen wurde von anderen Promis angemacht und als oberflächlich  oder geizig bewertet.

Liebe Leute das ist nicht bösartig,oberflächlich oder dumm. Es ist das Stille-Post-Phänomen, welches wir aus unserer Kindheit kennen sollten. Man sitzt im Kreis. Jemand flüstert seinem Nachbarn einen Satz ins Ohr und der muss diesen Satz seinem Nebenmann, weiterflüstern und so geht es weiter, bis er beim letzten ankommt. Der muss dann sagen, was er verstanden hat.
Diese Spiele fangen mit Sätzen an wie " Sabine hat Angst vor Kühen und steht auf der Wiese " Am Ende kommt dann raus " Sabine hat Angst auf der Wiese " .
Nichts anderes ist hier passiert. Ein normales Phänomen, gepaart mit der Gelegenheit für Promis, preiswert für sich Werbung zu machen, ergibt solche Videos.

Andere machten darauf aufmerksam, dass es weit grössere oder schlimmere Krankheiten gibt, nämlich Hunger und den Mangel an sauberem Wasser.
Und sie haben recht.
Jetzt sind die Meisten genervt von all den Eiswassergechallanges und geben dem  auch Ausdruck.

Was ich nur einmal gefunden habe, waren Promis oder Freunde, oder Freunde von Freunden, die gesagt haben sie spenden und sich dann einen Eimer Eiswasser über den Schädel gegossen haben.

Vielleicht liegt es daran, dass man nicht gerne über Geld redet, damit man nicht als Angeber da steht, oder als Geizkragen.

Aber andererseits "Tu Gutes und rede darüber", damit andere motiviert sind das Gleiche zu tun.

Ich mach jetzt mal letzteres. Ich spende die 10€, die mich die Füllung eines gechallangden Icebuckts gekostet hätten, an die ALS Stiftung und fordere jeden Leser dazu auf, es mir gleich zu tun.


15 August 2014

Schwester Schwester


Neulich beim Kaffeetrinken mit älteren Damen um die Siebzig.
Nachdem die Frage ob wir Kinder haben und warum wir keine haben geklärt ist, folgt - wie immer in Deutschland - " was machen sie denn beruflich?"
"Ich bin Krankenschwester."
Dame eins sagt :"So ein toller Beruf" dann folgt Schweigen und dann ".. also ich könnte das nicht."
Meine Standardantwort ist, dass ich andere Sachen nicht könnte.
 Und ich kann es wirklich nicht. Zum Beispiel mit dreissig Kindern und deren schlechter Erziehung in einem Raum zu sein. 
Ich kann mir auch nicht vorstellen bei einer Bank zu arbeiten, was übrigens bei meinen mathematischen Fähigkeiten eine Katastrophe wäre.
Hierauf wissen die Damen nichts zu erwidern und fragen nach dem Krankenhaus in dem ich arbeite und nun ist das Ding ein Selbstläufer. Ich muss die nächsten zehn Minuten weder etwas sagen, noch zuhören. 
Das geballte Kaffeekränzchen wird mir seine Erfahrungen mit dem besagten Krankenhaus berichten oder mit einem anderen Krankenhaus. 
Natürlich sind die Erfahrungen meist schlecht. Das Personal war frech oder grob, die Ärzte waren nie da und das Essen war fast immer grauenvoll. Die Ärzte sind übrigens kein Personal, Personal sind die Schwestern, die sind nämlich das Personal der Ärzte.

Ich kläre hier kurz auf. Ärzte sind weisungsbefugte Kollegen. Meine direkten Vorgesetzten sind die die Stationsleitungen und die sind nicht dem Chefarzt unterstellt sondern der Pflegedienstleitung.

Gerne wird über die anderen Patienten berichtet. Die sind primitiv, asozial und ungewaschen. Manche sind sogar Ausländer.
Ja auch die Dummen sind krank. Auch die Stinker und Arschlöcher und und sogar die schlimmen Ausländer werden krank und man begegnet ihnen im Krankenhaus.
Das Krankenhaus ist übrigens der Ort, wo man hinkommt, wenn  man krank ist und nicht der Club Med oder der Tennisverein, wo man sich seinen Umgang aussuchen kann und man auf Knopfdruck die individuelle Wunscherfüllung erhält.

Eine Kollegin von mir wurde mal gefragt, ob sie nach dem Kurs beim roten Kreuz eine Prüfung machen musste. Erst nach einigem 
Nachfragen kam heraus, dass der Patient dachte, die Ausbildung zur Krankenschwester wäre ein sechs Wochen dauernder Kurs und danach dürfte sie die Menschheit pflegen.
Um dem Missverständnis vorzubeugen, dass es ein zwölfwöchiger Kurs sein könnte, hier die Aufklärung. Es ist eine Duale Ausbildung, die drei Jahre dauert. Danach gibt es viele Möglichkeiten seine Wissen zu erweitern und Fachpflege
-In für diverse Krankheits- und Gesundheitsprozesse zu werden. 

Manche glauben, wir verteilen nett und freundlich die Antithrombosespritze und drücken auf Knöpfe von Geräten.  Und natürlich passen wir in der Freizeit auch gerne auf den Hund unserer Patienten auf und giessen ihre Blumen, genau wie die Schwester Stefanie. Und wir wollen alle Ärzte heiraten.

Menschen in meinem Alter haben andere Ideen über das Krankenschwestersein. Wir sehen immer sexy aus und sind ständig latent notgeil, können prima Bettpfannen bringen, Urinflaschen leeren und Kaffeetrinken.
 Letzteres machen wir so lange bis ein Arzt ins Dienstzimmer kommt und uns beschläft. Dann sind wir schwanger weil wir geplant die Pille vergessen haben und er muss uns heiraten.

 Ich frage mich und die liebe Leserschaft, warum man immer noch glaubt, dass wir kurz, knapp und sexy rumlaufen.
 In Scrubs, Dr House und selbst bei Schwester Stefanie trägt unsere Berufsgruppe Hosen und Kasacks und letztere haben keinen Ausschnitt.
Wie kann man bei einem Beruf, der mit Blut, Eiter, Kot und Urin einerseits verbunden wird, andererseits youpornartige Fantasien verbinden?
Denkt der werte Leser und die Werte Leserin, dass nur ich aussehe, wie eine Normalsterbliche und der Rest meines Teams aus Pamela Andersons zu Baywatchzeiten besteht?

Ein weiteres Gerücht, dass mich begeistert, entsteht durch die Presse. Alle zehn Jahre dreht eine Kollegin oder ein Kollege durch und begeht bewusst eine Straftat und schon sind wir alle Mörderinnen.
Wir töten arme alte Menschen, weil die uns leid tun und wir psychisch krank sind und wenn wir überlastet sind stehlen wir Morphium oder andere leckere Substanzen aus dem Giftschrank.
Diese Substanzen verkaufen wir oder wir naschen sie selber.
Vermutlich konsumieren wir sie gemeinsam mit den Ärzten, die wir anschliessend zu wilden Sexorgien verführen. Danach gehen wir gemeinsam, koital erlöst in die Zimmer, der alten und schwachen und erlösen sie mit unseren Drogenresten von ihrem elenden Dasein.
Übrigens könnte das ein Grund sein, warum das Essen und der Service schlecht sind.

22 Juli 2014

Abschied

Er verlässt mich nicht der Tod.
Schreiben wollte ich diesmal, nach langer Pause, über Stress, Hektik und was wirklich wichtig ist.
Ich wollte philosophisch werden über meine neusten Erkenntnisse berichten und dann hat er mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, der Tod.
Jemand starb. Jemand ist gestorben. Eine Freundin ist verstorben. Ruth ist tot.

Gestern war die Beerdigung. Ein Friedwald, unter einem Baum, anschliessendes Kaffeetrinken und dann nach Hause.
Als wir von dem Grabplatz weggingen, fühlte es sich bizarr an. Ruth soll nicht mehr sein. Vor zwei Wochen war sie doch noch.
Mit Krebs und Schmerzen, aber auch mit Humor und ihrem Pfälzer Dialekt, eben Ruth.

Ich begreife das nie bei Beerdigungen. Das der Mensch wirklich weg ist.
Als mein Vater starb, dachte ich, das er nur weggelaufen ist, eine neue Identität angenommen hat und irgendwo noch mal von vorne anfängt.
Wie in den Filmen. Leute legen ihre Identität ab und nach einer kleinen Nasenkorrektur heissen sie Hannwald Freder  und ziehen nach Stockholm, weil sie dort niemand suchen wird. Sie dürfen nur nicht zurückkommen. Weil man sie dann doch an ihrem Gang oder einer Geste erkennt.
Meinen Vater sah ich damals häufig. Er ging dann stets vor mir und zündete sich eine Zigarette an oder hustete den Nikotinschleim hoch. Mit den Jahren verschwand dieses Phänomen. Es gab Jahre, da passierte das nicht und dann neulich beim Laufen, war ein Mann vor mir mit seiner Frisur und seinem Trenchcoat.
Ich und mein Herz bleiben stehen und dann wollten die Tränen laufen. Natürlich war es nicht mein Vater, der ist tot, seid elf Jahren und ich weiss es eigentlich sicher. Das dauerte nur einen kurzen Moment, tat aber weh für eine Stunde.

Und nun Ruth. Als wir von ihrem krummen Bäumchen weggingen war mir auch so, als ob sie irgendwo neu anfangen würde. Die potenzielle Oma meiner potenziellen Kinder. Die Kollegin, die auf meine bergische Art klarkam und die mein Leben nicht nach Erfolg bewertete, sondern danach ob ich glücklich war. Die mir eine Freundin war, bei der ich mich anlehnen konnte.
Aber das würde Ruth nicht tun. Sie war glücklich wo sie war, mit dem Leben das sie führte.
Sie ist also einfach tot und der Gedanke ist zu einfach, als das ich ihn begreifen kann.

Der Gedanke, dass sie in unseren Herzen weiterlebt ist nicht tröstlich. Eine dumme Floskel ist er. Das es ihr jetzt besser geht auch. Und das das Leben weitergeht, haben wir alle gemerkt. Aber es hätte anhalten sollen, das Leben, einen kurzen Moment pausieren, damit man den Gedanken wirklich denken kann und begreift, Ruth ist tot, sie kommt nicht wieder und Punkt. 
Leider.