27 März 2014

Nahtod


Wie man beim Lesen des einen oder anderen Blogpost schlussfolgern kann, beschäftigt mich die Tatsache, dass wir – ich und die Menschen die ich liebe - eines Tages sterben werden.

Eine weiter Fürchtung von mir, ist die Höhe. Wenn wir auf dem Stuttgarter Fernsehturm standen (was im Augenblick nicht geh, weil er aus Brandschutztechnischen Gründen geschlossen ist), konnte ich nicht gut an die an die Brüstung treten und in die Tiefe schauen. Wenn ich Anteilig mehr Schritte bis zur Brüstung vor mir hatte, als im Rücken, fühlte ich mich sicher.

Vor meinem Tod an sich habe ich keine Angst, es ist der Prozess des Sterbens, der mich nicht loslässt.
Bei meinen Lieben fürchte ich mich vor dem Verlust vor der Einsamkeit ohne sie.
Was mich an der Höhe ängstigt, ist der Schwindel der mich packt, wenn ich in Abgründe schaue und die Panik, dort hineinfallen zu können und zu sterben. Womit wir wieder bei Angst Nummer eins wären.


Warum ich das schreibe? Ich habe zum Geburtstag einen Tandemsprung mit Fallschirm geschenkt bekommen. Für die einen ist es wohl wie ein guter Orgasmus – wurde mir so erzählt – und bei alleine 50 Sekunden freiem Fall, mit anschliessendem Schirmöffnen und langsamen hinuntersegeln, ist es wohl ein laaaaanger Orgasmus.
Für mich ist es eine Konfrontation mit gleich zwei Ängsten. Der Angst vor dem Tod und der Angst vor Höhe.
Die Freunde der Konfrontationstherapie werden jetzt jubeln. Man kann gleich zwei Ängste auf einmal angehen. Zwei zum Preis von einer.

Als ich mein Geschenk auspackte, dachte ich, dass ich das das auf keinen Fall machen kann.
Nachdem ich aber so viele Positive Berichte gehört habe, werde ich es wohl doch tun.
Ich habe die Kosten überschlagen.
Er wären nur knappe zehn Minuten Nahtoderfahrung für den eventuellen Erfolg, dass ich dem Tod jetzt etwas ungezwungener ins Gesicht lachen kann.
Die Höhenangst wird vermutlich in dem Moment terminiert, wenn ich aus dem Flugzeug springe. Rein Faktisch habe ich beim Sprung weniger zu befürchten, als beim Steigen auf eine gewöhnliche Haushaltsleiter.
Und ich habe noch nie gehört, dass Leute gerne auf Haushaltsleitern steigen, weil es ein Orgasmusähnliches Gefühl gibt wenn man wieder hinunter steigt.

Heute lag ich wach und machte mir Gedanken.
Was ist, wenn der Haken mit dem ich an den Menschen, an dem ich hänge, angehakt bin reisst oder bricht? Dann sterbe ich.
Vermutlich ist der Schmerz erst dann fühlbar, wenn ich schon tot bin.
Jetzt habe ich gelesen, dass man teilweise eine Herzfrequenz bis auf 300 hoch hat. Vielleicht platzt mir was im Kopf?
Verdammt ich tue es.

16 März 2014

Damit mal wieder was geschrieben wurde


Ich habe mir Gedanken gemacht. Darüber, was ich schreiben will oder kann.
Langweile ich die meine wenigen, treuen Leser nicht(hier ist der Aufruf in den Kommentaren nette Sachen zu schreiben im Subtext enthalten), wenn ich zunehmend Inhalte mit Lebens oder Moralfragen poste?
Ausserdem will ich ja noch an dem Buch schreiben, muss eine Hausarbeit abgeben und das Leben ist überhaupt wieder so verdammt schnell. Weitere Gründe, warum ich in den letzten Wochen nichts gepostet habe.
Da ich aber den Vorsatz habe jede Woche etwas zu schreiben und der Welt unwiderruflich, nämlich per Internet mitzuteilen, müssen die lieben Leser nun mit diesem Gedankenpotpourri vorlieb nehmen.
Soweit also die Einleitung.
Ich habe mir Gedanken gemacht über die Inhalte die Menschen auf facebook posten, beziehungsweise was sie über sie aussagen.
Ich habe mich mit meiner Besten darüber unterhalten und wir sind zu unterschiedlichen Schlüssen gekommen.
Mich nervt dass zur Schau gestellte perfekte Leben. Die Fotos der Kinder und Hunde mit frisch gewaschenen Gesichtern und ordentlich gekämmten Fell. Mein Ego schrumpft, wenn ich lese, dass Bert von Gehaltserhöhung zu Gehaltserhöhung schwebt oder dass Birgit ihrem Schatz mit dem perfekten Dinner überrascht.
Geht es den Leuten wirklich so gut? Sind sie wirklich auf Dauererfolgskurs und ihre Lebensstrasse enthält keine Stolpersteine? Poste ich denn, wenn mich mein Chef zusammenranzt oder wenn ich den Ehekrach des Jahrhunderts habe?
Eigentlich kann das jeder wissen der fragt, aber ich würde es dennoch nicht meinen 360 Facebookfreunden mitteilen.
Die Beste meint, dass man durchaus lesen kann wie es Leuten geht. Man muss nur den likes und den geteilten Bildern folgen. Wie anstrengend.
Vielleicht erfährt man, wie es den Leuten geht, wenn man summiert was sie nicht posten. Wenn nun Marie nur über ihren Hamster schreibt, ist sie vielleicht arbeitslos.
Frank postet nur seine Kinder. Vielleicht hat er seine Frau getötet und im Keller verscharrt?
Manfred hat vermutlich keine Freunde, wenn er nur über seinen Job postet.
Und Martin brauch dringend eine Freundin, wenn man die Nackedeifotos sieht, die er täglich postet.

Befremdlich wäre es schon, wenn wir Klaus posten würde, dass er seine Exfreundin im Swingerclub getroffen hat.
Ich wäre unangenehm berührt, wenn Maggie ständig die Fünfen und Sechsen ihrer Kinder veröffentlichen würde.
Trotzdem und obwohl die meisten von uns nur Erfolg und Ehrungen posten, schaue ich mehrfach am Tag nach ob es noch allen gut geht.

Allerdings würde es mehr der Realität entsprechen, wenn wir hin und wieder auch unsere Fehltritte und zerbrochenen Träume der Menschheit mitteilen würden.
In einer Erfolgsorientierten Gesellschaft, in der es immer höher und weiter gehen muss, man sich keinen Fehler erlauben kann, sollten wir vielleicht gerade unsere Misserfolge veröffentlichen.