02 Juni 2014

Lästerschwester


Lästern ist gesund.
Wenn man die Wahrheit über jemanden sagt, ist es noch kein Lästern.
Man muss ja auch mal laut nachdenken.
Lästern ist wichtig für die Psychohygiene.
Worüber man nicht lachen kann, das kann man auch nicht ernst nehmen.

Alles Wahrheiten und Richtigkeiten.

Wenn von fünf Frauen eine den Raum verlässt, lästern die übrigen fünf über sie.
Eine Umfrage hat wohl ergeben, dass Frauen fünf Stunden täglich lästern.
Ein Drittel aller Unterhaltungen bestehen aus Gesprächen über andere, die nicht anwesen sind.

Alles Wahrheiten und Richtigkeiten.

Warum also wird gelästert?
Im Internet gibt es dafür viele Thesen, Ideen und Meinungen. Manche finden es normal und wichtig
für die Psyche und wundern sich, wenn sie erfahren, das auch über sie gelästert wird.
Einige leben fast in Angst, was über sie gelästert werden könnte und geben deshalb möglichst wenig Informationen über sich preis.

Ab wann ist ein Gespräch über andere ein Lästern? Wann ist es ein Meinungsabgleich? Wann ist es ein nötiges Aufregen im Rahmen der Psychohygiene?

Wann rede ich über andere und wann lästere ich?

Wenn es mir gut geht lästere ich kaum. Wenn ich dann über andere rede, rede ich meistens gut über sie und lobe, was ich an ihnen bewundere.
Ich frage manchmal eine andere Person, ob sie eine Situation oder eine Person ähnlich erlebt hat, wie ich.
Ich rede über Dritte als Meinugsabgleich und nicht als Meinungsmache. Dahinter steh die Frage, ist es normal, wie ich empfinde oder habe ich ein Problem, an dem ich arbeiten muss?

Neidisch bin ich manchmal, aber das kann ich auch gut vor der Person selbst zugeben.
Bei Missgunst fällt es mir schwer nicht hinter dem Rücken zu reden. Wenn das größte Arschloch die Karriereleiter rauffällt oder wenn die charakterlichste Kackbratze den nettesten Menschen heiratet, dann ist das unverdient und gehört angeprangert.
Wenn jemand gemein zu anderen ist oder so tut als wäre er unfehlbar oder besonders gut, dann lästere ich, denn es gehört an die Öffentlichkeit gezerrt. Und ausserdem bin ich ein besserer Mensch als die vorher Erwähnten – denke ich.

Wenn ich mich klein und mies fühle und der Tag schon mit einem übergroßen Minderwertigkeitskomplex anfängt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich lästere. Das ist nicht gut und so will ich nicht sein.

Warum schreibe ich das? Weil ich keine Lästerbacke sein will, ich aber weiss, das man über Sachen reden muss. Weil ich bei der Gradwanderung vom Austausch zum Lästern oft abstürze und weder an meinen Gedanken ersticken will noch verbalen Unrat ausk..... möchte.
Ich habe keine ultimative Antwort und auch kein Patentrezept aber einen Vorsatz.
Ich will weiterhin reflektieren und laut bei anderen nachdenken. Aber ich will nicht meinen Selbstwert über Lästereien anheben.


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