22 Juli 2014

Abschied

Er verlässt mich nicht der Tod.
Schreiben wollte ich diesmal, nach langer Pause, über Stress, Hektik und was wirklich wichtig ist.
Ich wollte philosophisch werden über meine neusten Erkenntnisse berichten und dann hat er mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, der Tod.
Jemand starb. Jemand ist gestorben. Eine Freundin ist verstorben. Ruth ist tot.

Gestern war die Beerdigung. Ein Friedwald, unter einem Baum, anschliessendes Kaffeetrinken und dann nach Hause.
Als wir von dem Grabplatz weggingen, fühlte es sich bizarr an. Ruth soll nicht mehr sein. Vor zwei Wochen war sie doch noch.
Mit Krebs und Schmerzen, aber auch mit Humor und ihrem Pfälzer Dialekt, eben Ruth.

Ich begreife das nie bei Beerdigungen. Das der Mensch wirklich weg ist.
Als mein Vater starb, dachte ich, das er nur weggelaufen ist, eine neue Identität angenommen hat und irgendwo noch mal von vorne anfängt.
Wie in den Filmen. Leute legen ihre Identität ab und nach einer kleinen Nasenkorrektur heissen sie Hannwald Freder  und ziehen nach Stockholm, weil sie dort niemand suchen wird. Sie dürfen nur nicht zurückkommen. Weil man sie dann doch an ihrem Gang oder einer Geste erkennt.
Meinen Vater sah ich damals häufig. Er ging dann stets vor mir und zündete sich eine Zigarette an oder hustete den Nikotinschleim hoch. Mit den Jahren verschwand dieses Phänomen. Es gab Jahre, da passierte das nicht und dann neulich beim Laufen, war ein Mann vor mir mit seiner Frisur und seinem Trenchcoat.
Ich und mein Herz bleiben stehen und dann wollten die Tränen laufen. Natürlich war es nicht mein Vater, der ist tot, seid elf Jahren und ich weiss es eigentlich sicher. Das dauerte nur einen kurzen Moment, tat aber weh für eine Stunde.

Und nun Ruth. Als wir von ihrem krummen Bäumchen weggingen war mir auch so, als ob sie irgendwo neu anfangen würde. Die potenzielle Oma meiner potenziellen Kinder. Die Kollegin, die auf meine bergische Art klarkam und die mein Leben nicht nach Erfolg bewertete, sondern danach ob ich glücklich war. Die mir eine Freundin war, bei der ich mich anlehnen konnte.
Aber das würde Ruth nicht tun. Sie war glücklich wo sie war, mit dem Leben das sie führte.
Sie ist also einfach tot und der Gedanke ist zu einfach, als das ich ihn begreifen kann.

Der Gedanke, dass sie in unseren Herzen weiterlebt ist nicht tröstlich. Eine dumme Floskel ist er. Das es ihr jetzt besser geht auch. Und das das Leben weitergeht, haben wir alle gemerkt. Aber es hätte anhalten sollen, das Leben, einen kurzen Moment pausieren, damit man den Gedanken wirklich denken kann und begreift, Ruth ist tot, sie kommt nicht wieder und Punkt. 
Leider.


1 Kommentar:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

auch wenn das wahrscheinlich auch nicht hilft:
das tut mir leid.