19 September 2014

Urlaubsansichten

Man kann einen Menschen nur beurteilen, wenn man eine Weile in seinen Schuhen gelaufen ist, sagt ein altes Sprichwort, das man wahlweise den Chinesen oder den Indianern unterstellt.
Der moderne Pädagoge würde es so übersetzten, man muss den Menschen in seinem soziokulturellen Hintergrund sehen, mit Rücksichtnahme auf seine religiösen Wurzeln und dabei seine biopsychozoziale Gewordenheit nicht ausser Acht lassen.
"Andere Länder andere Sitten" würde meine Oma sagen.
Bei Star Treck ist es die „Oberste Direktive“ , der wichtigste politische Grundsatz der Föderation. Sie enthält ein verbindliches Nichteinmischungsprinzip in die internen Angelegenheiten anderer Zivilisationen. ( Quelle Wikipedia) man darf beobachten, sich aber nicht einmischen, weil man die Zivilisation nicht kennt.
Der Kölner sagt dazu " jeder Jeck is anders ".

Soweit alles klar. Und dann bin ich doch immer wieder erstaunt wie anders die anderen sind. Wenn wir alle in Deutschland oder Europa leben und so circa einen ähnlichen Bildungsweg genossen haben oder ein ähnliches soziales Umfeld haben, dann müssen wir doch in etwa gleich leben und denken. Vor allem gleich denken und bewerten.
Pustekuchen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur ein Anders.
Und von diesem Anders will ich lernen. Davon will ich mir etwas mitnehmen. 

Das ist hoffentlich mehr als ein Schlüsselanhänger aus dem Türkeiurlaub, der mich daran erinnert, dass alles all inclusive war, oder eine Muschel die mich an den Strand von Peniche mit seinen perfekten Wellen erinnert.


Eine Cousine hat uns Gewürze geschenkt, die sie in Israel auf dem Markt gekauft hat. Das ist ein Souvenir, dass man im Alltag gebrauchen kann. Keine Speise, hier zubereitet mit diesen Gewürzen, kann so schmecken wie das Essen dort. Aber ich kann mein Essen damit aufpeppen, ergänzen, bereichern.


In welchen fremden Kulturen war ich denn und was ist mein Souvenirgewürz?

Wir waren in Lemgo, einer Kleinstatt in Ostwestfahlen Lippe. 
Eine Lebensgemeinschaft über dem Kirchenbüro. Sie leben Gemeinschaft und nicht nur innerhalb ihrer Wohnung. Essgemeinschaft nennen sie es. 
Vier mal pro Woche wird reihum bei Freunden gegessen, man hat Schlüssel voneinander.
Diese Menschen haben alle reduzierte Stellen, damit sie das leben können. Die Gemeinschaft zu leben, füreinander da zu sein, ist ihnen am wichtigsten. Sie leben und experimentieren mit Spiritualität. 
Stadtpilgern, Körpergebet, Volxkirche mit gemeinsamen Essen.

Welches Gewürz nehme ich mit? Es gab so viele. 

Was von all den faszinierenden Sachen passt zu meinem Leben?
Die Essgemeinschaft hat mich am meisten beeindruckt, ich mag Essen und ich mag Menschen. Aber vier mal die Wochen? Anderen meinen Schlüssel geben, ausser zur Sicherheit, falls ich mich ausgeschlossen habe, no way.
Wer kann in Stuttgart vier mal die Woche? Auch nur auf ein Mittagessen? Wer? Ich mit meinem Schichtdienst nicht. Die Meiste , die ich kenne auch nicht. Hier hat man zumeist 100% Stellen und wir wohnen mindestens zwanzig Minuten Fahrt voneinander entfernt.
Aber mehr zum Essen einladen, das kann ich. Rumhängen mit Freunden, das kann ich auch. Gewürz Nummer eins ist im Gepäck.

Die Sache mit dem Pilgern fand ich gut. Ich war ja mal auf dem Westweg. Vielleicht setzt ich den fort,nächstes Frühjahr . Ab der Stelle, wo ich letztes mal nicht weiter konnte, weil ich mich am Vorabend mit meiner Wirtin zu sehr betrunken hatte, könnte ich weiter wandern. 

Das ist zwar nicht so wie im Lemgo, weil es nicht langsam umd ruhig ist, aber es ist eben wie bei Mesii. Und beim Laufen habe ich schon immer nachgedacht und Gott taucht da auch öfter auf.
Ich werde mehr draussen sein, an er Luft, mit oder ohne Wade, weil ich im Sommer 2015 den Stuttgartlauf machen will.

Und damit  sind wir schon in der Schweiz, in Aarau. Nicht wegen der Frischen Luft, wegen der hohen Luft. In Aarau gibt es eine Wohnung, da liegt die Hohe Luft auf der Fensterbank. Ein Magazin zum Philosophieren.

Gute Alltagstaugliche Gedankengänge und Hinterfragungen. Ich habe es noch nicht aboniert, aber es steht auf der Liste.
Aarau. Da geht man einfach raus in die Altstadt und findet immer jemanden zum grüssen und oder zum Kaffetrinken. Warum mache ich das nicht hier? Es verlangsamt, es ist unterhaltsam und man kann im Internetcafe die Homepage von der Hohen Luft in Cannstatt lesen.

Jetzt habe ich ein bisschen Lemgo und ein bisschen Aarau in meinem Leben, bin um einiges reicher in der Seele und weiter im Horizont. 

1 Kommentar:

cee hat gesagt…

So schön geschrieben und so inspirierend!!!!!!!