17 Oktober 2014

Bin ich eine oder bin ich keine?


Was macht einen Schriftsteller aus? 

Veröffentlichungen? Literaturpreise? Eine Besprechung im Literarischen Quartett? 
Stephen King wusste schon sehr früh, dass er Schriftsteller ist, er verfasste Geschichten sobald er in der Schule Schreiben gelernt hatte.
Wir haben eine Gemeinsamkeit, Herr King und ich. 
Den Wunsch zu schreiben, hatte ich schon immer. Den ersten Versuch, startete ich etwa im Alter von acht Jahren. Ich hatte zuvor eine Geschichte über eine kleine Katze gelesen, die Abenteuer erlebt.
Ich erfand darauf hin eine Geschichte über einen kleinen Hund, der Abenteuer erlebt.
Das nächste, an das ich mich erinnern kann, war der Wunsch über meine Uroma zu schreiben. Ich war elf. Es sollte ein ganzes dickes Buch werden. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich über die erste Seite hinausgeschrieben habe, allerdings weiss ich noch, dass ich mehrfach das Wort "eigentlich" verwendete.
Wie etwa " sie ist eigentlich alt, benimmt sich aber jung" oder " sie hat nicht studiert, ist aber eigentlich sehr schlau."

In meiner Pubertät wollte ich schreiben wie Anne Frank oder Susanne E. Hinton. Beides waren junge Autorinnen. Sie waren weiblich und sie mussten nicht steinalt alt wie Goethe werden.

Ich habe es keiner der beiden Autorinnen nachmachen können.
Ich habe weder mit sechzehn mein erstes Buch geschrieben wie Frau Hinton, noch haben sich meine Tagebücher millionenfach verkauft, wie die von Anne Frank, ausserdem lebe ich noch.

In Deutschland gilt man erst als Autor, wenn man etwas veröffentlicht hat, dass käuflich erworben werden kann, am liebsten als Paperback -der ultimative Beweis, dass man mehr als ein Buch verkauft hat und von der Schreiberei leben kann.

Wenn man noch nicht veröffentlicht hat, sollte man wenigstens Germanistik studiert haben oder als Journalist tätig sein.
Nach diesen Kriterien, bin ich kein Autor.

In Amerika ist das anders. 
Dort reicht der Wunsch zu schreiben, die Fähigkeit einen Stift zu halten oder mit dem Computer umgehen zu können aus, um sich Autor zu nennen und ernst genommen zu werden.
Wie angenehm, wie ermutigend.
Allerdings gilt auch dort: Wer schreiben will, muss schreiben.

Ich habe Jahre lang davon geträumt zu schreiben und es nicht getan.

Die Zeit fehlte. Ich hatte keine zwei Stunden am Tag um zu schreiben. Ich schaffte es einfach nicht, wir John Grisham um fünf Uhr im Büro zu sitzen und zu schreiben bevor der Betrieb losging.
Ab und an ein Schreibseminar zur Eigenermutigung musste ausreichen.

Und dann wurde mir ein Ipad geschenkt. Zum Geburtstag, weil ich doch schreiben will und weil sie anscheinend glauben, dass ich das tun sollte - mein Mann, meine Freunde und die Familie.


Seitdem höre ich Podcasts. Einer hat mich sehr ermutigt - die Schreibdilettanten. Die Jungs haben "normale" Berufe, von denen sie leben können und sie haben den Traum eines Tages vom Schreiben leben zu können.

Sie geben Tips zum Schreiben, Plotten, Schreibprogrammen für Schriftsteller, Lesetips und mehr. 
Ich habe gelernt, dass man jede Minute zum Schreiben nutzen kann. Ich brauche keine Stunden, die ich mir mühsam freischaufle, fünf Minuten geschrieben sind besser als garnicht geschrieben und wenn ich fünf Minuten sitzt, habe ich plötzlich doch mehr Zeit, als ich dachte.

Natürlich wünsche ich mir, dass ein Buch von mir gedruckt und von vielen Menschen gekauft und gelesen wird. Selbstverständlich wäre es traumhaft vom Schreiben leben zu können. 

Ob das, was ich schreibe gut genug ist? Es gibt grottenschlechte Bücher, die verlegt wurden und wundervolle Romane, die niemand verlegen will.
Um veröffentlicht zu werden braucht man ausser Talent auch viel Glück. 

Am Glück kann man nicht schrauben aber man kann seine Sachen verdammt gut machen. 

Ab wann ist etwas gut? Ist etwas gut wenn die aktuellen Experten es als gut einstufen? Dann wären uns vermutlich viel Musikrichtungen, Malereitechniken und auch Bücher vorenthalten worden.Ich glaube, dass viel zu viele Talente brach liegen, weil wir Angst haben als nicht gut genug bewertet zu werden.
Aber das macht nicht aus ob ich mich Schriftstellerin nennen darf oder nicht.
Ich schreibe. Ich schreibe täglich und ich schreibe so gut ich kann und das macht die Bezeichnung Schriftstellerin aus.

1 Kommentar:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Guten Morgen, liebe AUTORIN!!!
Deine Texte sind vielleicht bisher nicht zwischen Paperback erschienen und millionenfach verkauft, aber im Kranken Boten. Einem PRINTMEDIUM.
Ein Anfang ist gemacht, möchte ich meinen.
Lass dich nicht unterkriegen.