24 Oktober 2014

Schämen

Manchmal schäme ich mich.
Das passiert. Ich schäme mich für Dinge die ich gesagt habe oder ich getan habe. 
Ich versuche mich dann zu entschuldigen, wenn ich damit andere verletzt habe. Wenn ich nur peinlich war, singe ich ein Lied. Das hilft mir nicht weiter um meine Peinlichkeiten zu kreisen und was vernünftiges zu tun.
Manchmal, wenn ich gedankenverloren einer Tätigkeit nachgehe, die nicht viel Aufmerksamkeit erfordert, weil sie Routine ist, erinnere ich mich an ganz alte Geschehnisse und was ich da gesagt oder getan habe.
Das ist mir dann so peinlich, dass ich nachträglich rot werde und wieder schnell was singe. Singen hilft gegen schämen. Manchmal pfeife ich nur, aber das hat den gleichen Effekt.

Dann gibt es Gruppen zu denen ich gehöre und derer ich mich öfter schäme. 

Nicht alles, was tun ist falsch, nicht alles ist peinlich. Manche von ihnen sind immer peinlich, aber nicht alle. Jedenfalls kann ich die nicht wegsingen.
Aber ich muss oft Stellung zu ihnen beziehen. Entweder weil man mich auf die Gruppenzugehörigkeit anspricht oder weil es mir so peinlich ist, was jemand gemacht hat, dass ich mich und den Rest der Gruppe gegen ihn abgrenzen will.

Die erste Gruppe ist die der Krankenpflege. Ich habe schon in einem anderen Post darüber berichtet, dass der Chefarzt nicht unser Chef ist, wir nicht bei der Caritas einen sechswöchigen Kurs besucht haben und dass wir nicht in diesem Beruf sind weil wir Ärzte heiraten wollen und allgemein promiskuitiv sind.

Ich möchte noch näher auf das Thema eingehen. Ich schäme mich der Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht für Patienten interessieren, diese respektlos behandeln und sie bloßstellen ( siehe Zeitungsartikel zum Thema Selfies mit Patienten).
Ich schäme mich für die Dummen unter uns, die glauben Blasen und Nieren Tee wäre ein Till Schweiger Scherz und zwei Ampullen Vitamin B6 bringen weil sie die Ampulle Vitamin B12 nicht finden konnten.
Ich möchte mich für die unter und entschuldigen, die immer nur tun, was der Arzt sagt und meinen deshalb nicht mitdenken zu müssen.
Aber die Meisten von uns sind verantwortungsbewusst und behandeln ihre Patienten mit Respekt und Würde. Wir denken nach, bilden uns fort und verstehe uns als Teil des therapeutischen Teams.
Und auch die, die dumm handeln sind nicht nur dumm, jedenfalls sage ich mir das immer.

Die andere Gruppe zu der ich gehöre, ist die Christenheit  und da gibt es eine Menge zum schämen.

Denn hier ist zuerst, die Vergangenheit des Christentums ganz vorne zu nennen - ich meine die Hexenverfolgung, die Kreuzzüge und das Schweigen im Dritten Reich -.
Allerdings hat sich auch die Krankenpflege in ihrer Geschichte nicht Ruhm bekleckert, aber das wissen die wenigsten und so muss ich mich nur wegen meiner "frommen Vorfahren" rechtfertigen und nicht auch wegen meiner pflegerischen.
Aber gehen wir in die Gegenwart, findet sich im christlichen Bereich ein bunter Strauss an Schämbarketeiten: Fromme Sprache im religiösen kontext, die kein Laie aka nicht-Kirchgänger versteht, amerikanische Fersehprediger die sich bereichern wollen " einen fröhlichen Geber hat Gott lieb und wenn du 10% deines Einkommens gibst, bekommst du es mindestens 30fach wieder", Frauenfeinde - die Frau aber wird selig, dass sie dem Manne untertan sei und Kinder gebärt, weil das ihre Lebensaufgabe ist" -,  Homosexuellenhasser " die vergewaltigen alles Kinder und Schaafe " und so vieles mehr.
Und da gehöre ich zu. Ich vertrete zwar keine dieser Ansichten aber ich glaube an den gleichen Gott ( was mir von ihnen vermutlich abgesprochen wird, da ich die Ansichten nicht vertrete ).
Ich glaube, dass Jesus für die Sünden, Verfehlungen, Schmerzen und Leiden dieser Welt gestorben ist. Ich glaube, dass er jeden liebt ( auch die, die mich aufregen und die ich nicht geliebt kriege), jedem helfen möchte und das Beste ist, was mir jemals passiert ist. Weitere Infos gerne auf Anfrage. 

Kommentare:

Kwal Verbal hat gesagt…

Danke. Bei der Krankenpflege kann ich aus mangelnder eigener Erfahrung nicht mitreden. Was die Christenheit angeht, 100% Zustimmung.

die Vorgärtnerin hat gesagt…

auch die, die mich aufregen und die ich nicht geliebt kriege
das ist so wahr und sooo beruhigend, dass Jesus die stellvertretend für mich lieb hat.

Anonym hat gesagt…

Einen Christen erkennt man daran was er tut, nicht an dem was er sagt.

Liebe erkennt man daran was sie tut, nicht dass sie sagt, dass sie Liebe ist.

Alles andere ist inhaltsloses MINDFUCKING. Am Leben vorbei. Gestört. Theoretisch. Bibelbashing. Whatever. Schade.

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Hääh, Anonym?
versteh ich nicht.