07 November 2014

Reisen bildet

Ich habe meinen Bus verpasst weil ich zu fahrig bin, um ein Ticket richtig zu lesen. Das mit den nicht richtig gelesenen Textaufgaben war schon in Mathe mein Problem, allerdings eines von vielen Problemen, die ich mit Der Mathematik hatte.

Wenn man sein Ticket nicht richtig liest, steigt man am Frankfurter Flughafen aus anstatt am Hauptbahnhof. Wenn man es auch in der Wartezeit auf den nächsten Fernbus nicht liest, wundert man sich und ruft zur Abfahrtzeit bei der Hotline an und fragt wo der  Bus bleibt.
Dann stellt man fest, dass die von Meinfernbus ganz wundervoll sind.
Die freundliche Frau an der Hotline hat mich zurüchgerufen mir eine Anschlussverbindung genannt und mich zum Hauptbahnhof gelotst, dort hatte ich Wieder Aufenthalt und ich lernte wieder.
Wenn der Akku vom Handy langsam leer geht, wird man etwas panisch.
Wenn man sich auf die Ellnbeuge schlägt, wie ein Junkie der die letzt gute Vene sucht, nennt man es Frankfurter Applaus.
Wenn man in Frankfurt am Bahnhof steht wird das real. Eine Frau weint, wenn man ihr statt dem erbetenen Euro fünf gibt und sogar noch sagt, sie möge auf sich aufpassen. Ihr fehlten noch zwei Euro vierzig, vermutlich für Heroin, jetzt hat sie noch zwei Euro sechzig für was zu essen oder sie muss für zwei Euro sechzig weniger schnorren.
Die Leute haben keine Zeit. Sie müssen hasten und eilen, denn die Bahn streikt - ganz unerwartet, plötzlich. Es war nicht vorhersehbar, das hat gestern noch keiner gewusst.
Sie sind  sauer, die unverschämten Lockführer streiken, wenn das alle täten. Wenn das die Krankenschwestern täten.
Ja wenn die Gesundheitsberufe ohne akademischen Abschluss es endlich tun würden, dann würde die Arbeit auch höher bezahlt. Aber die Pflege opfert sich lieber auf und jammert, als sich auf die Hinterbeine zu stellen. Also denke ich, Lockführer ole und wünsche ihnen alles Gute.
Ein Mann sagt mir, er will lieber den Euro als das Brötchen, der Bäcker hier ist so teuer. Natürlich will er den Euro für Schore, seine Pupillen sprechen Bände.
Ich kaufe ihm Was zu Essen und geb ihm Geld. Wir unterhalten uns kurz über das Geld das bie reicht und wie schlecht man am Bahnhof was geschnorrt kriegt, wir geben uns die Hand und wünschen uns einen schönen Tag.
Wenn ich jedem Junkie Geld gäbe, würde ich bald ganz schön arm sein, sagst du. Das mag sein,aber im geschleckten Stuttgart und da kann ich mir das leisten, sage ich dir.
Du sagst dass die sich eh nicht an das Gespräch erinnern werden. Na und, aber an diesem Tag hat jemand mit ihnen geredet und war freundlich, das ist heute vielleicht das einzig nette, das ihnen passiert ist.
Am Busbahnhof soll ich mal zwei Busse eher da sein, falls doch noch ein Platz frei ist, sagen mir die netten Mitarbeiter von Meinfernbus. Also geh ich schon mal dorthin, damit ich nicht schon wieder einen Anschluss verpasse.
Ich komme mit Nummer drei ins Gespräch, wir reden über Kälte und Obdachlosigkeit, dass es schwer ist in Frankfurt.man wird verjagt. Unter den Gleisen ist es warm, aber da darf man nicht hin, weil es Einbruch ist und dann die Bullen kommen.
Zu viel Valium macht Depressionen und wenn man seinen Perso verliert kriegt man kein Geld von der Arge. Wenn man beweisen will wer man ist ohne Wohnsitz, ohne Perso und ohne Stammbuch wird es schwierig.
Dann rufen die netten Menschen von Meinfernbus an und sagen ich kriege einen Platz im nächsten Bus. Wir verabschieden uns und ich hoffe er hat gut zugehört, als ich ihm sagte wie man im größten Notfall im Krankenhaus ein Bett bekommt und hat sich nicht nur über die Cola und das Geld gefreut.
Ich habe weniger schreiben können, als ich wollte, ich schaffe es nicht meine Mutter heute Abend noch zu besuchen ich möchte ein Kölsch und ich habe Hunger. Ich sitze im warmen Bus und freu mich über meine Probleme, worüber rege ich mich eigentlich.
Meine Unachtsamkeit hat mich 36,06 € gekostet. Mir darüber bewusst zu werden, wie gut es mir geht unbezahlbar.


1 Kommentar:

Mathilda hat gesagt…

Das ist wirklich unbezahlbar. Sehr guter Beitrag, der NaNoWriMo scheint dir gut zu tun ;)