09 Januar 2015

Brotjob und Leidenschaft

Ich laufe mal wieder.
Nach dem neuen Jahr geht es so richtig los, habe ich mir gesagt und es auch gleich in die Tat umgesetzt.
Man muss seine guten Vorsätze oder Vorhaben innerhalb von 72 Stunden in die Tat umsetzten also anfangen, sonst hat man ein 98% Chance zu scheitern.
Wie auch immer ich bin gelaufen, vor der Nachtwache - jetzt bitte Applaus und so - und zum ersten mal mit Stirnband und neuen Kopfhörern.

Beim Laufen begegne mir immer wieder die gleichen Verdächtigen. Die dicken Hausfrauen, die athletischen Teenager und die alten Herren in vierhundert euro teurer Kleidung -  den Preis der Schuhe nicht mit eingerechnet.
Ausserdem begegnen mir Enten und manchmal auch Gänse. Die machen am Rosensteinpark halt um sich vor dem großem Flug in den Süden auszuruhen.
Und dann sind da noch die kuriosen Begegnungen. Ein Mann geht immer im Kreuzschritt den Berg hoch und redet in einer nicht verständlichen Sprache. Vielleicht proklamiert er irgendwas oder betet laut oder segnet den Park Stuttgarts. Vielleicht er lästert bei einem imaginären Freund über die dummen Läufer ab.
Er ist verlässlich um neun Uhr morgens ist er auf dem Weg zum Rosensteinschloss hoch, wenn er mir auf dem Abwärtsweg Richtung Wilhelma begegnet, weiss ich, dass ich zu spät bin.
Abends ist das umgekehrt.    
Am Dienstag war ich mit meiner tollen neuen Stirnlampe, meinen Gedanken und Seed unterwegs. Stirnlampe auf dem Kopf und Seed auf den Ohren - andersherum hätte es wenig Sinn gemacht.
Und dann habe ich nachgedacht über Ziele und Prioritäten.

Lauf los, denn deine Träume renn'. 
Mal abgesehen von dem Traum einen zehn Km - Lauf in einer Stunde zu rocken und den Stuttgartlauf dieses Jahr zu meistern, habe ich ganze Listen mit Träumen, die noch gelebt werden wollen.
  Ich will mir später nicht selbst vorwerfen, dass ich aus Angst und Feigheit vor dem Umbekannten oder eventueller Konsequenzen, nicht alles versucht habe um meine Träume zu erreichen.
Ich bin aus dem Alter raus, in dem man seine Eltern für das eigene Elend verantwortlich machen kann. Es bleiben also nur ich, die Menschen, die mich lieben und Gott, um den Griff nach den Sternen zu versuchen.
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hau rein Man oder lass es sein dann hast du
Wenige Dollar, was gesünder sein kann
.............
Du musst nur wählen, dann kann dir keiner erzähln:
Du hast das Leben verpennt, du bist'n lebendes Hemd,



Was will ich? Gehaltserhöhungen sind toll und ein Job der mehr Geld verspricht ist erst mal nicht zu verachten. Aber will ich das?
Das Geld ja, den Job? 
Will ich fünfzig Stunden die Woche arbeiten und dabei vergessen, was meine Leidenschaft ist?

Ich bin nicht gegen viel oder harte Arbeit. Wenn die Arbeit Teil der Leidenschaft ist und das Geld nicht der einzige Arbeitsgrund, kann das toll sein.
Ich habe zwei Jobs. Einen Brotjob, der die Kohle für die Miete finanziert und dann den Leidenschaftsjob. 
Wenn ich klar sagen könnte, dass ich meinen Brotjob nur zur Finanzierung meiner Hobbies ausübe, wäre es einfacher, denke ich manchmal. Dann hätte ich mehr Zeit für den Brotlosjob und würde die restliche Zeit schreiben - natürlich schlaue und anspruchsvolle Sachen.
Nun liebe ich aber den Brotjob, meine Kollegen sind teilweise meine Freunde und da verirre ich mich machmal und denke ich muss noch irgendwas in die Brotjobrichtung studieren.
Das würde aber dazu führen, dass ich keine Zeit mehr für meine brotlose Leidenschaft habe.
Der Brotjob macht Spass und ich gehe meistens gerne zur Arbeit. Ich bin gerne Krankenschwester, ich mag die Arbeit auf unserer Intensivstation.

Ich habe mir vorgenommen dieses Jahr die Möglichkeiten der beiden Richtungen abzuwägen und dann eine Entscheidung zu  treffen.


Die lieben Leser dürfen gerne ihren Senf dazu geben.

Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Bis später ... muss erst Senf kaufen!!

reginestauga hat gesagt…

Hallo Mesii, ich würde Dir gerne eine private Email wegen Deines Blogs schreiben. Geht das über diese Seite? LG, Regine Stauga