27 Februar 2015

Frauenpower??????

 Vor Jahren sang Ina Deter neue Männer braucht das Land, mit einem recht inhaltslosen Text. Er sollte nett sein, auch im Bett. Schön sollte er auch sein. Wenn er den gesungenen Wünschen entspräche, würde sie auch früh mit ihm aufstehen.

Ob sich seit 1982 etwas geändert hat, weiss ich nicht zu sagen. Sind die Männer seit 1982 anders oder neu? Und wenn sie anders sind, sind sie besser?

Das Lied spiegelt die Frauenpower einer Zeit wieder in der Bücher geschrieben wurden wie der Tod des Märchenprinzen und wie vergewaltigt man einen Mann.
Frau wollte studieren, Karriere machen - Kinder auch - und sie wollte einen Mann, der ihren Zyklus kannte und darauf einging.
Frau gab sich Doppelnamen und marschierte für den Paragrafen 218.
Es hat sich viel verändert in Deutschland. Gleichberechtigung und Emanzipation werden nicht mehr gleichgesetzt mit unrasierten Achseln und lila Frauenzeichen. Gleichberechtigung ist der Alltag. So scheint es auf den ersten Blick.

Die Frau von heute, hat einen guten Job, den sie mag, geht arbeiten, versorgt Kind, Mann und den Haushalt. Sie hat den perfekten Schöner Wohnen Lebensraum und Staub und Dreck sind Fremdworte.
Sie joggt oder besucht das Fitnessstudio und trifft sich mit ihren Freundinnen zu Cocktail.
Natürlich engagiert sie sich in Grundschule oder Kindergarten und dem Sportverein der Kinder. Sie fördert das musische Potential vom kleinen Paul und kauft der kleinen Mia die süßen rosa Ballettkleidchen in denen sie so entzückend aussieht – Gender muss sein.
Frau 2015 achtet auf ihre Figur und ihr Sexleben ist der Hammer – auch nach einem fünfzehn Stunden Tag.
(Hier darf der geneigte Leser sich Würgegeräusche vorstellen)
Glaubt man den Medien, muss die Frau von heute alles können, Kinder und Karriere, Sport und gerne essen, Intelligent und immer ein bisschen geil sein - seit Shades of Grey, ist es sogar IN auf Haue zu stehen.
Die Emanzipation hat die Frauen weiter gebracht, das bestreite ich nicht. Wie gesagt wir studieren selbstverständlich und frieren unsere Eizellen ein um auf den karrieregünstigen Befruchtungszeitpunkt zu warten.
Wir lachen über unsere Grossmütter, die in den Fünfzigern mit frisch geschminkten Lippen und gestriegelten Kindern den Gemahl an der Haustüre begrüßten. Sie Nahm ihm den Mantel ab und servierte ihm ein Feierabend in der rechten und die Hausschuhe in der linken Hand, den perfekten Feierabend. Das perfekte Reihenhaus, die perfekte Familie und der obligatorische Italienurlaub im Sommer waren Synonyme für eine heile Welt, nachdem die alte Welt zerstört war.
Natürlich reicht das heute nicht mehr aus. Die Trümmerjahre sind lange vorbei auch wenn Großbaustellen wie der Berliner Flughafen und S21 uns glauben machen wollen, dass Deutschland immer noch im totalen Aufbaufieber ist.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass auch Frauen denken und ihr Gehirn gerne einsetzen möchten. Und sie tun es.
Die Emanzipation hat die meisten Frauen nicht von den Haushaltsaufgaben und ihrem Perfektionismus befreit. Die Umsetzung der Emanzipation hat uns dahin gebracht, dass wir nun eine doppel bis dreifache Belastung haben.
Vor ein paar Jahren habe ich in einer Predigt gehört, dass die Emanzipation nicht gut für die Familie ist, weil die Mutter zu ihrem Job, ja auch noch die Kinder und den Haushalt hat. Der arme Prediger wusste nicht, dass auch Männer die Gabe des Putzens und eine Berufung zur Kindererziehung haben.
Nun kann man sich natürlich über den Mann lustig machen und ihn als antiquiert abstempeln, aber das ändert nichts an seiner ausgesprochenen Wahrheit. Die Durchschnittsfrau hat einen Job, Kinder und den Haushalt zu versorgen und versucht ihre Freundschaften zu pflegen und ihre Ehe lebendig zu halten.
Der Durchschnittsmann geht arbeiten und bringt die Kleinen in den Kindergarten oder holt sie dort ab. Manchmal geht er einkaufen und am Wochenende grillt er für die Familie.
Und schuld daran hat, wenn man von Schuld reden kann, hat nicht die Emanzipation oder die Männer, sondern die Frauen. Die Frauen ,die exakt so leben, sich bei einem Aperol Spritz beschweren und anschliessend nichts ändern. (Vielleicht weil es Inn ist gestresst und genervt vom Leben zu sein.)
Wenn ich singen und Texten könnte, würde ich neue Frauen fordern. Unperfekte Frauen die gerne unperfekt sind. Ich will Frauen, die zugeben erschöpft zu sein, die Menschen in ihre unordentliche Wohnungen und Häuser einladen.
Dicke die es gerne sind, unsportliche, unordentliche, ungeile Frauen, die dazu stehen, dass sie so sind. Das wäre schon mal ein Anfang.

20 Februar 2015

Intensive Arroganz

 Ich mache mal wieder eine Weiterbildung. Diesmal werde ich Praxisanleiter_In (das In habe ich für die politisch korrekten geschrieben.
Fünf Wochen lang lernen wir, Kommunikation, Anleiten, Umgang mit Medien und Rechtskunde. Das die Krankenpflege in Deutschland schlecht aufgestellt ist, erfahre ich auch. Das ist mir nicht neu. In jeder Weiterbildung geht es um unsere Lobby beziehungsweise um ihren Mangel.
Wir haben keine Kammer – die in Deutschland jeder Handwerker hat - Was die Bevölkerung denkt, kann man bei meinem Post Schwester Schwester lesen und untereinander sind wir uneins.
Wer keine Ahnung von unserem jeweiligen Fachbereich hat, wird von uns als dumm abgestempelt.

Ausserhalb des Krankenhauses/Gesundheitssystems glaubt man, wir haben sechs Wochen Kurse besucht um Krankenpflege zu können, laufen im sexy Dress über die Stationen um Ärzte zu heiraten und schwenken Bettpfannen – sonst trinken wir Kaffee. Innerhalb des Krankenhauses/Gesundheitssystems feinden wir einander an und sprechen uns gegenseitig die Kompetenz ab.

Ich habe abgesehen vom Unterricht und der neuen Wohnungseinrichtung meines Kollegen so vieles gelernt. Ich hatte Einblick in die Urologie (hier geht es nicht nur um Penisse!), ich weiss jetzt wie viel Papierkram und Telefonate es bedarf, bis eine häusliche Versorgung losgeht und was in einer Rehaeinrichtung für Wachkomapatienten zum Aufgabenbereich der Pflege gehört.

Die Arroganz der Intensivstation kam in unseren Gesprächen häufig vor. Intensiv ist im Krankenhaus ein Begriff, der für die Station und für das Personal gilt. Selten ist eine ganze Station arrogant, aber die Arroganzlinge kommen auf der Intensiveinheit gehäuft vor - so scheint es jedenfalls.
Wie das Personal der Periphärstationen immer wieder von meinen Kollegen (und hoffentlich nicht von mir behandelt wird) treibt mir die Schamesröte ins Gesicht.

Die Fachkompetenz wird am eigenen Arbeitsbereich gemessen und dementsprechend bewertet. Aber eine Uroschwester muss kein überdimensionales Wissen von einem Tracheostoma haben. Sie verlangt in Retour auch nicht die detaillierten Kenntnisse über die Mobilisation einer Patientin nach Blasenresektion bei Ovarial- und Uteruscarzinom.
Wenn meine Kollegin aus dem OP mir anatomische Fragen stellen würde, die tiefer gehen als mein täglich benötigtes Wissen, kämen Wissenskrater und nicht Lücken zu Tage.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jeder meiner Kollegen und Kolleginnen der Intensivstation, würde man sie für drei Tage auf einer vierzig Betten Station aussetzten, zuerst einmal verzweifelten.

Ich als Intensive glaube an Monitore, kleine Bereiche und viele Schläuche in Adern, Venen und anderen Körperöffnungen. Ich stehe auf Extremsituationen und schweigende Patienten. Ich liebe es zu klugscheissen und von allem ein bisschen und von meinem Gebiet die meiste Ahnung zu haben. Übrigens weiss ich trotz Fachweiterbildung verschwindend wenig über Narkosen und Relaxantien.
Zum einen weil mich der Bereich in der Fachweiterbildung nicht interessiert hat und zum anderen weil ich nach meinen Einsätzen in der Anästhesieabteilung nie wieder in diesem Bereich gearbeitet habe.
Wer also Lust hat mich als dumm mit Anlauf hinzustellen, hier wäre das Ziel.





13 Februar 2015

schreibe eine Geschichte mit den Worten Zumba, Lichtjahre und Costa

Wie sie ihr Leben hasste. Sie die immer selbständig war, sich nie auf andere Hilfe verlassen hatte, war nun zur Bettlägerigkeit verdammt.
Womit hatte sie das verdient? Sie hatte ein Leben lang gearbeitet. Sie hatte sich nicht nach einer Hochzeit als Hausmütterchen auf die faule Haut gelegt, wie so viele ihrer Bekannten. Der Lohn dafür war also ein Schlaganfall und die Verdammnis für den Rest ihres Lebens von einer polnischen Haushaltshilfe namens Elsbetha abhängig zu sein.
Ihr war egal was ihr Sohn sagte, Elsbetha war keine Krankenschwester, sie kannte ja noch nicht mal die Wirkstoffe der Medikamente, die sie nahm.
Warum nahm eine junge Frau die Strapaze auf sich und kam nach Deutschland um eine alte, grantige Frau zu pflegen? Hatte Elsbetha vielleicht Schulden? Vielleicht unterstütze sie ihre Familie. Irmtraut fiel auf, wie wenig sie über die Frau wusste.
Sie schüttelte den Kopf. Warum machte sie sich über ihre Krankenschwester Gedanken? Hatte sie doch genug eigene Problem und einen Sohn, den diese nicht interessierten, solange er andere dafür bezahlen konnte diese zu beheben.
Nach allem was sie für ihn getan hatte. Ein Satz den sie hasste, wenn er ihr durch den Sinn kam. Gestern war er ihr rausgerutscht. Das hatte sie mehr als bereut.
„Du hast mich mit Statussymbolen ausstaffiert und auf Internate geschickt. In den Ferien hast du mich nur leidlich ertragen können. Erzähl du mir nichts von Liebe und Hingabe.“
Als ihr Sohn noch klein war, hatte sich Frau Rübsam, eine Nachbarin um ihn gekümmert, weil sie arbeiten gehen musste. Die Statussymbole, wie er sie heute abfällig nannte, mussten finanziert werden. Ihr Sohn sollte nicht der Sohn einer Amischlampe, eines Negerflittchens ohne Einkommen sein. Ihr Sohn war der Sohn eines hochdekorierten US Soldaten, der im Vietnamkrieg gefallen war. Das war die offizielle Version.
Mister Winston Freeman hatte gut ausgesehen. Er hatte ihr Herz erobert, gebrochen und Deutschland verlassen. Geblieben war ihr ein dicker Bauch und die Bestätigung, dass man sich auf Männer nicht verlassen konnte.
In den siebziger Jahren ein uneheliches Kind aufzuziehen war schwer. Ein uneheliches schwarzes Kind aufzuziehen, war die Hölle. Sie war mit der Scham und dem Gerede nicht zurecht gekommen. Sie hatte nicht gewollt, dass ihr Sohn damit aufwachsen musste. Also hatte sie aus ihrem Fischer mit SCH einen Fisher mit SH gemacht, den feigen Mister Freeman in einen Mister Fisher umgetauft und den Jungen sobald wie möglich in ein Internat gegeben - International mit allem Schnick und Schnack. Hier fiel seine Hautfarbe, wenn sie auffiel positiv auf.
Sie hatte ihm erzählt sein Vater wäre in Vietnam gefallen. Ein tapferer Soldat im Kampf für den Westen. Sie malte die Geschichte nicht aus. Man flog schnell auf, wenn man zu viel erfand.
Bis heute hatte sie ihre Lüge nur soweit korrigieren müssen, dass seine Versetzung nach Vietnam ihrer Hochzeit zuvor kam. Aber gestorben war er auch.
Sie wusste nicht ob das stimmte. Fakt war, dicker Bauch, Kindsvater weg, Alleinerziehend, fertig.
Sohn zahlt polnische Haushaltshilfe weil er Mutter nicht will, Mutter muss alleine zurechtkommen.
Als sie angefangen hatte zu weinen hatte er gemeint. „Ich bezahle alles, was du brauchst und wenn es nicht mehr geht organisiere ich das beste Pflegeheim für dich, aber du wirst niemals bei uns einziehen. Und jetzt hör das Heulen auf Mutter“.
Mitten in ihre Gedanken hinein sang Costa Cordalis seinen Hit Anita. Ihre treue Bekannte Anita hatte es witzig gefunden ihr den Klingelton aufzuspielen. „Dann weisst du immer gleich, dass ich es bin, die anruft“. Anita war nicht sehr intelligent aber sie war nett und sie war treu.
Die Meisten der sogenannten Bekannten und Freunde hatten sich verabschiedet, als sie den Schlaganfall hatte. Nur Anita war es nicht unangenehm gewesen sie zu besuchen. Sie hatte ihr den Sabber aus dem Mundwinkel gewischt und gemeint, „das ist das Erste woran wir arbeiten“
Dann hatte sie mit klimpernden Goldkättchen am Arm in ihre Louis Vuitton Handtasche gewühlt und alle Menschen die sie kannte und jemals eine Schlaganfall mit Sabberproblem hatten nach den besten Therapeuten befragt.
Kurze Zeit später hatte sie aufgelegt und gemeint „Also wir nehmen den von Herbert, der spricht am besten von allen“. Morgen kommt dieser Logodingsbums in die Klinik, ich zahle.“
Als Irmtraut widersprechen wollte, hatte sie ihr die Hand getätschelt und gesagt „ich weiss du schämst dich und du willst nichts geschenkt haben. Sie es als großen Blumenstrauss an.“
Dann war sie mit ihrer Diorwolke und dem Goldschmuck aus dem Zimmer gerauscht.
Der Beste hatte geholfen. Sie konnte ihrem Sohn ohne zu sabbern sagen ,dass sie keine Polin haben wollte und eigentlich überhaupt niemanden, aber das hätte sie auch lassen können.
„Du brauchst täglich Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, hat deine Freundin gesagt und du wirst das bekommen. Ausserdem wird eine vierundzwanzig Stunden Pflege kommen und die Polen sind fachlich gut.“


Mitten in ihre Gedanken hinein rauschte Anita, klirrend und klimpernd mit der Duftwolke von zuviel Dior, zu viel Make up und sie stockte „was trägst du da?“
„toll nicht?“ Anita drehte sich um die eigene Achse, damit Irmtraut sie bewundern konnte. Sie trug hautenge Leoparden Leggings, ein hautenges schwarzes Oberteil und darunter ein gut abgezeichnetes Korsett, dass ihren Rumpf mühsam in Form quetschte. „ich mach jetzt Zumba“.
„ich hoffe man bleibt dabei angezogen“, murmelte Irmtraut.
Anita hob an um den Segen von Zumba für die Figur und die Psyche in allen Einzelheiten zu beschreiben, unterbrach sich dann aber selbst und fragte wo ist Elsbetha? Ich musste mich selbst reinlassen.“
„Die hat den Vormittag frei. Ist mir egal was mein Sohn sagt. Die Frau muss ab und zu hier raus. Und ich brauch mal meine Ruhe.“

„Du hast ja auch schon die Sportsachen an.“ Anita wollte vom undankbaren Sohn ablenken. Seit dem Schalganfall weinte Irmtraut schnell. „ Kommt Paul gleich?“
Paul war der Physiotherapeut, Irmgards persönlicher Folterer und Anitas lebendes Lustobjekt.
„Du weißt sehr wohl ,dass ich jeden Tag den der liebe Gott kommen lässt, diese Sachen trage, weil ich nichts anderes alleine anziehen kann.“ zornig wies Irmtraut auf ihre weite Hose und das Oberteil.
Es klingelte. „Da kommt dein Paul.“ Sie stemmte sich aus dem Rollstuhl hoch in den Stand und hielt sich an ihrem Rollator fest. Das musste man sich mal vorstellen. Sie und ein Rollator. So etwas war keifür alte Leute, die in die Hose machten und ihre Kinder nicht mehr erkannte. Sie war fit im Kopf, erledigte ihre Rechnungen selbst, las Sartre im Original und dann nahm ihr dieser Schlaganfall die Hälfte ihres Körpers.
Paul war pünktlich. Paul war immer pünktlich. Anita richtete ihren täglichen Besuch bei Irmtraut danach. Sie wollte verhindern, dass Irmtraur aufgab. Denn wenn Irmtraut nicht die Beste sein konnte, gab sie schnell auf. Anita wusste um den Krieg, den Irmtraut mit ihrer linken Körperhälfte führte und feierte sie für jede noch so kleine Bewegung. Außerdem hatte Anita ein Faible für junge Männer, besonders für Paul, aber das wußte niemand ausser Irmtraut.
Heute strengte sie sich so sehr an, dass ihre auf den Rollator gestützten Arme zitterten. Irmtraut fluchte „dieser verdammte Körper“ als sie nach einer Ewigkeit endlich den rechten Fuß vor den linken gesetzt hatte.
„Super, Frau Fisher und jetzt den anderen Fuß“.
„Ich weiss welcher Fuss jetzt dran ist, sie Klugscheißer“, keifte sie „machen sie mal, was ich hier tue jeden Tag, ohne Erfolge zu sehen.“
Als sie sah, dass Anita ihre widersprechen wollte, stütze sie sich schwer auf dem Gestänge des Rollators ab und beugte sich nach vorne. „Und du bist gefälligst still, Sambamädchen.“
„Zumba. Es heißt Zumba.“ korrigierte Irmtraut sie leise. Sie saß mit kokett gekreuzten Beinen im Sessel, stützte die Arme auf den Knien ab und sah verträumt auf Pauls Hintern. Sie lächelte. Es war kein besonderer Hintern, aber ein junger Hintern.
„Wenn du diese Stimmung nicht bald ablegst, wird es keine drei Wochen dauern und Elsbetha ist weg.“
„Gut“, ächzte Irmtraut und schob den Rollator für den dritten Schritt nach vorne - Jetzt wieder den rechte Fuß vorsetzen, Frau Fisher - „ich will auch niemanden haben.“ Sie schaffte noch fünf weitere Schritte bis Paul, der gesehen hatte, dass sie mit ihren Kräften am Ende war, ihr den Rollstuhl unter den Po schob. , wirklich gut. Sie werden jeden Tag besser Frau Fisher.“
Irmtraut schnaubte verächtlich. „Doch wirklich“ versicherte er. „wenn ich an letzten Monat denke im Vergleich zu dem was sie heute geschafft haben.“ Er winkte ab. „Da liegen doch Lichtjahre zwischen. Letzten Monat konnten sie kaum alleine stehen.“



06 Februar 2015

Leidenschaft

Wenn ich Menschen sehe, die gut in einer Sache sind, ist mir nie klar, dass sie geübt haben, damit sie so gut sein können.
Ein Künstler in Aktion – in guter Aktion - und ich bin begeistert, ohne dass mir der Weg bewusst ist, den er zurückgelegt hat, um so gut zu sein.
Die Zeit des Üben und Verzichten, habe ich ihn nicht erlebt.
Mein großes Vorbild, als Teenager war Susan E. Hinton. Mit sechzehn hatte sie ihr erstes Buch geschrieben. Ich las die Outsider mit dreizehn und dacht, dass ich noch Zeit habe, ein Buch zu veröffentlichen. Mit sechzehn dachte ich, dass ich es vielleicht schaffe bevor ich zwanzig bin.
Was ich damals vergas, war die Kleinigkeit, dass sie nicht nur ein Buch veröffentlicht hatte, sie hatte es vorher geschrieben.
Sie hatte Disziplin und die Leidenschaft ein Buch zu schreiben. Zum Glück hatte sie auch dasTalent dazu.
1991 gewann Stephanie Ortwig aus Remscheid-Lennep, die Goldmedaille bei der Schwimmweltmeisterschaft in Perth. Ich komme auch aus Remscheid-Lennep. Ich mag schwimmen und wir sind gleich alt, die Stephie und ich. Dann sind die Gemeinsamkeit vorbei.
In der Zeit und den nachfolgenden Jahren habe ich oft gehört, dass jemand im gleichen Verein war wie sie, mit ihr trainiert hat und sogar besser war. „so gut war die gar nicht“. Aber keine der Damen, die mir das erzählten, hat eine Medaille gewonnen. Sie sind mit vierzehn aus dem Verein ausgetreten und hatten andere Hobbies, als schwimmen. Stephie schwamm während wir rauchen übten, zum ersten mal betrunken waren und uns fragten ob Lorenz Maas uns mag.
Vielleicht tat sie all das auch, aber hauptsächlich schwamm sie und deshalb war sie gut.
Mit vierzehn schneller geschwommen zu sein, als Stephanie Ortwig hat keinem von uns eine Goldmedaille gebracht. Stephie hatte Disziplin und trainierte jeden Tag. Vielleicht hatten wir alle mehr Talent als sie, was wir nicht feststellen werden, weil sie mehr Disziplin hatte.
Sie schwamm vor der Schule ihre Bahnen, während ich mir Gedanke über blauen und lila Lidschatten machte und meiner Mutter Zigaretten aus der Handtasche stibitzte.

Natürlich war es förderlich, dass ihren Eltern die Pommesbude im Schwimmbad gehörte. Sie wuchs praktisch im Schwimmbad auf.Wenn Stephanie Ortwig aber kein Talent gehabt hätte, hätten die Umstände noch so günstig sein können, sie hätten ihr keine Goldmedaille gebracht. Eltern mit Pommesbude im Schwimmbad oder nicht.
Dann hätte sie ihre Zeit vergeudet, kann man meinen. Ich finde, sie hätte auch ohne jegliche Medaille genau das richtige getan. Sie hat etwas getan, wofür sie Leidenschaft hatte. Wasser war ihr Element und Schwimmen ihre Leidenschaft.
Wenn man tut, was man liebt ist es Leidenschaft.
Selbst wenn man genervt ist,übt man, wenn man Leidenschaft hat. Spätestens wenn man das Instrument in der Hand hat oder den Chlorgeruch in der Nase, tut man es so selbstverständlich wie atmen.
Wenn man Leidenschaft für etwas hat aber keine Zeit - sich immer wieder selbst vertröstet, dass man es bald, vielleicht schon nächstes Jahr tut - beraubt man sich selbst.
„Aber ich bin doch nicht sooo gut“, „Ich weiß nicht, ob es sich lohnt“, „Wenn die Kinder aus dem Haus dem Haus sind“ und mein Lieblingsargument „Es ist ja nur ein Hobby“.
Die Fakten sind folgende:
Wenn man etwas regelmäßig macht, wird man darin besser.
Wenn man nur dreißig Tage lang, TÄGLICH eine Sache macht, ist es Gewohnheit.
Man muss nicht eine Stunde am Stück investieren – zehn Minuten Intervalle sind super.

In diesem Sinne DO WHAT YOU LOVE