06 Februar 2015

Leidenschaft

Wenn ich Menschen sehe, die gut in einer Sache sind, ist mir nie klar, dass sie geübt haben, damit sie so gut sein können.
Ein Künstler in Aktion – in guter Aktion - und ich bin begeistert, ohne dass mir der Weg bewusst ist, den er zurückgelegt hat, um so gut zu sein.
Die Zeit des Üben und Verzichten, habe ich ihn nicht erlebt.
Mein großes Vorbild, als Teenager war Susan E. Hinton. Mit sechzehn hatte sie ihr erstes Buch geschrieben. Ich las die Outsider mit dreizehn und dacht, dass ich noch Zeit habe, ein Buch zu veröffentlichen. Mit sechzehn dachte ich, dass ich es vielleicht schaffe bevor ich zwanzig bin.
Was ich damals vergas, war die Kleinigkeit, dass sie nicht nur ein Buch veröffentlicht hatte, sie hatte es vorher geschrieben.
Sie hatte Disziplin und die Leidenschaft ein Buch zu schreiben. Zum Glück hatte sie auch dasTalent dazu.
1991 gewann Stephanie Ortwig aus Remscheid-Lennep, die Goldmedaille bei der Schwimmweltmeisterschaft in Perth. Ich komme auch aus Remscheid-Lennep. Ich mag schwimmen und wir sind gleich alt, die Stephie und ich. Dann sind die Gemeinsamkeit vorbei.
In der Zeit und den nachfolgenden Jahren habe ich oft gehört, dass jemand im gleichen Verein war wie sie, mit ihr trainiert hat und sogar besser war. „so gut war die gar nicht“. Aber keine der Damen, die mir das erzählten, hat eine Medaille gewonnen. Sie sind mit vierzehn aus dem Verein ausgetreten und hatten andere Hobbies, als schwimmen. Stephie schwamm während wir rauchen übten, zum ersten mal betrunken waren und uns fragten ob Lorenz Maas uns mag.
Vielleicht tat sie all das auch, aber hauptsächlich schwamm sie und deshalb war sie gut.
Mit vierzehn schneller geschwommen zu sein, als Stephanie Ortwig hat keinem von uns eine Goldmedaille gebracht. Stephie hatte Disziplin und trainierte jeden Tag. Vielleicht hatten wir alle mehr Talent als sie, was wir nicht feststellen werden, weil sie mehr Disziplin hatte.
Sie schwamm vor der Schule ihre Bahnen, während ich mir Gedanke über blauen und lila Lidschatten machte und meiner Mutter Zigaretten aus der Handtasche stibitzte.

Natürlich war es förderlich, dass ihren Eltern die Pommesbude im Schwimmbad gehörte. Sie wuchs praktisch im Schwimmbad auf.Wenn Stephanie Ortwig aber kein Talent gehabt hätte, hätten die Umstände noch so günstig sein können, sie hätten ihr keine Goldmedaille gebracht. Eltern mit Pommesbude im Schwimmbad oder nicht.
Dann hätte sie ihre Zeit vergeudet, kann man meinen. Ich finde, sie hätte auch ohne jegliche Medaille genau das richtige getan. Sie hat etwas getan, wofür sie Leidenschaft hatte. Wasser war ihr Element und Schwimmen ihre Leidenschaft.
Wenn man tut, was man liebt ist es Leidenschaft.
Selbst wenn man genervt ist,übt man, wenn man Leidenschaft hat. Spätestens wenn man das Instrument in der Hand hat oder den Chlorgeruch in der Nase, tut man es so selbstverständlich wie atmen.
Wenn man Leidenschaft für etwas hat aber keine Zeit - sich immer wieder selbst vertröstet, dass man es bald, vielleicht schon nächstes Jahr tut - beraubt man sich selbst.
„Aber ich bin doch nicht sooo gut“, „Ich weiß nicht, ob es sich lohnt“, „Wenn die Kinder aus dem Haus dem Haus sind“ und mein Lieblingsargument „Es ist ja nur ein Hobby“.
Die Fakten sind folgende:
Wenn man etwas regelmäßig macht, wird man darin besser.
Wenn man nur dreißig Tage lang, TÄGLICH eine Sache macht, ist es Gewohnheit.
Man muss nicht eine Stunde am Stück investieren – zehn Minuten Intervalle sind super.

In diesem Sinne DO WHAT YOU LOVE

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wunderbar geschrieben. Danke.
Macht mit Mut, jeden tag ein bisschen zu schreiben :-)
LG!!!Christina

die Vorgärtnerin hat gesagt…

oh ja!