11 April 2015

Warum der Freitagpost fünf Wochen ausfiel

Bis vor ein paar Wochen hätte ich glaubhaft versichern können, dass meine schlimmste Begrenzung die Tatsache ist, dass der Tag nur vierundzwanzig Stunden hat. Das ist nun nicht mehr so.
Natürlich war ich müde, sogar zunehmend, aber ich empfand die Müdigkeit als lästig, denn ich hatte doch so viel Energie so viel Pläne – Projekte, wie die Beste und Herzensschwester sie nennt.
Ich musste noch eben eine Stunde laufen, eine halbe Stunde schreiben und mal eben das Buch auslesen.
 Während ich mein Zimmer aufräumte gabs ein Hörbuch auf die Ohren und beim Kochen
sah ich irgendwelche Serien.
Ich habe im Schnitt zwei Sachen gleichzeitig gemacht – immer! Manchmal auch drei. Ich konnte nur noch mit Hörbuch einschlafen. Stille hat mich nervös gemacht.
Freitags musste was für den Blog geschrieben sein, das Buchprojekt sollte regelmäßig bearbeite werden, NaNoWriMo stand vor der Tür und ein Artikel für den kranken Boten wollte ich auch monatlich schreiben.
Ich war wie ein Spielzeugauto, dass man man zu sehr aufgezogen hat und sich nun auslaufen muss.
Und ich konnte doch auch alles.
Und dann sass ich plötzlich heulend da und alles war zu viel. Natürlich kam das zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt - ich schrieb gerade an meiner Hausarbeit für den Praxisanleiterkurs und hatte noch den normalen Stationsdienst zu tun. Weil ich am gut unter Druck arbeiten kann, dachte ich. Die Schnelllösung war eine Krankschreibung und fünf Tage nur schlafen.

Als mir klar wurde, dass ich nicht alles kann, war ich enttäuscht und dachte „ich bin eine Versagerin“. Vielleicht ist das auch das beginnende Altern. „Der Mensch ist eben nicht mehr so leistungsfähig, wenn er älter wird“, sagte die eine Stimme.
Die Andere brüllte „Scheiße, ich bin zweiundvierzig nicht zweiundachzig“.
„Es war einfach zu viel“, sagte der Mann und er hat recht.

Gefühlt ist es die vierte Runde um das ewig gleiche Thema in verschiedenen Variationen – Maßlosigkeit. Ich kann alles in Maßlos. Ich kann sogar so Maßlos entspannen, dass ich nicht mehr hochkomme. Diesmal waren es die Arbeit und die Hobbys.
Unter uns das nervt. Maßlos war auch schön – bis ich auf der Nase lag. Das Gefühl zu haben, alles zu können, was ich können will, war schon gut.
Was ist im Maß? Will ich nur noch arbeiten und schlafen? Will ich kein Hörbuch mehr hören? Will ich beim Kochen nur noch Mönchsgesängen lauschen, wenn ich überhaupt koche, denn vielleicht ist auch das zu viel? Muss ich den Gedanken an den Stuttgartlauf aufgeben? Was ist mit der Schreiberei?
Es gibt Tage da finde ich, dass ich übertreibe und nun auch genug Urlaub hatte um mich erholt zu haben. Dann fühlt sich alles wieder normal an. An anderen Tagen bin ich schon nach dem Aufwachen müde. Gestern war ich zu fertig um auf einen Geburtstag zu gehen.

Vor ein paar Tagen habe ich mich dabei ertappt, froh zu sein, dass ich nicht alles kann.
Wenn ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin, muss ich nicht mehr testen, was noch geht, was noch in den Alltag passt. Zur Zeit scheint jeder Tag anders zu sein. Heute Abend hat die Energie zum Schreiben gereicht.
Vielleicht ist das ein Anfang.


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