28 August 2015

Masterplot?! oder Meisterhalft Verplant?!

Am Dienstag hätte ich Schreibtreff gehabt, dachte ich.
Ich treffe mich, wenn es gut läuft einmal im Monat mit anderen Schreibenden. Wir lesen uns gegeseitig die Hausaufgaben vor und kritisieren uns, damit wir besser werden.
Für Dienstag war die Hausaufgabe einen MAsteplot zu schreiben. Ein krasses Erlebnis sorgt dafür, dass die Hauptperson nicht bleibt wie sie bisher war.  Als weiterer Anreiz sollte eine Versteigerung in dem Text vorkommen.
In den letzten Monaten habe ich es nicht geschafft zu dem Treffen zu gehen, weil entweder ich oder die Arbeit brannte- Letzters führte, unter anderem, zu meinem Brennen.
Als ich am Dienstag zum üblichen Treffpunkt kam, hatte dieser geschlossen. In meinen email konnte ich nur nachlesen, dass uns noch ein alternativer Treffpunkt mitgeteilt wird.
Die Mitteilung zum alternativen Treffpunkt konnte ich nicht finden, aber ich fand heraus, dass es diesen Monat in der Hausaufgabe um ein Musikstück ging.
Dann ging ich Bier trinken, als Alternative.
amit mein auf den letzten Drücker, verzweifelt geschreibenes Geschreib nicht völlig umsonst ist - Hier ist es:


Sotherbys.
Eine Versteigerung. Dunkle Stühle mit rotem Samt bezogen.
Murmeln, gedämpfte Stimmung. Die Damen im blauen oder schwarzen Businesskostüm, die Herren im schwarzen Einreiher. Man kennt sich zumeist. Küsschen links und rechts.
Grüßendes Nicken.
Man fragt sich gegenseitig für wen heute geboten wird. Die wenigsten kommen um selbst zu bieten.
Die Leute mit der Kohle lassen bieten. Vielleicht lassen sie auch andere stellvertretend für sich freuen.

Schriftsteller ist das Thema. Eine alte Bibel King James Version, war ein Schnäppchen für 60 000 €.
Ich warte. Die alte Enigma geht für 149 000 britische Pfund über den Tisch.
Mir ist schlecht. Ob den Damen in Schwarz und Blau auch schlecht ist? Sicherlich nicht. Sie bieten mit dem Geld anderer Leute. Ich biete mit Omas Erbe, so stelle ich mir das vor. Oma ihr klein Häuschen wie Reich-Ranicki es formulieren würde.
Ich will Dickens erste Ausgabe von Oliver Twist, das Manuskript.
Der Startpreis liegt bei 6 000 Pfund umgerechnet 8 255 Euro. Ich Schlucke blätter im Auktionskatalog und zupfe meine Hemdbluse zurecht.
Natürlich werde ich den Dickens kriegen, ein Hemingway wäre mir für meine Tagträume lieber aber hier bei Sotherbys läuft die Auktion mit dem Titel Englische Schriftsteller und Bücher, da wäre Hemingway unpassend.
Ich würde also mit Omas Erbe den Dickens besitzen. Ich hätte mir ausgemalt, dass der Dickens mich beflügeln wird zu schreiben. Wie ein Glücksbringer wäre er hinter Glas und ich wüsste, dass ich nun alles schaffen kann, auch einen guten Roman. Und den gute Roman würde ich schreiben, ein Verlag würde erkennen wie gut der Roman ist und er würde veröffentlicht und ich könnte davon leben. Alles nur, weil ich Dickes Roman ersteigern konnte.
Oder ich hätte mir die Gesichter der Bieter genau angeschaut und ihre Leidenschaftslosigkeit gesehen. Mich hätte die Angst befallen meine Leidenschaft zu verlieren, wenn ich den Dickens ersteigern würde. Was wäre wenn ich ohne Omas Erbe, mit Dickens und einer Schreibblockade in Bad Cannstatt sitzen würde? Vielleicht würde Dickens an der Blockade Dickens Schuld tragen?Vielleicht wäre das Buch verflucht?
Ich überlege kurz, ob ich den Dickes ersteigere um in zu verbrennen. Dann wäre der Fluch gebrochen und ich könnte schreiben. Oder der Zauber der dem Buch anhaftete wäre verflogen?
Vielleicht hätte ich ihn nicht ersteigert. Ich hätte voller Erwartung und Vorfreude dort gesessen und gedacht „Wenn ich den Dickens habe, ist alles möglich“ und dann wäre in letzter Sekunde ein Typ reingekommen, und hätte ganz still Omas Erbe von 120 000 ausgedachten Euro überboten.
Ich wäre niedergeschlagen nach Hause geflogen mit Ryanair neben mir eine junge Englischstudentin die Oliver Twist liest. Darauf hätte ich versucht mich in der Flugzeugtoilette zu ertränken, was leider scheiterte, weil dort ein Journalist vom Businesspunk mit seiner Recherche beschäftigt waäre – kann mit Stewardessen auf Flugzeugtoiletten Sex haben oder ist es ein Gerücht.
Nichts davon passiert. Ich beobachte. Die Damen in ihren Businessanzügen, die Herren mit den Anzügen und die Security. Ich muss mich zusammenreissen denn hier geht es nicht um Dickens oder Hemingway. Wer hat schon Zeit zum schreiben?
Ich will die Enigma haben. Den Bieter habe ich mir gemerkt. Den Käufer kenne ich. Ich muss die Enigma haben.
Ich will nicht verhindern, dass er irgendein Schriftstück der Nazis damit entziffert. Ich muss an eine kleine Walze. Man kann schlecht fragen „Hallo, ich muss ihre 169 000 Pfund Antiquität auseinandernehmen um etwas zu lesen.“
Ich brauche nur fünf Minuten mit der Maschine. Wie komme ich also nach hinten, wo die ersteigerten Teile eingepackt und verschifft werden?
Ich brauche fünf Minuten maximal zehn an der Maschine. Ich muss den Deckel abheben und an die hintere Seite der Umkehrwalze kommen. Es geht nur um die Gravur.
Dort wäre eine Nummer eingeprägt für ein Schweizer Konto und ich wäre alle Geldsorgen los für immer und hätte Zeit zum Schreiben.


Aber ich komme nicht soweit. Sie erwischen mich, als ich den Deckel der Enigma versuche zu lösen und ich werde wegen Sachbeschädigung auf vie viel Geld verklagt.
Das Geld kann ich nicht bezahlen und ich muss stattdessen in den Knast. Dort ist es wiederum so langweilig, dass ich nur schreiben kann. Es wird ein Bestseller – ganz ohne Dickens und ohne Kohle.

Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Wie gut, dass euer Treffen nicht stattgefunden hat!
Sonst hätte ich diesen Text nie zu Gesicht bekommen.
danke!
;-)

mesii hat gesagt…

Frau Vorgärtnerin,
wenn Ihre vielen Ermutigungen nicht wären.....

Ich danke!!!