05 September 2015

Nachbarn

 Man kennt sich, man sieht sich.
Ab und an redet man ein Wort mit ihnen. Die Nachbarn. Menschen die in unmittelbarer Nähe wohnen.
Ich weiss in etwas wer wo wohnt oder wo die Leute hinwollen, die auf dem Neckarradweg endlang gehen. Wenn sie lange Gewänder tragen, einen Bart haben und dazu noch männlich sind, wollen sie vermutlich zu dem Haus mit den arabischen Schriftzeichen, das Richtung Lidl steht.
Nebenan wird allmorgendlich der Rotz aus den untiefen der menschlichen Lunge hochgezogen. Abends telefoniert er, meistens mit Frauen und immer über Lautsprecher, damit jeder was davon hat.
Der alte Herr mit seiner Bulldogge Blacky geht drei bis vier mal am Tag spazieren, Sie kommen nie sehr weit, müssen sich häufig hinsetzten und verschnaufen. Der Hund ist seine Freude, sagt er.
Im Nachbarhaus, auf dem Hinterhof sägt und hämmert es zur Zeit häufig. Sie baut ein Spielhaus für den Jungen von gegenüber, weil er es sich gewünscht hat. Sie sind nicht verwand, ab und zu passt sie auf ihn auf.
Das Licht am Aquarium des Kindergartens nebenan, brannte neulich vierundzwanzig Stunden, Mittsommer für die Fische, nur ohne Köttbullar.


Auf dem Neckarradweg sitzt er zur Zeit öfters. Er wirkt gepflegt, sitzt auf der Bank beim Biergarten und liest ein Buch. Er passt gut in das sommerliche Bild am Neckar. Abends liegt er ein paar Bänke weiter.
Rucksack, Wanderschuhe und braungebrand geht sie am Neckar endlang. Ich sehe sie im Park, manchmal am Palast. Da sammelt sie Flaschen. Ich habe sie noch stehen oder sitzen sehen.
Große Plastiktüten und Kartons, ein zusammengerollter Schlafsack alles ist mit Gummiexpandern am Rad befestigt. Morgens sitzt er am Brunnen, tagsüber radelt er manchmal an mir vorbei. Ich weiss nicht ob er ein Ziel hat.
Irgendwie bin ich mit den Leuten in Kontakt. Wir reden über Spaziergänge und kaputte Hüften, warum die Frührente gut war, obwohl jetzt weniger Geld da ist.
Die Bartfraktion grüße ich nicht. Ich weiss nicht, ob sie es beleidigend fänden oder ob sie mich überhaupt bemerken dürfen.
Wie mache ich das mit den Obdachlosen? Sie sind auch meine Nachbarn. Wollen sie, dass ich sie bemerke? Wollen sie gegrüßt werden? Oder wollen sie eher für sich bleiben?
Ich bin neugierig. Wo schlafen sie? Verjagt die Polizei sie? Stimmt es das es diese eine Stelle im Park gibt, wo sie sich Nachts alle treffen? Haben sie untereinander Kontakt oder bleiben sie immer für sich?
Wie erleben sie uns? Sind wir Nachbarn für sie? Oder ist unser Lebensraum wie ein ferner Planet?

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