09 November 2015

angewöhnte Angewohnheiten

Ich habe bei einem TED Video erfahren, dass man eine Sache 30 Tage lang üben tun muss, wenn sie zur Gewohnheit werden soll.
Jedenfalls ist es bei den guten Angewohnheiten so. Bei den schlechten Angewohnheiten, denen, die uns moralisch schwer fallen, brauchen wir nicht so lange. Da reichen Wiederholungen von drei mal und es ist normal für uns und passt in unser Weltbild.
Wenn wir mit der Moralvorstellung aufgewachsen sind, dass man jedem der an der Strasse bettelt, etwas Geld in den Hut oder die Büchse werfen muss, weil sich das so gehört als aufrechter Bürger, ist es in unserem Wertesystem verwerflich, nichts zu geben.
Wenn wir den bettelnden Menschen zum ersten mal ignorieren, fühlt es sich sehr schlimm an. Wenn wir ihn zum zweiten Mal ignorieren, schaffen wir das schon etwas leichter und beim dritten Mal ist es schon eine Gewohnheit.
Denn nach jedem Mal erzählen wir unserem Unterbewusstsein, warum es völlig in Ordnung ist,dem Menschen nichts zu geben. Wir tun das so lange, bis unser Unterbewusstsein unserem Wertesystem einen neuen Kodex aufgespielt hat und es nur noch ein wenig bis gar nicht mehr zwickt.
Jetzt müsste es ja auch reichen eine gute oder neue Eigenschaft drei mal zu tun, um daraus eine Gewohnheit und eine moralische Norm für uns zu machen.
Das ist leider nicht so. Wir brauchen dabei wirklich die etwa zehnfache Zeit, weil wir unserem Unterbewusst, erzählen müssen, das etwas toll ist, was uns anstrengt oder Mühe kostet und dazu auch noch nicht unserem Weltbild entspricht.
Zurück zum Beispiel mit dem Obdachlosen.
Wenn wir mit der Moralvorstellung aufgewachsen sind, dass Menschen die betteln, nur faul sind und keine Lust haben zu arbeiten und dass Faulheit etwas ganz schlimmes ist, müssen wir unserem Unterbewusstsein Gegenargumente liefern. Außerdem müssen wir unser Portemonnaie suchen, es öffnen, Geld herausnehmen und es dem Menschen in den Hut werfen.
Natürlich gibt es für alles Ausnahmen, aber in der Regel funktionieren wir Menschen so.
Wenn ich also für eine gute Angewohnheit dreißig Wiederholungen brauche, ist das immer noch ein überschaubarer Zeitraum. Um mich zu motivieren, habe ich mir überlegt zusätzlich eine moralisch schlechte Angewohnheit zu kultivieren.
Ich werde 30 Tage lang jeden Morgen zehn Minuten Gewichte heben und mit den Muskeln dann drei mal hintereinander dummen Typen die blöde pfeifen oder Sprüche machen, eine zentrieren.

Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

und ich dachte, der Beitrag liefe darauf hinaus, dass du dreißig Tage lang Brote und Muffins neben schlafende Obdachlose stellst!

(Zur Erinnerung: wir sollten nachfragen.)

mesii hat gesagt…

Du darfst fragen und der Bericht kommt noch.
das Ende dieser Geschichte ist etwas verkackt.