01 November 2015

Brote und Muffins

 Die Sache mit den Obdachlosen, die auf Umfrage im Freundeskreis, mehr werden, verlässt meinen Kopf nicht.
Das kann uns ja nicht passieren! Wir leben in einem Sozialstaat, der passt schon auf uns auf. Niemand fällt durch das soziale Netz! Denkste Puppe.
Das kann uns und jedem anderen den wir kennen passieren.
Eine Freundin, die in Sachen Obdachlosigkeit eine Doktorarbeit verfasst hat, meint dass es schneller geht, als man denkt. Ein Tragödie in der Familie, Depressionen, du kannst nicht mehr arbeiten, öffnest deine Post nicht, merkst nicht, wie viel Zeit darüber vergeht und plötzlich kommt kein Geld aus dem Bankomaten raus und der Vermieter räumt mit einer Spedition deine Wohnung leer.
Nach drei Wochen hast du reihum bei allen Freunden die Sofas kennengelernt und die Scham und die Resignation treibt dich eher auf die Straße, als zum Sozialamt. Beim Sozialamt kann man dir allerdings auch nur bedingt helfen. Wenn du eine Frau bist, hast du ehr Glück, einen Platz in einer Obdachlosenunterkunft zu bekommen, als als Mann. Allerdings ist es in den gemischten Unterkünften nicht unwahrscheinlich, dass du dein Bett unfreiwillig teilen wirst.
Dann doch lieber die Straße.
Den Obdachlosen hier am Stadtrand, scheint es besser zu gehen. Die die mir auffallen sind noch relativ gepflegt, haben einige Tüten mit ihren Habseligkeiten dabei, manche haben sogar ein prapaidphone.
Die Jungs und Mädels, die mir auf dem Weg zur Arbeit begegnen wirken ungepflegt und viel ärmer und ich merke wie pervers ein Armutsvergleich von Obdachlosen ist, während ich das hier schreibe.

Ich sehe sie und ich will nicht wegsehen. Ich will mein Herz nicht hart machen gegen dieses Leben, das neben unseren Leben existiert. Ich will aber nicht nur weinen und traurige, ganz arg betroffene Blogeinträge machen. Ich will was tun. Was also tun?
Meine studierte Freundin sagt, dass man den Leuten die Würde nimmt und sie zurück in den Almosenstatus des Mittelalters versetzt, wenn man ihnen Sachspenden gibt. Das größte Selbstbestimmungsrecht sollte ihnen erhalten bleiben, auch wenn sie sich von der Kohle Sprit kaufen.
Wenn ich jedem der mir auf meinem Arbeitsweg begegnet einen Euro gebe bin ich im Monat durchschnittlich 120€ los. Das schaffe ich finanziell nicht.
Also doch Sachspenden. Ich habe mir überlegt, dass ich Brote schmieren könnte und sie ihnen neben die Schlafsäcke lege, oder ich backe Muffins mit kleinen Kerzen drin. „Willst du sie anzünden?“ fragte eine Freundin der ich den Gedankensalat erzählt habe.
Natürlich wären die Kerzen nicht an. Sie würden einfach im Muffin stecken. Weil es nett ist, einen Muffin mit Kerze zu bekommen.
Warum ich sie „überraschen“ will? Warum ich es den Leuten nicht geben möchte, von Angesicht zu Angesicht?
Ich weiss nicht, ob mein Herz das schon kann und ich habe Angst, dass es gönnerhaft rüberkommt und wer will das schon? Und ich will auch nicht meinen eigenen Broten beworfen werden. Und was werden anderen Passanten denken? Überhaupt muss ich meinen ganzen Mut zusammen nehmen um das mit den Broten anzufangen.
Vielleicht muss ich mir eine Deadline setzen? Lieber Leser, Liebe Leserin fragt nach, ob ich ab dem 9.11. Brote und Muffins verteilt habe!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich finde das toll, Mesii:
dass du dein Herz weich hältst und dir Gedanken um die Menschen machst.Was ihnen gut tun könnte und was sie vielleicht abwertet.Damit gibst du ihnen schon Würde. Finde ich. Und ich finde es gut, dass du dich nicht überforderst, erstmal ein Muffin hinstellen wenn sie noch schlafen...könnte der Anfang einer Geschichte werden.
Ich finde es toll (auch weil ich grade selbst NIX hinbekomme). Mach et, Mesii!:-)
Lg Christina