25 Januar 2016

was aus der Muffinsache wurde

 Im November habe ich versucht dreißig Tagen lang, Muffins oder ähnliches an obdachlose Menschen zu verteilen.
Es war ein Versuch und zwar ein gescheiterter. Ich habe es nicht durchziehen können.
Manchmal waren sie verschwunden, die Obdachlosen. Dann sah ich auf meinem Weg am Bahnhof nicht einen. An manchen Tagen waren es dann wieder so viele, dass ich mir mit meinen zwei Muffins völlig lächerlich vorkam. Dann war ich zu spät dran oder ich musste mich sputen um rechtzeitig die richte Bahn zu bekommen.
Und auf dem Rückweg waren die Muffins vermatscht und nicht mehr schön.
Ausserdem fand ich die Sache mit den Muffins dann auch wieder Gönnerhaft und ich fühlte mich komisch dabei. Und manche Menschen mit ohne Wohnung und vielen Tüten waren sehr laut, männlich, sehr betrunken und nicht alleine, dann war mein Mut weg. Frauen habe ich übrigens nicht gesehen.
War das jetzt alles? Sie hat an ein paar Tagen versucht Muffins zu verteilen, fühlte sich innerlich unpässlich und manchmal waren die Obdachlosen verschwunden. Nicht ganz.
Bei dem Versuch die Welt zu retten – und die Sache mit den Muffins, hat schon was von einem Retterkomplex – habe ich für mich festgestellt, dass alle Obdachlosen am Bahnhof zu sehen, eine Überforderung für mich war.
Aber zwei sind mir aufgefallen. Ein älterer Herr mit Bart und Wollmütze, ganz graumeliert und ein netter Italiener mittleren Alters, mit einer grasgrünen Mütze.
Beide halten sich abseits von den anderen, jedenfalls habe ich sie noch nie mit den Anderen trinken sehen. Auch in der musikalisch beschallten Abteilung des Hauptbahnhofs, Richtung Katharinenhospital, wo einer der beiden öfters übernachtet, ist sein Schlafsack ein ganzes Stück weg von den der Anderen.
Bei beiden hat die Sache mit den Muffins angefangen. Da hatt ich mal Mut und war rechtzeitig unterwegs. Jetzt grüßen wir uns, wenn wir uns sehen. Dem Älteren habe ich hier und da einen Kaffee ausgegeben. Ich glaube er ist schüchtern. Bis ich ihn nach seinem Namen fragen kann, brauchen wir noch ein paar Kaffee.
Der mit der grünen Mütze ist kommunikativer. Wir winken uns schon eine Weile zu. Neulich nach der Nachtwache haben wir zusammen einen Kaffee getrunken und uns unterhalten, bis meine Bahn kam. Ein netter Typ.
Neulich war er im Krankenhaus wegen seines Diabetes. Der Sozialerbeiter dort hat ihm gesagt, dass ihm keine Arbeitslosenhilfe zusteht, obwohl er mal zwölf Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Ich konnte nicht alles verstehen, weil sein Deutsch recht gebrochen ist. Ich vermute, dass er nicht verstanden hat, dass ihm Harz 4 zusteht. Das tut es doch? - liebe Sozialarbeiter, die das hier lesen.
Für ihn war unbegreiflich, dass er nichts bekomme soll und die Asylanten eine Dach über dem Kopf haben und auch noch was zu Essen.
Ich konnte die Geschichte nicht bis zum Ende hören, weil ich meine Bahn kriegen wollte, aber beim nächsten Arbeitszyklus nehme ich mir mehr Zeit und dann höre ich auch den Rest der Geschichte.
Vielleicht erfahre ich auch den Namen des älteren Herren und vielleicht sogar, warum er hier in Stuttgart in der Unterführung lebt.

Kommentare:

Sunny hat gesagt…

hey,
kommt drauf an, ob oder was er für einen aufenthaltstitel hat.
vielleicht könntet ihr mal in eine beratungsstelle gehen und das dort klären? oft kennen sich die sozialarbeiter in obdachlosenunterkünften am besten damit aus, wo er leistungen beantragen kann und welche voraussetzungen er dafür erfüllen muss.

viele grüße,
sunny (eine sozialarbeiterin)

Frau Vorgarten hat gesagt…

Liebe Mesii, das hast du gut gemacht.
Neben der Tatsache, dass ich nicht mit der Bahn zur Arbeit fahre, hätte ich den Mumm gar nicht gehabt. Du bist also mindestens zwei Schritte weiter als ich.

Sunny treibt sich auch hier rum, wie hübsch!

Frau Vorgarten hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.