03 Februar 2016

Erwachsen??

 Woran merkt man, dass man erwachsen ist?
An den Haaren, die ab der Pubertät an irgendwelchen Stellen wachsen? An der Anzahl verbrauchter Rasierer und Pinzetten?
An der Beendigung der Schulzeit oder absolvierter Berufsausbildungen? Daran dass man mit anderen Menschen intim wird - manchmal nur körperlich?
Ist man erwachsen wenn man ein Haus, einen Baum und ein Kind hat?

Als man mir dann das erste Mal sagte, ich sein nun erwachsen, war es mir nicht Recht. Ich hatte zwar auf die Freiheiten Bock, nicht aber auf die Verantwortung. Ich wollte alles tun aber für eventuelle negative Konsequenzen nicht geradestehen. Das wäre mein ideales Erwachsensein gewesen. Alles tun und nichts bereuen müssen.

Mit Ende siebzehn ,dachte ich, dass ich mit achtzehn erwachsen bin. Für mich war klar, dass man mit achtzehn nicht mehr unglücklich ist, jedenfalls nicht so sehr, dass man weinen muss. Ein paar Wochen nach meinem achtzehnten Geburtstag wusste ich es besser, ich war unglücklich und ich weinte. Das Fernbleiben von unglücklich sein und Trauer war also kein Prädikat fürs Erwachsen sein.

Vielleicht war man erwachsen wenn man immer sehr schlaue Sachen sagte und mit den richtig coolen Leuten rumhängen würde.
Das war schwierig zu vereinbaren. Entweder man war mit den coolen Leuten zusammen oder man sagte schlaue Sachen, denn die coolen waren nicht unbedingt die Schlauen und vor allem nicht die Tiefgründigsten.
Erwachsen sein, war gleichbedeutend damit coole Sachen zu machen, die irre erwachsen waren. Man betrank sich, kopulierte miteinander und hörte die richtige Musik und trug die richtigen Klamotten was je nach cooler Gruppe sehr unterschiedlich sein konnte.
Wenn man vom Gruppenboss niedergemacht wurde, war das ein gesellschaftliches aus. Mir wurde einmal angekündigt, dass ich in einer bestimmten Hose nicht gegrüßt werden würde, weil „die gar nicht geht“. Da glaubte ich erwachsen zu sein und dann war es doch wie damals mit sechs Jahren als Mama sagte, dass ich in dem abgeranzten Lieblingskleidchen nicht auf Omas Geburtstag gehen darf.
Da hat man die ganze Pubertät damit verbracht sich gegen die Eltern aufzulehnen, sich mit ihnen zu versöhnen und sich dann endlich abzugrenzen, damit man eigene Entscheidungen trifft und eigene Fehler macht, nur um fest zu stellen dass man neue Instanzen in sein Leben geholt hat. Die coolen Kids.
Vielleicht war erwachsen sein nur eine Frage des Alters
und sonst änderte sich nicht viel.
 
Laut Wikipedia ist man erwachsen, wenn man jene notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse erworben hat, die jemanden befähigen, die für sein Leben und Fortkommen notwendigen Entscheidungen selbständig und eigenverantwortlich zu treffen.

Wenn das stimmt, wimmelt unser Planet von Kindern in zu alter Haut.
Denn wer entscheidet denn immer erwachsen, nach obiger Definition? Und wo kommt da bitte vor, dass der Mensch mit seinen Entscheidungen glücklich ist? Wie oft entscheiden wir weil es immer noch die coolen Kids gibt, die sagen, „dass die Hose gar nicht geht“, oder der Job oder der Partner?
Die coolen Kids sind schon lange nicht mehr in unserem Leben aber in unseren Köpfen.

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