21 September 2016

Midlifcrisis

 Der letzte Blogpost ist über fünf Monate her.
Für die, die es interessier eine Erklärung für das lange Schweigen.
Der unten stehende letzte Post ist eine davon. Mir spukt so viel durch die Birne und meine Feigheit hält mich ab es zu posten oder die Tatsache, dass ich eventuell auch über Menschen schreiben würde, die nicht im Netz erwähnt werden wollen.
Ausserdem ist da der Sommer gewesen, der erst nicht kommen wollte und dann so schön war, dass man lieber lange Nächte auf dem Balkon verbringt, als die Tage vor einer Tastatur.
Und zu allem Überfluss ist da noch meine Midlifecrisis.

Eine Midlifecrisis  braucht viel Zeit und Pflege.  Wie ein Kind wird sie rebellisch wenn ich mich nicht kümmere und dann macht sie dumme Sachen.  Wie ich bereits andernorts erwähnt habe: Midlifecrisis ist wie Pubertät aber diesmal mache ich das mit Würde. Ich tanze diesmal nicht zu Rage against the Machine und denke ein Song für Kriegsdienstverweigerer ist ein Song der zum ungehorsam gegen Eltern und Gesellschaft aufruft. Diesmal reflektierie ich, wäge ab und reife in Ruhe weiter, wie son Käse.

Die Literatur und das Internet habe keinerlei Idee, was man mit einer Frau in Midlifecrisis machen kann. Jedenfalls biete meine Schnellrecherche nur arme Frauen an die leiden, weil ihre Männer sich nach jüngeren Modellen umsehen und Porsche fahren wollen, weil sie eben (verzeihlich) in der Midlifecrisis sind. Demi Moore wird kurz als weibliches Pendant erwähnt, aber das von ihr gewählte jüngeres Modell hat sie mittlerweile abserviert, also ist sie kein gutes Beispiel,  von Würde und Co mal abgesehen.
In der Lebensmitte zieht man Bilanz und richtet sic heventuell neu aus.
Ich will kein schnelles Auto und Typen um die Zwanzig, wecken meine Muttergefühle und nicht meine Libido. Ich weine nicht meinen unbenutzten Eizellen nach, weil das Trippel-Trappel kleiner Füße eventuell doch mein Lebensglück geworden wäre.
Ich muss auch nicht drei Monate ins Outback oder zum Chirurgen und mir neue Brüste anschrauben lassen um mich zu finden oder neu zu erfinden.

Mich nerven nicht die Dinge die ich nicht mehr kann, wie zum Beispiel eine Brücke zu machen oder vor meinem vierzigsten Geburtstag einen Marathon zu laufen.

Mich nerven die gesellschaftliche Grenzen. Die kleinen unausgesprochenen Verbote und Gebote, wie eine Frau in meinen Alter zu sein hat.
Ich muss Kinder haben oder sie wenigstens mal sehr gewollt haben. Man beäugt mich skeptisch, wenn ich sage, dass mein Kinderwunsch nie groß genug war um sie zu zeugen.
Ich darf nicht mehr in Clubs gehen, ausser es ist eine Ü30 Party. In meinem Alter geht man ins Theater oder ins Kino, man geht mit Freunden essen und macht Essenseinladungen, aber man tanzt nicht mehr bis die Wolken lila werden oder veranstaltet selber große Partys.
Ich werde scheel angeschaut weil ich Red Dead Redemption spiele. In meinem Alter spielt man nicht Xbox oder Playstation, vielleicht noch wenn man ein Mann in meinem Alter ist aber dann auch nur was mit Fußball oder Autorennen.
Außerdem ist man nicht albern oder ausgelassen. In meinem Alter ist man langsam ruhig und gesetzt und man macht keine blöden Sprüche.

Und oben auf diese Unausgesprochenheiten kommt mein Kopf, mit meinen eigenen Zweifeln und der Liste der NoGos, Dont´s und Must Haves.
Ich müsste mir mindestens einmal im Jahr einen fetten Urlaub leisten Robinson Club, allinclusive Aiada oder Skifahren. Wellnesurlaube zu zweit wären auch noch ok. Stattdessen radeln wir auf Cruiserbikes die Donau lang und lernen in finanziell fetten Jahren Surfen in einem Surfcamp.

Ich müsste belesener sein, intellektueller und stattdessen lese ich Sebastian 23, Harry Potter – den immerhin auf Englisch – und Frauenromane mit viel Liebe und noch mehr Vögelei.
Ich müsste sportlich durchhalten und nicht alles anfangen und nach einem halben Jahr wieder aufhören, wie ein Pubertier.
Und meine Klamotten, die gehen eigentlich auch nicht. Doc Martens und Dickies statt Pumps und highwaist Jeans (die, die den Bauch so schön wegquetschen) .
Vermutlich müsste ich in meinem Freundeskreis auch mehr Menschen in meinem Alter haben. Stattdessen hänge ich, bis auf wenige Ausnahmen,  mit den Dreißigern rum.

Ich brauche Vorbilder.  Leute die schon in der Midlifecrisis waren und das Ding mit Würde gerockt haben. Vielleicht ist gerockt  der falsche Begriff. Über vierzig rockt man nichts mehr. Man bewältigt oder stemmt Dinge. Meine Eltern habe ihre Midlifecrisis ausgesessen und sich mit Arbeit abgelenkt. Aber ich fühle mich nicht so alt, wie meine Eltern in meinem Alter waren und kann sie nicht zum Vorbild nehmen.
Neulich habe ich ein graues Haar entdeckt – das Erste. Ich habe es ausgerissen, um es zu mir besser anschauen zu können. Es war dicker als seine brauen Kollegen und kürzer, wahrscheinlich weil es neu war. Wahrscheinlich wird es zurückkommen und Freunde mitbringen. Dann kommt viellecht auch  Vernunft und Besonnenheit in mein Leben- die alten Spielverderber. Und bis dahin höre ich rebellisch
und pfeiff auf die Gesellschaft und die Grenzen in meinem Kopf und sprenge dieselben 

Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

ums auf deutsch zu sagen: made my day!
vielen dank für den Link zu Sebastian23, den kannte ich noch gar nicht.

Aber wie können Zwanzigjährige deinen Mutterinstinkt wecken (anstelle der Libido), hast du denn überhaupt einen?

Zum Glück ist das alles bei mir ganz anders. Echtjetz.


Und schön, dass du noch schreibst.

die Vorgärtnerin hat gesagt…

ach ja, willst du einen "Vorgänger" in Sachen Midlifecrisis?
Ich empfehle deinen Lieblingsmartin.

Gnihihihihihiiiihhhiii