24 September 2017

wi(e)der die Vernunft


Zu Beginn des Jahres wollte ich weiterhin wöchentlich schreiben. Aber dann kamen all die Dinge, die man eben machen muss, wenn man erwachsen und vernünftig ist dazwischen. Hobbies und Spaß wurden auf später verschoben.

Die letzten Monate waren neben der Arbeit gesteuert von den Dingen, die ich tun muss damit ich an irgendein Ziel in der Ferne komme. Überlegen was ich studieren werde, einen Kontakstudiengang und Brückenkurse belegen, damit ich ins Studium reinkomme, während des Urlaubs eine Hausarbeit schreiben und dazwischen zur Mutter fahren oder ein schlechtes Gewissen haben, weil ich eben nicht zur Mutter gefahren bin.
Die Dinge die man tun muss, sind alle wichtig und richtig und total vernünftig – eben erwachsenen Dinge.
Ich dachte am Ende des Sommers wird es besser, dann muss ich nur noch für die erste Prüfung lernen, die Bewerbung fürs Stipendium ist so oder so rum und ab Oktober habe ich eine reduzierte Stelle. Dann wird es entspannt.
Es hätte entspannt werden können, wenn meine Mutter nicht wie ein Stuntgirl von der eigenen Couch gestolpert wäre und sich gleich zwei Knochen gebrochen hätte – Schienbein und Wadenbein, ein offener Bruch und auch noch kompliziert. Drei Operationen bis die Knochen wider an der Stelle waren wo sie ursprünglich hingehören und drei weitere um das Bein mit Haut abzudecken. Dazu kommt ein kaputtes Herz, eine angeschlagene Lunge – ich zitiere: „Aber das Rauchen bekommt mit gut“ und Nieren die viel medikamentöse Ermutigung brauchen.
Ich lebe 450 Km weit weg, bin das einzige Kind und die Frau Mutter, auch Queen Mum genannt, hat keinen Freundeskreis der nennenswert wäre, weil niemand sie – ich zitiere wieder: „Alt und hässlich und als immobilen Krüppel“ sehen darf.
Also mache ich mir Sorgen und habe ein schlechtes Gewissen. Ich spiele brav meinen Part in dem: Du-kümmerst-Dich-nicht-genug-aber-ich-will-dir-auf-keinen-Fall-zur-Last-Fallen-du-bist-mit-Absicht-weggezogen-du-musst-aber-auch-mal-einen-freien-Tag-haben Achterbahnspektakel, dass sie iniziert. Ich stelle mich auf eine Heilungslangstrecke von mindestens drei Monaten ein.
Wenn man immer vernünftig ist, fällt man irgendwann um oder man eskaliert und kauft sich einen Porsche, den man sich nicht leisten kann, zündet das Haus seines Exchefs an oder nimmt einfach zu. Zunehmen ist mein Indikator für zu wenig Zeit für mich nutzen – ich finde Porsche doof und so viel dumme Chefs zum Hausanzünden habe ich nicht. Zehn Kilo. 10!!
Ich habe fast nur noch Stehhosen, weil darin sitzen nicht möglich ist – trotz Stretch!
Vor zwei Tagen bin ich mal wieder gelaufen. Das letzte Mal ist fast zwei Monate her und mich hingesetzt und einen ganzen Tag lang gelesen habe ich zuletzt im März.

Also muss ich die Bremse ziehen und mir Gutes tun. Dieser Blog ist etwas Gutes für mich. Er sortiert mich und wenn ich den vernünftigen Part in mir mal weglasse, kann ich sogar schreiben, was mich bewegt.
Ab jetzt soll wieder geblogt werden und zwar regelmäßig und gesportelt und auch gelesen, sonst werde ich noch wie meine Elterngeneration: viel Arbeit, wenig Spaß und multimorbide in die Rente.

Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Stehhosen! :D
Sehr schön anschaulich geschrieben, auch was QM betrifft.
Ich wünsche gute Besserung -- euch beiden.

Martin.D[x]D.nitraM hat gesagt…

I miss you blogpost viel!