05 Dezember 2017

Wann


Mein Leben kommt mir vor wie ein einziges dickes, fettes, großes Wann! Und Wann ist nie jetzt.

Als Kind habe ich gefragt: Wann ist Weihnachten? Wann ist Ostern? Wann habe ich Geburtstag? Wann komme ich in die Schule? Und vor allem wann sind wir endlich da?
Damals gab es Erwachsene die mir die Unruhe nahmen und meine Ungeduld mit anderen Ereignissen ablenkten. „Bis Weihnahten ist es noch ganz lange hin, vorher gehst du noch ganz oft ins Schwimmbad und sammelst Kastanien.“
„Bis wir da sind, kannst du noch zwei Kassetten drei ??? hören.“
Zwischen den Ereignissen, die kommen sollten und die immer schön waren, gab es kleine Bonbons, die das Warten versüßten. Wie ein Adventskalender voller kleiner Ereignisse.

Jetzt bin ich Erwachsen und bin genauso ungeduldig und zappelig wie damals aber da ist kein Erwachsener, der mich mit schönen Dingen entschleunigt. Die Ereignisse sind meist nicht schön, im Vergleich zum kindlichen Weihnachterwarten loosen Prüfungen ziemlich ab. Die Erachsenen Wanns sind selten Wanns voller Freude und Lachen. Erwachsene Wanns sind immer mit Anstrengung und Arbeit verbunden.

Das vertrösten mit den Warteereignissen muss ich jetzt selber tun und ich bin nicht gut darin.
 Besonders schlimm war es diesen Spätsommer und Herbst, weil es so viele Wanns in meinem Leben gab.

  • Wann ist das Vorstellungsgespräch für mein Stipendium?
  • Wann ist die Äquivalenzprüfung für mein Studium?
  • Wann kommt der Bescheid wegen des Stipendiums?
  • Wann kommen die Prüfungsergebnisse der Äquivalenzprüfung?

Die Antwort schien immer „in sechs Wochen zu sein“. In sechs Wochen und bis dahin Warten, Lernen und wieder warten. Keine Kastanien und keine drei ??? Kassetten.
Mein erwachsenes Warten ist mein Synonym für mich verrückt machen.

Ich bin das Vorstellungsgespräch bis ins Detail durchgegangen habe jede meiner Antworten und Fragen rumgedreht und gewälzt. Jeder Gesichtsausdruck der Juroren wurde von mir analysiert. Ich ging so weit, dass ich sie gegoogelt habe. Ich wusste das würde mein Ergebnis nicht ändern, aber es half gegen die Hilflosigkeit, dachte ich. In der Zeit hätte ich auch in die Sauna gehen, feiern oder in Kino gehen können.
Ich habe Stunden damit verbracht mir zu überlegen, was sich tue, wenn ich eine Absage kriege oder die Prüfung nicht bestehe. Rettungsfallschirme der Reaktionspalette habe ich sie genannt. Damit ich nicht in Verzweiflung versinken würde, wenn ich negative Nachrichten erhielt.
Die Nachrichten waren alle Gut! Die Frau mit dem grottigen NRW-Abi hat ein Stipendium!!! Und sie hat die Prüfung bestanden.
Das gröbste Gewarte war gefühlt vorbei und fing schon wieder an. Vorbereitung für die erste Studienwoche, Nachbereitung derselben und Vorbereitung der darauffolgenden und so weiter.

Wenn ich mich hier auf die Wanns konzentrieren und die damit verbundene ToDo-Listen, ist das die Gebrauchsanweisung zum Durchdrehen. Ich brauche drei ??? Kassetten und Kastaniensammeln in meinem erwachsenen Warten. Adventskaenderereignisse die prominenter im Kopf sind als Klausuren und Prüfungen. Nicht Wann ist ist die nächste Prüfung, sondern wann ist der nächste Kinoabend, wann ist die nächste Party, das Sushiessen und das Playstationdaddeln. und dazwischen kommen dann eben die erwachsenen Wanns. Ich brauche mehr kindliche Wanns denn für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.
Und wer hat behauptet, dass die Kindheit wirklich vorbei sein muss?

1 Kommentar:

Melanie Talhaus hat gesagt…

Wenn du dich unentspannt fühlst, dann kann ich nur einen Gang in die Sauna empfehlen. Im Wellnesshotel Südtirol bin ich mehrmals in die Sauna gegangen und meine Haut hat es mir gedankt.