29 November 2013

Freitagsupdate

Der Wettbewerb nanowrimo ist verloren, aber die Gesichtete hat gewonnen.
Ich kann sagen, dass es diesmal weit besser geworden ist, als im April und ich werde sie auf alle Fälle zu ende schreiben.
Ich weiss jetzt, dass es nicht so schwer ist die Disziplin an den Tag zu legen ein bisschen zu schreiben. Aber die Disziplin zu haben, täglich für mehrere Stunden zu schreiben feht mir.
Schreiben ist ein einsames Geschäft. Wobei das alleine sein nicht so schlimm war und wenn ich mal sass war es ok, aber bis ich sass .......
Warum habe ich nicht zu ede geschrieben?
War es die täglich zu erreichende Wortzahl, die mich aufhielt, oder die Begeisterung, die mich   überkam, wenn ich bereits eine Stunde saß?
Waren es meine Hobbies, meine Arbeit ?

Wie wird es weiter gehen?
Ich werde weiter schreiben und weiterhin versuchen Disziplin zu üben.

Nächsten Freitag gibt es etwas über Figur, Figurbewusstsein und Diätwahn.

20 Oktober 2013

Was geschehen wird und was geschah

Lieber Leser, Liebe Leser_in,

ich hatte mir vorgenommen, jede Woche einen Post in zu hinterlassen.
Ich bin eine Woche im Rückstand, ich weiss.
Allerdings habe ich auch eine gute Erklärung, ich bereite nanowrimo für November vor.
Ein Schreibwettbewerb mit mir selbst.
Ich will einen Roman in einem Monat schreiben.
Beim letzten Mal war das Ganze etwas unstrukturiert. Diesmal mach ich es mit Struktur.
Ich bereite den Inhalt der Kapitel vor und bastel an den Charakteren.
Das nimmt  gerade all meine Zeit in Anspruch und ich komme nicht dazu an einzelnen feinen Artikeln zu arbeiten.
Ab November bin ich täglich unter Tage, um zu schreiben.  Jeden Tag müssen 1667 Wörter geschrieben werden. Ich schwanke zwischen Vorfreude und Horror.


06 Oktober 2013

Entrümpeln

Was sagt eigentlich die Wohnung eins Menschen über ihn aus?
Ich meine nicht den Stil und Farben. Ich meine wie aufgeräumt es ist. Wo ist es unordentlich? Sieht man die Stellen sofort oder sind es die Kellerräume?
 Es gibt Thesen, die besagen, dass der Zustand einer Wohnung etwas über den emotionalen Zustand der Bewohner aussagt. Wie aufgeräumt ist es also in unserem Leben? Gibt es Ballast? Dinge die rumliegen, weil sie noch reparierte werden müssen - irgendwann, wenn wir mal Zeit haben.
Ist das vergleichbar mit den Beziehungen, die wir noch reparieren müssen, oder beenden müssen?

Angeblich kann man leichter leben, wenn man den Ballst los wird - in diesem Fall meine ich den Materiellen Ballst.
Ich versuche seit einigen Jahren mein Leben zu minimieren. Wenn alles besetzt ist kann nichts neues an die Stelle kommen und das Alte belastet oft nur, nimmt Platz weg und steht im Weg, wenn man es nicht wirklich braucht.
Weniger zu besitzen mehr abzugeben als anzuhäufen ist also das Ziel. Es fing mit Büchern an und dem Umzug nach Stuttgart. Wollte ich wirklich all die Bücher mitnehmen und warum? Würde ich sie noch mal lesen? Fände ich die Bücher so gut, dass ich sie auf alle Fälle an andere weiterempfehlen würde?

 Ich liebe Bibliotheken. Sie sind für mich ein Ort mit endlosen Möglichkeiten, vielen Informationen und einer grossen Menge von Abenteuern, die noch erlebt werden müssen.
 Eine alte, private Bibliothek am liebsten mit dunklen Holzregalen und langen Leitern davor, alten Ledersesseln vor einem Kamin und Karaffen mit Flüssigkeiten die hoffentlich Whiskey sind, wäre mein Traum.
 Aber habe ich den Platz dafür? Würde ich dort wirklich den größten Teil meiner Freizeit verbringen, wenn ich eine solche Traumbibliothek hätte? Nein!
Also mistete ich gnadenlos aus, was ich kein zweites mal lesen würde und freute mich auf die Stadtbibliothek in Stuttgart.
 Das Bücherdezimieren, verfolge ich weiterhin. Alles was ich nicht ein zweites mal lese darf gehen.

Ebenso verfahre ich mit Kleidung. Ein Kleid, dass mal passte und eines Tages bestimmt wieder passen wird kommt weg. Es passt mir jetzt nicht und jetzt brauche ich Kleidung die passt und nicht Kleidung die mal passen könnte. Prophetische Kleidung hält im Winter nicht warm.
 Geschirr? Ich schmeisse alles raus, was ich nicht jeden Tag benutze. Was bringt mir das gute Geschirr? Wann bin ich Tollpatsch gut genug um das gute Geschirr zu benutzen? Entweder es ist jeden Tag gut oder es geht.
Die einzige Ausnahme bildet ein kompletter Schrank mit Vasen. Wenn man Blumen kauft hat man meist nicht die passende Vase und eine Ansammlung von fast passenden Vasen finde ich da hilfreich.

Ebenso geht es uns mit Umtöpfen. Man weiss ja nie wie gross die Palme noch wird.

 Wir sind in die aktuelle Wohnung umgezogen und mussten uns von zwei Kellerräumen und einer Garage auf einen sehr kleinen Kellerraum umstellen.
Das dritte Zimmer ist nach zweieinhalb Jahren immer noch eine Art Aussenlager mit Wohnoption.
 Was kann weg?
Was brauche wir wirklich nie mehr?
Was muss halt weg weil wir keinen Platz haben?
Beim Sichten fällt auf, was wir überhaupt nicht vermisst haben, jetzt aber auf alle Fälle doch noch behalten wollen.
Wenn ich vor dem Berg stehe und sehe, was alles zu tun ist, möchte ich am liebsten die Türe schliessen und sofort auswandern.
 Aber man muss die Dinge einzeln betrachten.
 Jeden Tag ein bisschen. Wenn ich nur jeden Tag ein Teil in die Hand nehme und an seinen Platz bringe - das ist in den meisten Fällen der Müll - bin ich in zwei Jahren fertig.

 Was machen mit den alten Fotos, Briefen oder Flyern? Brauche ich die Sachen um mich zu erinnern und wie oft will ich meinen Kopf und mein Herz in die Vergangenheit stecken?
 Ob es nun verpasste Gelegenheiten oder liebe Erinnerungen sind, Freundschaften die waren und die nicht mehr sind oder sogar großartige Zeugen unglaublicher Erfolge, es war einmal.
Wenn ich mich nicht von selbst an die Menschen und Situationen erinnern kann, muss ich auch keine Erinnerunghilfen haben, die das tun.
Ich werde die Sachen einmal anschauen, dann werde ich mich freuen oder weinen, vielleicht auch erschrecken und dann kommen sie weg.
Mal schauen,ob dann wirklich was neues kommt und was es sein wird.

28 September 2013

Verlaufen und ausser Atem im Netz



Es ist Freitag und ich will den morgigen Post vorbereiten. Ein Bericht von der Donautour. Ich setzte mich an den Schreibtisch und will loslegen. Nur noch schnell ein Hörbuch auf youtube anmachen, damit ich Hintergrundberieselung habe.
Während ich in der Suchzeile „Hörbuch“ eingebe stolpere ich über die Ärzte. Angeklickt und angeschaut I. Das bringt mich zu der Frage wie Bela B mit Familiennamen heißen mag?
Also auf zu Wikipedia, liegt ja um die Ecke.

So jetzt muss ich mich aber konzentrieren. Während sich das Schreibprogramm öffnet, könnte ich den Internetbrowser schliessen. Erstmal müssen die Tabs und Fenster geschlossen werden und dann fällt mir noch ein, dass ich für die Arbeit im Internet schauen wollte, wie „ Weihnachten im Schuhkarton“ funktioniert?

Das gebe ich noch ein, aber dann schreibe ich.

Jetzt noch ein kurzer Abstecher zu Facebook, zwölf Leute freuen sich, dass ich aus dem Urlaub zurück bin und nur gute Nachrichten habe.... Was sie wohl unter guten Nachrichten verstehen?
Vielleicht denken sie, dass ich im Lotto gewonnen habe... Dabei sind meine guten Nachrichten, das Fernbleiben der Schlechten.

Irgendwie lande ich dann bei google, statt endlich zu schreiben. Aber ich will auf jeden Fall zu Campus Galli auf die Webseite, das will ich bei meinem Post über unseren Urlaub verlinken. Wie schön, die haben die Fersehberichte über sich auch verlinkt, die funktionieren teilweise nicht. Also zu Youtube und dort die Berichte anschauen.
Bei youtube verlaufe ich mich weiter und stoße auf Amy Cuddy - Powerposing.

Zurück zu Facebook. Einer der Großen verlinkt was über die Linken, schnell den Artikel lesen. 
Ja finde ich auch. Mindestlohn ist wichtig und ich halte die Argumentation, dass er Arbeitsplätze gefährdet für polemischen Müll.

Die Seite noch mal rauf und runter scrollen und ja ich kenne alle Posts.
Was jetzt?
Emails checken.
Eine Petition für Mindestlohn, wie praktisch, eben habe ich noch was darüber gelesen. Was war das noch? ach ja von den Linken hatte wer, was verlinkt. Und noch eine Petition zum Bewusstmachen des Klimawandels und unsere Verantwortung (ist die Pflanze auf der Seite nun ein Bambus oder eine Hanfpflanze?) unterzeichnen. Was tue ich eigentlich dagegen?

Zurück zu Facebook.
Einen Link vom Postillion verfolgen der sagt dass die Preise für Koks und Nutten gestiegen sind und das das gut für die Wirtschaft ist.
Leserbrief dazu von einer Emanze gelesen..... Finde ich das auch Frauenfeindlich und Prostituiertenfeindlich und überhaupt politisch unkorrekte?
Facebook schließen.
Jetzt aber mal weg aus dem Internet, was anderes machen und dann schreibe ich wirklich den Post.

Ich wasche Wäsche und gehe an den Computer zurück.
Facebook öffnen. Jemand will, dass ich eine Petition unterzeichne, die sich gegen Prostitution ausspricht. 
Klar bin ich gegen Menschenhandel und natürlich glaube ich den Berichten, dass beim Geschäft mit dem bezahlten Sex jede Menge Frauen unter Zwang arbeiten. Aber was ist mit denen, die das nicht unter Zwang machen?
Ich weiß zu wenig darüber. Ich würde gerne eine klare Position beziehen. Ich muss ein paar Leute fragen, die sich auskennen.

Das Thema ist anstrengend und Gedanken machen kann ich mir nur, wenn ich mit den Freundinnen gesprochen habe die sich da auskennen. Schnell weiter scrollen und sich über ein paar doofe Bilder bei Funsted freuen. 

Ich sollte was essen.
Während des Essens checke ich noch mal meine e-Mails und freue mich über den Dienstplan.

Vielleicht sollte ich ein Nickerchen machen. Ich nehme das iPad mit in die Horizontale und will bei YouTube ein Hörbuch zum einschlafen suchen.

Ursprünglich wollte ich heute schreiben und laufen gehen. Aus letzterem wird nichts. Ich bin schon aus der Puste, durch mein Konsumtempo im Internet. Bloggen fällt heute flach. Ich muss mich vom Internet erholen.


21 September 2013

Normal????


"Das tut man nicht", hat die Mutti gesagt und "Es ist unhöflich", fand der Papa.
Umgangsformen und Gesellschaftsnormen, sind sie so individuell, wie die Gesellschaft und ist unsere Gesellschaft wirklich individuell?

Sind ab einer gewissen Position  Überstunden ein Muss?
Muss der Gürtel die gleiche Farbe haben wie Handtasche und Schuhe?
Wo sitzt der Ehrengast bei Tisch, wenn der Tisch rund ist?
Stellt man die Großmutter dem Chef vor oder den Chef der Großmutter?
Fragen im Buisinessknigge.

Wann ist das kleine Schwarze angesagt? Darf man auf einer Hochzeit weiß tragen, wenn man nicht die Braut ist?
Sagt man noch "Gesundheit"?
Fragen aus dem Alltagsknigge.

Vielleicht stellt man sich die oben genannten Fragen nie, weil sie nie nötig sind. Wir lassen uns schließlich nicht vorschreiben, wie wir uns zu verhalten haben.
Oder vielleicht doch?

Ab wann hat man Übergewicht? Geht man nach dem BMI oder nach dem Wohlfühlgewicht? Was sagt die Bunte, die Gala und die Cosmopolitan?
Ich habe da zwei Gewichte. Erstens das ich-bin-satt-Gewicht und zweitens das ich-entspreche-dem-Schönheitsideal-Gewicht.

Muss ich im Urlaub meine Firmenmails checken, weil mein Chef das im Urlaub tut?
P.S. Gibt es Smartphones, die bis 70 Meter wasserdicht sind?

Muss ich auf ein bisschen Haue im Bett stehen, weil Shades of grey ein Bestseller ist?

Ab welcher Lachfaltenmenge ist es obligat zu einer Botoxparty zu gehen?
Wie tief dürfen meine Brüste sinken oder müssen sie ab einem bestimmten Alter chiriurgisch befördert werden?

Der Mensch, der mir erzählt, er stelle sich nie die Frage, was normal ist oder was man eben tun muss oder was andere erwarten, ist entweder Autist oder Eremit.
Der Mensch, der sich ständig fragt, was normal ist oder was man tun muss oder was andere erwarten ist entweder ein Wendehals oder ein Soziopath.

Wie findet man durch den Dschungel des Miteinanders ohne sich selbst unterwegs zu verlieren?

Gibt es eine Normform fürs unterschiedlich sein?


Ich bin auf individuelle Antworten gespannt.

13 September 2013

Gedanken über Leben, Sterben und Tod


Wenn Du Dir aussuchen könntest wie du stirbst, was würdest Du wählen?
a) einen schnellen, plötzlichen Tod. Beispielsweise eines Tages nicht mehr aufzuwachen oder plötzlich umzufallen und nie mehr aufzustehen.
b) eine längere Krankheit mit absehbarem tödlichen Ende.

Diese Umfrage hat es wohl gegeben.
Wie würdest Du entscheiden? Überlege in Ruhe und lies noch nicht weiter.

Was glaubst Du haben die Meisten Leute geantwortet?

Die Antwort war b.
Zuerst, war ich überrascht, dann fand ich es plausibel.
Natürlich die Leute haben ihre Sache nicht geregelt. Sie müssen ihre finanziellen Angelegenheiten regeln, noch ein paar Spenden an diverse Kirchen und soziale Einrichtungen machen, nach zwanzig Jahren mit dem verhassten Nachbarn Frieden schließen und andere moderne Bußrituale und Ablassbrieftaugliche Handlungen tätigen.

Habe ich denn meine Sachen geregelt? Könnte und wollte ich plötzlich sterben?
Nach meinem Glauben könnte ich, denn mehr als einen Jesus im Herzen, braucht es nicht um vor Hölle und Nirvana sicher zu sein. Der gute altmodische Tod am Kreuz für mich und dich.
Aber habe ich alles geregelt? Habe ich jeden um Vergebung gebeten, alle Finanzen geregelt und alles schon getan, was ich tun wollte?

Die lieben Leser dieses Blogs werden sich fragen, was in mich gefahren ist. "Sie ist doch erst vierzig."
"Sie ist doch erst bei der Halbzeit angelangt, wenn man bedenkt, dass die Meisten Menschen achtzig werden."

Warum also dieser schwere und religiös anmutende Post?
Der Tod kommt näher. Patienten auf der Intensivstation sind hin und wieder in meinem Alter. Eine Mitschülerin aus Abiturtagen ist vor zwei Jahren gestorben.
Der Tod hält sich nicht an Altersbeschränkungen. Er nimmt keine Rücksicht weil wir noch etwas zu erledigen hätten oder Menschen von uns abhängig sind.
Er taucht einfach auf und dann ist man nicht mehr da.

Ich denke, dass es gut ist sich Gedanken über die eigene Vergänglichkeit und den damit verbundene Tod zu machen.
In unserer Gesellschaft tut man viel zu sehr, als gäbe es den Tod nicht. Er wird behandelt wie ein lästiger Verwandter. Wenn er denn unbedingt zu Besuch kommen muss, soll er sich gefälligst benehmen und zügig mit seiner Beute von uns gehen. Gestorben wird in Altenheimen, Krankenhäusern und Hospizen. Das gehört nicht in die eigenen vier Wände.

Dabei ist es eine Tatsache, dass der Alterungsprozess mit der Geburt beginnt. Um die Bandits zu zitieren "Der Tod dauert das ganz Leben und endet, wenn er eintritt."
Es gibt keine Garantie die Achtzig zu erreichen oder die neunzig.
Als ich zwanzig war, dachte ich, dass man mit sechzig alt ist und alles hinter sich hat, nichts mehr erleben muss. Jetzt mit vierzig sehe ich das relativ.
Ich habe noch viel vor und ich weiss nicht, ob die nächsten zwanzig Jahre ausreichen.

So wie man sich Gedanken darüber macht, wie man leben möchte, sollte man sich sicher sein, wie man sterben möchte. Was bezeichnet man noch als Lebensqualität? Das sieht mit Vierzig anders aus, als mit Achtzig.

Was will ich? Will ich lange und ausgiebig auf einer Intensivstation liegen und viele Schläuche aus mir rauswachsen sehen?  Wie lange wollte ich das ertragen und wie lange wollte ich dieses Bild meinen Angehörigen und Freunden zumuten?
Aber vielleicht bräuchten sie diesen Anblick auch, um dann sagen zu können: "es ist besser so, jetzt leidet sie nicht mehr." Wobei ich hoffe, dass die guten Schmerzmittel das Körperliche Leiden abfedern.
Deshalb denke ich dass es wichtig ist eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmachten und all den Kram zu haben.
Habe ich eine? Nein noch nicht, ich nehme es mir aber regelmäßig vor und dieses Jahr will ich es tun, noch bevor der erste Sylvesterböller in der Luft ist.


Was tut man also, wenn man die statistisch begehrtere Todesart hat, die langsame?
 Ich kannte jemanden, der lange auf einer Intensivstation gearbeitet hatte, als er erfuhr, dass er Lungenkrebs hat. Ein paar Monate davor haben wir noch darüber gesprochen, was wir tun würden, wenn es uns träfe, das langsame Sterben.
Er sagte damals, er würde alle seine Sachen regeln und dann in Würde seinen Tod selbst verursachen.
Er hat handelte völlig anders. Mit jeder Faser kämpfte er gegen den Krebs an und verlor.
Er kümmerte sich um den Krebs und den Tod und vergass dabei das Leben.
Es ist sicherlich gut nach Therapiemöglichkeiten zu suchen und gegen die tödlichen Krankheiten anzukämpfen, man sollte nur merken und akzeptieren, wenn der Kampf verloren ist und die restliche Energie dem Leben zuwenden.

Was würde ich denn machen? Ich habe da mehrere Versionen.
In der guten Version vergebe ich den Arschlöchern in meinem Leben plötzlich, weil ich weiss, dass sie mich nie mehr schlecht behandeln können.
In der bösen Version treffe ich mich mit ihnen, sage, dass ich schwer krank bin, sterben werde und dass sie miese Fuckärsche. Dann stehe ich auf und gehe.
Ausserdem bekommen sie eine du-darfst-nicht-zur-Beerdigung-kommen-Karte zusammen mit der Todesanzeige geschickt.

In der extrem verklärten Version sehe ich meinem  Schicksal mutig ins Gesicht - dabei trage ich ein langes weisses Kleid, habe wallende schwarze Locken und stehe auf einem Hügel in den Highlands. Natürlich regnet es auch und der Wind macht krasse Sachen mit meinem Kleid und den Locken.
In der evil Version, räche ich mich noch schnell an fiesen Fieslingen bis in die dritte Generation - gegen mich würde der Pate aussehen wie Ghandi.

Vermutlich tue ich aber folgendes: Ich würde versuchen noch möglichst vielen Menschen zu sagen, dass ich sie mag und was ich an ihnen schätze. Ich würde mich für die guten Sachen bedanken wollen, das tue ich viel zu wenig.
Vermutlich würde ich viel weniger aufräumen und putzen und mehr Spass haben, mich mit den Menschen umgeben, die ich liebe und alberne gesellschaftliche Verpflichtungen ignorieren.
All das würde ich tun, wenn ich nicht gerade im depressiven Loch sitze, mit meinem Schicksal und Gott hadere und all die anderen Dinge tue, die ein Sterbender eben tut.

Vielleicht muss man in dem Bewusstsein, dass jeder Tag der letzte sein könnte, leben.
Das Leben leben und sich nicht vom Leben leben lassen, wäre eine freie Antwort auf das Zitat von John Lennon "Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist anderen Pläne zu machen".
Aber kann man das wirklich?
Wenn ich wüssten das ich noch drei Monate zu leben hätte, würde ich bestimmt nicht nächste Woche zum Zahnarzt gehen oder einen Termin in der Autowerkstatt machen.
Wie also wollen wir sterben und wie wollen wir leben? Eine Antwort darauf könnte die Frage bringen, was auf dem eigenen Grabstein stehen soll?
Hier liegt Mesii - Sie konnte klasse putzen
Von uns gegangen ist Marie - Arbeit war ihr Leben
Peter - Für ein Bier ging er meilenweit
Michi - der Beste Taubenzüchter von Eckernförde

Wie wollen wir also leben und wie wollen wir sterben.

07 September 2013

ein Wutausbruch über die FDP


Eigentlich sollte hier ein Post über die FDP stehen und wie doof die sind. Weil eigentlich jeder weiß,  wie doof die sind wollte ich es lassen.

Der heutige Post sollte über Träume sein. Die unverwirklichten Träume, die im Keller wohnen und nicht raus dürfen. Es sollte ein Ermutigungsruf kommen, diese Träume anzuschauen und trotz des Alltags, der Kinder, der Verantwortung und allem anderen, diese Träume zu verwirklichen.

Ich wusste nicht wie ich es sagen soll.

Jetzt muss der liebe Leser doch meine politischen Halbwissensergüsse ertragen.
Viel Spass.

Die FDP steht für Leistung. Leistung, die sich eben bezahlt machen soll und nicht durch überhöhte Steuern zu bestrafen ist.
Die FDP steht für Bildung, Studium und Ausbildung auch gerne auf dem zweiten Bildungsweg, wie Herr Brüderle auf einem Parteitag einräumte.
Die FDP steht für ein Wirtschaftsstarkes Deutschland, von dem jeder profitieren wird.

Sie geben zu, dass man schon was leisten muss, was schaffen muss um bei ihrem System dabei zu sein.
Deshalb hören ihre Wahlversprechen auch beim Mittelstand, dem kleinen Meisterbetrieb auf. Denn alle darunter Verdienenden passen nicht in das Erfolgskonzept der FDP.
Denn die oben werden nur reich, wenn die unten weniger verdienen.

Natürlich soll Leistung bezahlt werden.
Und natürlich wäre es schön, wenn man mehr Geld bekäme, weil man sich anstrengt oder herausragende Leistungen erbringt. Auch für Fabrikarbeiter, Krankenschwestern, Schlosser und Erzieherinnen. Nur wie will man das bei den sozialen bemessen? Immerhin erhalten diese Gehaltsgruppen genug um wirklich leben zu können, große Sprünge sind nicht möglich aber man kommt vorwärts.
Was ist aber mit denen, die nichts leisten können? Ich lass hier mal die chronisch Kranken und  von Krebs heimgesuchten aus.
Lasst uns über die psychisch Kranken und Menschen mit Behinderungen reden. Haben die nichts verdient, weil sie nicht geleistet haben?
Diese Menschen müssten eigentlich, wenn man den Gedanken bis zum Ende denkt, sozialverträglich früh ableben oder auch garnicht zur Welt kommen.
Denn diese Menschen verursachen Kosten. Immense Kosten.
Kosten die unser Gesundheitswesen weder heute, noch langfristig in der aktuellen Form auffangen kann. Obwohl die FDP das Gegenteil behauptet.

Löhne müssen an den Markt angepasst werden, sagt die FDP. Wenn aber Deutschland wächst und wirtschaftstark ist und alles stimmt, was die Mutti Merkel sagt, dann frage ich mich warum die Löhne der kleinen Leute nicht Teil des Witschaftswunder-Erzeugungs-Wahlkampfes der FDP sind.
Vielleicht hat ein Großteil der FDP in ihrer Kindheit Animal Farm geschaut " Manche sind gleicher als andere" und sie leben das mit ihrem Parteiprogramm vollen Blüte aus. Denn im Wahlkampf richten sie sich an die gut Situierten und mittelständisch Unternehmenden und nicht an den Großteil der Bevölkerung. Für diesen haben sie weder Lösungen auf der sozialen Ebene noch ein freundliches Wort.
Vermutlich wundert sich die FDP auch noch, wenn  weniger als 4 Prozent bei der Wahl für sie Stimmen, aber dieses Ergebnis würde etwa der Menge  deutscher, gesunder, nicht behinderter oder nicht chronisch kranker Millionären entsprechen, die sich von diesem Programm vertreten wissen.

Niemand möchte mehr Steuern zahlen, keiner von uns möchte seine steuergesetzlichen Privilegien aufgeben (Ehegattensplitting) oder falls man Privatpatient ist, mit seinen Kopfschmerzen später durch das CT geschoben als andere. Auch wenn dein Kopfschmerz der Anamnese nach durch Stress kommt, du musst ja schließlich all das Geld verdienen um deine teure Privatversicherung zu bezahlen.Man hat dafür bezahlt und man will nun auch den entsprechenden Service sehen, bitte in seiner ganzen Pracht.

Der Fernseher wimmelt von  Harz vierlern und dummen anderen Harzern die definitiv faul und IQ-arm sind. Da leuchtet es doch ein, dass die jeden Monat eine bestimme Zahl an Bewerbungsversuchen bei der Agentur für Arbeit vorlegen müssen um zu beweisen, dass sie ausser in Talkshows und Talentsendungen aufzutreten, auch noch etwas sinnvolles tun.
Ausserdem reicht das Geld, was die kriegen alle mal, sonst wären die Meisten nicht so fett. Dass Obst und Gemüse so teuer sind, dass man sich mit dem Geld keine gesunde Ernährung leisten kann, wissen wir zumeist nicht. Ausserdem gibt es doch die Tafel.

Kinder mit Behinderung könnten das Klassenniveau senken und so manches Kind schon vor seiner Blüte aus der Karrierebahn werfen. Wenn man selbst ein Kind mit Behinderung hat möchte man es so normal wie möglich auffwachsen lassen und ist sehr wohl für integration und gemeinsamen Unterricht.
Wenn es uns nutzt sind wir sozial wenn es uns uns schadet liberal. Man ist gleich mit allen Menschen aber eben doch ein bisschen gleicher, als die, denen es besser gehen könnte, wenn die eigenen Vorteile dafür beschnitten werden müssten.
In diesem Sinne sind wir nicht sozial sondern egoistisch eventuell auch asozial zu nennen.
Wenn es um das Recht des Stärkeren geht müssen die Schwachen weichen. dann muss der Mensch mit dem IQ von Forest Gump aus dem Fernsehen eben sehen wo er bleibt. Er hat nun mal nicht den Intellekt eine Firma mit vielen Mitarbeitern zu leiten, was sehr verantwortungsvoll ist und eben auch dementsprechend honoriert werden muss.
Forrest muss in die Röhre sehen oder zur Tafel gehen. Da engagiert man sich doch doch hervorragend. Obwohl da auch schmarotzt wird. Neulich stand da ein Mercedes vor und ganz viele Frauen mit Kopftüchern waren drin und da ist ja auch klar wie das läuft.
Die haben schon genug.
Das Familien erfrieren, weil sie die Heizkosten nicht bezahlen können ist weit weg und die sind bestimmt selbst schuld, weil sie ihr Geld in teure Handys und Flachbildschirme investiert haben.
Wenn es nach der Leistung geht, nach dem Potential das jeder von uns hat und das wird leider sehr unterschiedlich ausgeteilt, bekommt jeder was er sich verdient hat. Das gilt leider nicht für die mit dem wenigen Potenzial, denn die reissen sich in dem meisten Fällen die Beine aus um sich über Wasser zu halten und das Wasser reicht ihnen dennoch bis zum Hals.
Man hat festgestellt, dass die Armen unter uns weit mehr spenden, als die Reichen, ist das nicht schrecklich? Und damit ist nicht ein Prozentueller Anteil von Spenden zum Gehalt gemeint, nein es gehr darum ob sie überhaupt spenden.
Ich hoffe das Recht des Stärkeren, wie die FDP es für mich verkörpert wird bei dieser Bundestagswahl abgewählt und die soziale Verantwortung zieht wieder mehr in der Politik ein.

12 August 2013

Facebook, Überwachung und das Leben im Besonderen

 „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“
„Facebook – Eine offene und vernetzte Welt.“


Bei Facebook kann ich sehen wie es meinen „Freunden“ geht, allen und das ist einen Zahl über hundert und unter fünfhundert.
Ich bin natürlich nicht wirklich mit all diesen Leuten befreundet. Manche habe ich seit 1993 nicht gesehen, mit einigen bin ich befreundet weil sie Freunde von Freunden sind, wir uns auf einer Party kennen gelernt haben und uns nach drei Gläsern Wein ganz wunderbar sympathisch fanden.
Manchmal suche ich alte Freundinnen und verflossene Romanzen um mich darüber zu freuen, dass sie sich nicht verändert haben – in dem Fall haben wir uns damals einfach aus den Augen verloren. Bei anderen freue ich mich mehr, wenn ich feststelle dass sie optisch alt, dick, und bei den Männern gerne auch kahl sie geworden sind.
Der Teenie in mir wird wohl nie erwachsen.
Bei einigen der zuletzt genannten, wäre es besser gewesen, ich hätte sie so in Erinnerung behalten können, wie sie bei unserer letzten Begegnung waren. Facebook und und meine Neugier haben mir da keinen Gefallen getan.
Nicht nur die Bösen ereilt der Fluch von Spießigkeit in Aussehen und Postings. Die haben  es ja, wie bereits erwähnt verdient, mit vierzig das optische Alter von Trümmerfrauen und Heinz Erhard Imitatoren erreicht zu haben. aber doch nicht die Coolen - meine heimlichen Idole, die wahren Rebellen.
Der coolste Typ der Schule, Levis, Rippenunterhemd, Bikerboots und surfer-blondes Haar, trägt nun einen Anzug, rockt jetzt Vatis Firma statt volle Konzerthallen und hat eine unvorteilhalfte Halbglatze (die verbleibenden stoppeln haben die Form von Sylt).
Die coole Emanze von früher postet nur noch Fotos ihrer Kinder und trägt nun Blümchenkleider. Ich musste Monate in ihrer Chronik zurückblättern, um herauszufinden, dass sie immer noch verheiratet ist. Ich denke ihr Mann darf bei ihr, dem geputzten Reihenendhaus und den Kindern leben. Er wurde beim gemeinsamen Weihnachtsfest lobend als Baumaufsteller erwähnt.
Und dann die neuen Bekanntschaften, die im normalen Leben so entspannt und nicht überspannt wirken. Das Facebookgesicht sagt etwas anderes.
Mila und Beate posten nur noch Bilder von ihren Hunden, Katzen und den Hunden und Katzen von anderen Menschen, die sie nicht kennen. Sie sind beleidigt, wenn man diese sieben Fotos pro Tag nicht „liked“. 
Esoterische Weisheiten und religiöse Sprüche – wahlweise von Buddah, Jesus oder Ursula Karven zeigen wie tiefsinnig Bärbel aus Osnabrück ist. 
Schwarz weisse Fotos, Spiel mit Licht und Schatten - Martin ist ein wahrer Ästhet und Freund der erotischen Fotografie. Gerne garniert er seine Posts auch mit der einen oder anderen  sexistischen Schmunzelweisheit  (wenn im Walde ruft die Wachtel und dem Mädel juckt die Schachtel und dem Jungen steht der Ständer dann ist Frühling im Kalender) und wenn man ihn gerade ordentlich in der Klischee Schublade verstaut hat, kommt ein ganz tiefer Satz, über seinen Verletzlichkeit (man schweigt immer bei den Menschen, denen man am meisten zu sagen hat).
„Seit fünf Monaten und drei Stunden mit Schatz zusammen. Ich lieb dich voll,“ postet Sandy. Wenn man weiter scrolled liest man, dass sie gestern das gleiche minus einem Tag geschrieben hat und vorgestern ein Foto von Schatz, wie er so voll süß schläft.
Und da ist auch noch Bertram, der so richtig erfolgreich ist. In einer Businesszeitung hat Bertram gelesen, wie wichtig Facebook auch im Beruf ist, weil man dadurch so menschlich wirkt. Bertrams Beruf ist sein Hobby und sein Hobby ist sein Beruf. Glatt und poliert schreibt er von seinen erfolgreichen Meetings in Dubai und dem Urlaub auf Sylt.

Egal was man postet, la mesii hat was zu nörgeln. Beziehungen sind schlecht, Kinder zu erwähnen auch, erfolgreich darf man nicht sein und religiös, egal in welcher Richtung bitte auch nicht. Geht es mir darum? Nein. 
Mich nervt die Einseitigkeit und das gefilterte Aussenbild, dass auf Facebook erscheint. Manche zeigen zu viel von sich und scheinen zu  vergessen, dass nicht nur ihre engsten Freunde lesen, wie sehr Haaaaaase sie liebt oder dass der Exfreund ein kleinschwänziges Arschloch ist. 
Bei anderen wirkt es so, als ob sie nur noch für und durch ihren Nachwuchs leben. Mal abgesehen von der optischen Verwahrlosung der Mütter  die proportional zur Ausdehnung des  Konsumbergs der Kinder wächst.
Das komplette Ich, ist selbst mit gut eingebauten Freundesfiltern auf Facebook nicht zu finden. Man gibt nur die jeweilige Stimmung, das was gerade wichtig ist oder scheint, wieder.

 Und was poste ich? Was sagt Facebook über mich aus? Bin ich religiös, politisch, eine Sprücheklopferin, Tierfotos Poster- und Likerin?

Ich habe mal meine letzten Posts gelesen und kam zu folgendem Schluss.
In letzter Zeit scheine ich  politisch auf der Suche. Ich  interessiere mich  für die Gleichstellung homosexueller Paare, mag blöde Sprüche und nachdenkliche Aussagen und ich teile niemals Posts die damit enden, dass ich bestimmt nicht den Mut habe jenen Post zu teile oder zu liken. 
Laut Info bin ich verheiratet aber der Mann taucht nicht in meinen Postings auf.



Ich möchte nicht, dass jeder alles von mir weiss vor allem nicht im Internet.
Ich poste keine Fotos von meinem Essen, den Orten, wo ich mich befinde oder den Promillegehalt  in meinem Blut, nach einer guten Party.

Bis Herr Snowden uns aufklärte dachte ich, dass  man über meine Likes nur herausrausfinden kann, was ich mag, um mich so gezielt mit Werbung beglücken zu können ( ich Scheine laut Werbung ein Gewichtsproblem  zu haben und dringend diverse Schreibprogramme kaufen zu müssen ). Auch meine etwaige politische Gesinnung und ob ich Vegetarier bin, würde man herausfinden können, dachte ich.
Ich war so naiv zu Glauben, dass SIE es über mein Facebookprofil wissen würden.
Nun weiss ich, dass SIE auch meine Emails, Whatsapp und SMS lesen, meine Telefonate mithören und mir über meine eigene Webcam beim Popeln zuschauen können.
Also kann ich beruhigt alles posten was mein Leben betrifft. SIE kriegen es ja eh raus. SIE, die große Bruderschaft der Überwachungsorganisationen.

Bei all dem gehype darüber, wie unfair es ist Leute ohne Verdacht auszuspionieren muss ich mich vor IHNEN nicht fürchten. Ich bin doch nicht gefährlich. Es ist es Unsinn zu denken, dass SIE ausgerechnet mich ausspionieren oder überwachen werden. Also kann ich ruhig Whatsapp haben und meine Intimitäten auf Facebook posten. 
Ich bin ein kleiner Bürger, ein nutzloses Rad und völlig ungefährlich. Ich wähle nicht extremistisch und bin auch kein Mitglied einer Religionsgemeinschaft, dass man mit Jenseitsversprechen zu Diesseitsirrsinn verleiten kann. Ich lebe in einem Land in dem jede Meinung erlaubt ist und der Staat mit seiner Macht, macht was er will, aber noch in einem Rahmen, der mich nicht in den Wahnsinn treibt.

Was ist aber, wenn die Angie beschliesst, dass Autokratie super ist, vor allem für Sie? Wenn der neue Staat dann - um ein bizarres und weit entferntes Beispiel zu nehmen - Yoga und Buddhismus verabscheut? Wenn alles Yogazentren überwacht würden und jedes Auto mit einem Free - Tibet - Aufklebern durch die Kameras, die es überall in Stuttgart gibt, verfolgt würde. Was wäre dann?

Was wäre, wenn die Menschen, die vegetarisch Leben als suspekt gelten und die Veganar als potentielle Staatsfeinde?
Wäre uns dieses Wissen weiterhin egal, weil wir ja keine Veganer, Vegetarier oder Buddhisten sind? Würden wir dann aufstehen und gegen die Überwachung und Verfolgung dieser Menschen etwas tun? Würden wir sie eventuell verstecken?


Wenn alles, was wir tun offenbar ist, jedenfalls im Netz, kann ich es wohl entweder lassen, meine Gedanken zu posten, weil ich mich von eventuellen Gefahren leiten lasse oder ich tue es in vollem Bewusstsein.

Schwierig wird es allerdings, mir zu merken, was ich alles  im Laufe der letzten Jahre gepostet, smst, geemailt und vor der webcam performed habe. Ich müsste all die Meinungen, die ich nicht mehr habe, mit einem Kommentar versehen, damit die zukünftigen Autokraten mich nicht wegen einer ehemaligen Ansicht verfolgen. 
Ich sag es lieber gleich, rosa ist nicht mehr meine Lieblingsfarbe.

01 Juli 2013


Vor einigen Tagen bin ich bei nanowrimo über folgende Aufgabe gestolpert, man sollte sich an die erste Geschichte erinnern, die man jemals geschrieben hat und sie erneut schreiben.
Ich schreib über meine Uroma.
Mal abgesehen von der mangelnden Disziplin haperte meine erste Geschichte am Mangel des Besonderen.
Ich startete das Projekt voller Enthusiasmus. In den ersten Sätzen kam sehr oft das Wort eigentlich vor. „Eigentlich ist sie eine ganz normale alte Frau, aber sie ist besonders, weil sie toll kochen kann, meine Puppenkleider näht und mir vorliesst“ mir fiel ein das viele Omas das tun und ich gab sehr schnell auf, nach etwa zwei Seiten, handgeschrieben auf Din A 5.


Hier ist nun der neue Versuch.
Meine Uroma war toll, eine in einer Million und doch so langweilig und normal, wie Uromas nun mal sind.
Macht und Ruhm, Reichtum und filmreife Liebe, würden meine Uroma Martha Rübsam, geborene Hoffmann zu einer besonderen Person machen. Nichts davon war in ihrem Leben und doch war sie besonders.
Eine meiner ersten Erinnerungen an sie ist wie sie in ihrem Stuhl am Küchentisch saß und Möhren schnitt. Sie hatte kein Brett dafür. In ihrem Schoss stand einen Schüssel und sie schnitt die geschälten Möhren direkt in die Schüssel. Die Hand hielt die Möhren und die andere schnitt sie in Scheiben. Ihr Daumen, der die Schneide des Messers abfing hatte an dieser Stelle eine tiefe Falte. Die Falte ging nie richtig weg. „Kommt vom vielen schnibbeln.“
Sie war das vierte Kind von fünf Geschwistern. Das fünfte Kind, ihre Schwester kam auf ihre Wunsch. Sie sagte ihren Eltern: “Wenn ihr keines bestellt, dann gehe ich zur Hebamme und sag ihr sie soll noch eins bringen.“ Jahre später verstand sie, dass ihre damals schon recht alte Mutter bei der Geburt fast gestorben wäre.
Uroma hat den Kaiser gesehen, bei der Einweihung der Müngstener Brücke. Sie war die kleinste in der Klasse und sie durfte die Blumen überreichen.
Sie konnte wundervoll singen. Einmal als sie in der Klasse alle eine Stillearbeit machen mussten – wenn ich Oma richtig verstand mussten sie das ständig und wer schwätzte bekam Prügel mit dem Rohrstock – sang der Lehrer und meine Uroma fiel sang mit. Sie kannte das Lied weil ihr Vater ihr in einem Gesangsverein war und den Kindern seine Lieder beibrachte. Der Lehrer fragte streng, wer da gesungen habe und meine Uroma meldete sich. Se musste das ganze Lied vorsingen und sagen warum sie es kannte. Danach musste jeder ein Lied singen, wer keines konnte solle eine Strafarbeit erhalten. Aber auch der Junge aus der Klasse, der immer die Prügel bekam, kannte ein Lied. An dem Tag musste niemand nachsitzen und niemand wurde verprügelt.

Mit vierzehn wurde sie Kindermädchen beim Remscheider Fabrikantenadel, erst bei Hentsens und dann bei Mannesmanns. Sie freundete sich dort mit der Köchin an und vertrat diese, als sie krank war. Der Herr des Hauses lobte ihren Braten und meinte grinsend:“Matta, ding Sauce hat die Gelbsucht, abba sonst lecka.“
Der erste Weltkrieg kam und Remscheid war von den Engländern besetzt. Die Engländer hatten die Villa in der sie damals als Kindermädchen arbeitete besetzt. Die junge sehr kleine Frau von 1,50 cm Größe, lernte den Satz: „You must clean the kitchen“ auswendig. Es war in Ordnung für sie, dass die Villa besetzt wurde, auch dass die Besatzer einfach in der Küche rumwerkelten, sie hatten gewonnen, aber den Arbeitsplatz ihrer Freundin, der Köchin „kurmelig“ - also unordentlich und dreckig – zu hinterlassen, das ging nicht. „You must clean the kitchen.“Und die Engländer räumten auf und putzten.
Die Köchin brachte ihr bei, wie man das wundervollste Roastbeef der Welt macht und sie nahm sie mit zu einer Verabredung. Die Köchin, ihr Freund, der Freund vom Freund und meine Uroma gingen ins Kino. Danach hat die Köchin sich einfach küssen lassen und Oma wurde auch geküsste. „Dem unverschämten Kerl, habe ich aber eine Ohrfeige gegeben. Ich dachte jeder sieht das.“
Der unverschämte Kerl kam aus Hessen, von einem Bauernhof und arbeitete als Maurer am Wasserturm in Remscheid.
Sie heirateten. Oma sagte sie seien glücklich gewesen, auch ohne Zungenküsse „Kind, das machte man damals noch nicht“. Sie bekamen zwei Kinder danach „passte er auf“.
Die Verwandten im ferne Hessen fanden meine Uroma komisch, weil ich aus der Stadt kam und weil sie evangelisch war – was ihnen mehr suspekt war, weiss ich nicht. Sie nahm den Weg des geringsten Widerstands und die Kinder wurden katholisch getauft. Sie selbst habe ich nie in einer katholischen Kirche gesehen.
Mein Uropa wurde nach Versuchen mit Senfgas im zweiten Weltkrieg nach zu ihr nach Hause gebracht, da starb er. Dafür gibt es keine Belege, vielleicht hat Oma auch einiges durcheinander gebracht. Jedenfalls starb er und sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal im Wald auf Reinshagen „Rübsam“.
Die Witwe machte alleine weiter. Sie sorgte sich um ihre Tochter, die einen Hallodri geheiratet hatte, der im fernen Österreich stationiert war und dort eine „Verlobte“ hatte. Nach dem Krieg lies ihre Tochter sich scheiden – welch Skandal – und kam für den Unterhalt der Kinder alleine auf. Der Hallodri war erst in Gefangenschaft in Norwegen und danach wohl pleite. Martha Rübsam versorgte die Kinder, während ihre Tochter als Sekretärin arbeitet.
Oma durchwühlte mit meinem Vater im Nachkriegsremscheid einen Kohleberg in der Hoffnung den funkelnagelneuen Schuh, den er dort beim spielen verloren hatte wieder zu finden – vergebens. Sie brachte es ihrer Tochter bei, da die weniger Geduld mit einen einem kleinen Jungen hatte.
Sie fragte nicht einfach Vokabeln ab Uroma lernte Latein, auch die Schülersprüche „ Aqua das Wasser, Vino der Wein, scher dich zum Teufel verfluchtes Latein“.
Sie las vor, stundenlang Karl May. Wenn mein Vater aus der Schule kam sagte se:“ Komm Junge mach schnell deine Hausaufgaben damit wir lesen können, es wird richtig spannend.“ Leider stahl sich der Junge durch das Toilettenfenster um zu spielen.
Mein Vater fand in den Remscheider Trümmern alte Reichspfennige. Sie hatten die Größe des zehn Pfennig Stücks der Währungsreform. Meine Uroma polierte sie und mein Vater steckte sie in Automaten um Kaugummis und Süßigkeiten zu ziehen.
Sie hatte ein großes Herz und wenig Geld, aber eine „schäbbige Mark“ für Zigaretten, als er älter war, konnte sie immer erübrigen.
Mit achzig hatte sie eine Gallenblasenopertion und man mussteihr danach die hüftlangen Harre abschneiden. „Die waren vertuckt, da konnte man nichts mehr machen.“ Als ich auf die Welt kam fing sie an mich zu betreuen. Seit dem ich sechs Wochen alt war passte meine Uroma auf mich auf während meine Eltern arbeiten gingen.
Später war sie in den Ferien oft bei uns. Wir lasen nicht Karl May wir lasen Hanni und Nanni und Oma konnte den Akzend von Mademoiselle Fürchterlich wie keine Zweite vorlesen.
Sie feierte mit mir Sylvester und wir tanzten angetütelt mit einem ganzen Piccolo rock´n roll, etwa ein halbes Lied lang, dann war Oma aus der Puste, da war sie schon zweiundnuenzig. Sie hatte mit neunzig graue Haare bekommen, trug ein Hörgerät, nur für die Nachrichten und für Gesellschaftsspiel, sonst lag es ordentlich in der Schachtel.
Was mich im Nachhinein am meisten beeindruckt ist ihr Gang mit dem Zeit. Sie hatte kein Problem mit meinen zerrissenen Hosen oder lauter Musik, „Das ist heute modern“ sagte se ihrer Tochter, wenn die mich kritisierte.
Oma war 1986 dafür, dass ich mit Computern umgehen kann. In der Zeitung stand, dass wäre bald normal und für jeden Beruf wichtig, also sagte sie :“Kind, du musst Komputer lernen, das brauchst du mal,“ sie lernte nie das j im Komputer, aber wir haben es geübt.
Als Aids aufkam sagte sie :“Kind, wenn du einen Freund hast, nimm Kondoms wegen Aids“. Ich war dreizehn. Sie war froh, als ich sagte dass würde ich auf alle Fälle tun, wenn es soweit wäre, aber ich wollte damit anfangen jemanden zu küssen, bevor ich Kondoms benutzen müsse.
Sie liebte mich einfach und lies mich sein. Als ich mit acht unbedingt rauchen wollte, es waren zerbröselte Herbstblätter eingerollt in Notizzettel, saß Oma neben mir und meinte lankonisch es würde schon ziemlich stinken, ob es wenigstens besser schmecken würde.

Mit sechsundneunzig starb sie. Leise und und unspektakulär, wie sie gelebt hatte, beim Möhren schnibbeln, am Küchentisch.


24 Juni 2013

Der innere Zensor


Der größte Feind des Menschen ist der Mensch. Vermutlich ist der größte Feind des Schreibers (ich scheue mich das Wort Schriftsteller zu benutzen), der Schreiber selbst, beziehungsweise sein innerer Zensor.
Mein innerer Zensor ist eine überprotektive Mutter. "Pass auf was du schreibst, verletze niemanden offenbare nicht zu viel deiner Gefühle.
Niemand liest die Sachen eines emotionalen Weicheis. du solltest wesentlich cooler schreiben, ein wenig hip und nerdy.
Deine Sachen will niemand lesen, der cool ist und du willst doch den Coolen und Hippen gefallen. "

Die Zensormutti sucht den Schreibsport aus nicht mein Kinderherz. Ich fühle mich oft, wie ein Weinsteigenkind, keine Freizeit, chinesisches Kindermädchen wegen Weltsprache, Geige oder Cello als Instrument und Ballett.
Dabei liegt mein musikalisches Talent bei der Triangel - man kann da wenig Fehler machen. Mein Sport ist Geradeauslaufen, damit ich mich nicht überall stosse. Aber wenn sie mich alleine lassen würde, die Zensormutti, oh man was ich dann alles könnte.
Barbie würde Traktorfahrerin, Ken wäre auf alle Fälle Transgender, die Bauklötze würden zu Kranhälsen, meine depperte Geige würde quer darauf liegen und die herausgelösten Seiten würden die an ihnen hängenden Mon Chi Chis wie Tarzan und seine Affen segeln lassen.
Legos wären Stempel und die Tapete würde die Leinwand sein.

Aber Zensormutti hält mich. Sie hat ein Schild um meinen Mut gezogen und mit mentaler Kraft träufelt sie ihr Gift in mein Krativitätszentrum. Geige, Chinesisch, Ballett, fast glaube ich es zu mögen.

"Nur Mut" rufe ich mir zu. "Du bist erwachsen und für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät."
"Aber" erwidere ich, "was ist, wenn es nicht schön gefunden wird, weil es banal und fad ist?"
"Wenn du das glaubst, hat sie schon gewonnen, befrei dich von ihrer Herrschaft."

Sich von Zensormutti zu trennen ist nicht einfach. Ich wirke wie einer der Glücksbärchen im Kampf gegen Voldemord. Voldemord  würde auf jeden Fall gewinnen, oder? Das alberne Glücksbärchen hat zur Verteidigung einen Trank der es weghüpfen lässt. Wie albern. Soll ich Regenbögen pfurzen und von dannen bounzen?
Wenn es klappt, bin ich alleine. Ich habe das kreative Stockholmsydrom.
Wenn Zensormutti weg ist, angenommen mir gelingt es sie los zu werden, bin ich Robinson bevor er Freitag trifft. Einsamkeit war schon immer eine gute Drohung um Gefangen in Schach zu halten oder gefügig zu machen.
Ich könnte die Zeit mit krassen Thai Chi Übungen füllen und Zensormutti überrumpeln, wenn sie kommt um mich mürbe zu reden. Aber wird es mir gelingen.
Ich bin eher der Ausbrechertyp. Ich werden einen Tunnel graben, mich durch Lüftungsschächte an Ratten vorbei bis an die Felsen meines emotionalen Alkatras schlagen und von dort aus durch das Meer schwimmen. Ich muss an den Haien der vorbei - manche nenne sie Gefallsucht und mich auf die Boje retten. Hoffentlich kommen meine Komplizen mit dem Boot, hoffentlich hat es einen Motor und hoffentlich kommen wir unentdeckt an Land.

Ich hoffe Zensormutti hat nicht alles gebrochen in den Jahren der Gefangenschaft. Vielleicht finde ich Heilung an den Stränden voller Sonnenschein. Wo es keine Regeln gibt ausser "Es gibt keine Regeln". Ich sitze am Meer, eine kühles Getränk in der Hand und einen Laptop vor mir. Ich schreibe. Große Gefühle, schmalzige und boshafte, wütende und traurige. So schmalzig und emotional wie Barbie auf Harmonieentzug. sie alle werden zu Worten.

06 Juni 2013

Der Parasit


Er kam zu besuch.
Wenige Tage vorher, war nicht klar ob er kommen würde. Das erste Shuttle mit dem er kommen wollte hatte ihm abgesagt und er musste uns vertrösten. Doch endlich hatte es geklappt und er kam.
Wir waren seit Lichtjahren Freunde. In letzter Zeit mussten wir über diverse Datenverbindungen unsere Freundschaft aufrecht halten. Die Verbindungen waren in den vergangenen Monaten nicht gut. Entweder es rauschte so stark in den Leitungen, dass man fast nichts verstehen, geschweige denn einander erkennen konnte oder es tauchten andere Planetarier mitten in unseren Gesprächen auf und Gerf verschwand dafür.

wenn sich Planetarier unterschiedlicher Herkunft treffen, gilt es sehr behutsam zu sein. So kann man einen Chrop tötlichst beleidigen, wenn man ihm zur Begrüßung die Hand schüttelt - ihnen ist es zu intim, umarmt man hingegen einen Wurtschock kürzer als drei Minuten bei der ersten Begegnung ist dieser so in seiner Ehre verletzt, dass du von Glück reden kannst, wenn er nicht deine ganze Familie vernichtet.
Bei der ersten Begegnung dachten wir, dass alle auf seinen Planeten eine bildhafte Sprache haben. Aber das war eher seine Eigenart. Wir liebten das.

Hin und wieder hatte Garf sich verschiedene galaktische Psychoparasiten zugezogen. Das waren widerliche,  kleine Scheisser, die sich in sein Hirn bohrten und die Botenstoffe wild durcheinander wirbelten. Der Parasit war egoistisch, hinterhältig und gemein, er ernährte sich von Garf Gefühlen. Er saugte sie auf und wandelte sie in Energie um die er wiederum nutzte um weitere Parasiten zu erzeugen. Jegliches Gefühl seines Wirts verstärkte er bis dieser sich erschöpfte. So ging es immer weiter, wenn er nicht durch spezielle Strahlungen behandelt wurde, und eines Tages war der Parasit nicht mehr zu behandeln.

Der Parasit schützt sich vor den Strahlen, indem er seinem Wirt einredet einen speziellen Auftrag zu haben oder von Gott gesandt zu sein oder er sagt dem Wirt er ist berühmt und hat Superkräfte und der Wirt glaubt ihm. Wer möchte nicht etwas besonderes sein?
Wenn man nun dem Wirt sagt, dass er krank ist glaubt er einem nicht, denn man ist ja nicht berufen von Gott, hat keine Superheldenkräfte oder irgendeinen Geheimauftrag, dass würde der Wirt spüren, glaubt er jedenfalls.

 Seit dem ersten mal waren wir bei Garf wir auf alles gefasst. Von tiefer Melancholie bis hin zu größter Freude, reichten seine Ausbrüche und Äusserungen. Er benahm sich merkwürdig, führte auf leeren Shuttlebahnhöfen gorgonzolische Paarungstänze auf oder verkaufte seine wenigen Möbel um einen Ausbildungsstätte für Kamikazepiloten zu gründen, die er selbstverständlich leiteten wollte.
Wenn die Grippe bestrahlt war, beschäftigte sich Garf nicht weiter damit. Er lebte sein Leben am Rande der Subsaturngalaxis nahe dem Nebelfeld und verbrachte seine Zeit so gut er konnte.

Als er uns diesmal besuchte hatte er wieder eine lange Phase der galaktischen Grippe hinter sich. Durch das Rauschen hatten wir verstanden, dass der letzte Virus ihm die Glücksgefühle geraubt hatte.
Wir glaubten der Parasit wäre strahlentherapeutisch behandelt und freuten uns auf unseren Freund.

In dem Moment, in dem er durch die Tür kam, hatte ich ein eigentümliches Gefühl in den Eingeweiden. Das Gefühl, das du hast, wenn man an alten Shuttlebahnhöfen in der Nacht auf seinen Anschluss wartet und dir eine Bande Trocke entgegenwankt und dich fragt ob du etwas essbares dabei hast. Dabei wisst ihr genau, dass Trocke ausschliesslich von flüssigem Kupfer leben und du nur organisches isst. Egal was du antworten wirst, es wird falsch sein und sie werden dich verprügeln.
Garf war in jeder Minute, die er da war, absolut präsent und er machte unser Wohnei zu seinem Brutkasten. Er schnitt mit der Gemüsegratel Warzen aus seinen Beinen und warf uns vor kein adäquates Verbandmaterial für ihn zu haben. Ich musste die Gratel  einige Stunden einweichen, damit sie wieder funktionsfähig war. Er musste dringend etwas zur Transportbasis bringen, da er zu Hausen dafür keine Zeit hatte - er hatte die letzten fünf fünf Tage auf der Nebelbank durchgefeiert. Das hätte ein für uns eine Warnung sein sollen.
Die Körpersäuberungseinheit hatte er beim entwurzeln seiner Beinwarzen zerkratzt und die Wasserschutzbarriere aus der Decke gerissen. Weiter Utensilien zur Körperhygiene hatte er ohne zu fragen benutzt, warf uns allerdings vor dass sie für seinen Typus falsch seien.
Unser Eindruck dass er sich auf dem Flug hierher eventuelle wieder einen Psychoparasiten zugezogen haben könnte verstärkte sich zunehmend und er bestätigte das auch. Aber die Strahlen würden wirken.
Garf war immer ein lieber und zuvorkommender Freund gewesen, nun schien wer zu mutieren. Sein Lieblingsgetränk mochte er nicht mehr und er trank den ganzen Tag. Er war nie richtig betrunken, aber es reichte uns zum sorgen aus.
Wenn er sich alleine wähnte hörten wir ihn mit sich selbst reden, er malte in ein Buch in großen Lettern "Sigkt Fru", eine der unflätigsten Beschimpfungen seiner Sprachen. Wen meinte er?

Es gab Lichtblicke in denen wir den Eindruck hatten, dass die Strahlentherapie wirken würde. Wir schoben sein Verhalten auf den Jetleg oder die Artenbarriere. Wir mussten uns wohl nur aufeinander einstimmen. Das dauert seine Zeit, wenn man sich länger nicht gesehen hat.
Wir drei versuchten es wirklich und wir hatten Hoffnung, wir alle, auch Garf , jedenfalls hatte er das gesagt.
Mitten in der Nacht, Garf und mein Genetogefährte hatten noch auf dem Oberei gesessen und geredet, rastete er aus. Ihm hatte ein Satz meines Gefährten nicht gefallen, den er ihm zuvor abgezwungen hatte. Garf wollte sofort fahren. Unter diesen Umständen - welche verstand mein Gefährte nicht- wollte er nicht länger mit ihm unter einem Dach bleiben. Er drohte ihm, dass  ich ihn züchtigen würde, wenn ich erführe dass Garf gegangen sei.
Heute denke ich, dass es besser wäre, wenn mein Gefährte mich nicht geweckt hätte. Mitten in der Nacht, wurde ich aus dem Schlaf gerissen.  Als ich in dem Aufenthalt und Erhohlungsbereich kam, packte Garf seine Sachen.
Er wollte keine Gespräch mehr mit uns beiden, bot mir aber an alleine mit ihm zu reden in meinem Erholungsbereich, ohne meinen Gefährte.
Ich hatte Angst. Er redete laut und berichtete so schnell, dass ich nicht nachvollziehen konnte, was er meinte. Ich wollte nicht mit ihm alleine reden, wenn er den Virus hatte wurde er laut und ich bekam Angst. Er gab mit fünf Zeiteinheiten um ihn zu überzeugen. Ich erzählte ihm von der Kälte draussen und bat ihn doch noch eine Nacht zu bleiben. Ich hoffte er hätte den Schub am nächsten Tag ausgeschwitzt. Er sagte mir dass ich noch drei Zeiteinheiten hätte.
Ich war so traurig und verzweifelt, unser liebster und ältester Freund wollte gehen und das für immer.
Mein Gefährte hatte während des Gesprächs mehrfach versucht ihm zu erklären, dass sein emotionaler Ausbruch nicht ohne Konsequenzen bleiben könnte. Auch er bat ihn nicht zu gehen.
Als ich ihn weinend bat, die Jahre der Freundschaft nicht fortzuwerfen, sagte er dass ich die Zeiteinheiten aufgebraucht hätte. Ich stand auf und ging auf das Oberei, wo noch einige seiner Sachen lagen, nahm sie auf und warf sie ihm an den Kopf. Dann ging ich auf ihn los und schlug ihm mit flachen Flossen auf den Hirnort. Er sollte jetzt gehen, für immer.
Mein Gefährte nahm mich und brachte mich aus dem Zimmer. Ich hörte ihn später sagen, dass es bis eben Garf Entscheidung war zu gehen, nun müsste er gehen.
Am nächsten Tag stand Garf vor unseren Ei und wollte reden, wir könnten doch so nicht auseinander gehen. Wir können!
Wir haben erfahren, dass er in unserer Abwesenheit bei anderen mehrfach schlecht über uns gesprochen hatte. Er hat mir unsinnige Sachen über meinen Gefährten erzählt und ihm mit mir gedroht.
Was auch immer es ist das Garf so sein läßt, mit mir macht er das nicht mehr. Er sendete noch kurze Nachrichten in denen es darum ging, dass er wieder nicht die Schuld an seinem Verhalten trägt, sondern  Bel´ze-bub. Des weiteren freute es sich, dass ich mir nicht die Flossen gebrochen hatte, als ich ihn auf seinen Hirnort schlug.
Seine Türe würde mir immer offen stehen.
Ich bedauere einiges aus der Nacht, als Garf ging und ich würde gerne unsere Geschichte neu schreiben, zurückgehen in die Vergangenheit und es ändern.
Ich bedauere ihn geschlagen zu haben und wünschte, dass ich ihn hätte gehen lassen. Das andere, das ich bedauere ist ihn nicht verletzt zu haben. Ich hätte die Mondstiefel anziehen und ihm die Warzen von den Beinen kicken sollen.
Ach was am liebsten würde ich noch weiter in die Vergangenheit reisen und ihm verbieten unser Wohnei zu betreten.
Ob es ein Parasit war oder ob Garf komplett mutierte ist, ist nicht wichtig. Der Freund, den wir mal hatten, ist nicht mehr und das, was noch Garf heisst ist egoistisch, hinterhältig und gemein.......... wie ein Parasit.

28 Mai 2013

Ein Gedankengang zum Kinderwunsch oder Nicht-Kinderwunsch


Ich werde keine Kinder bekommen, weil ich keine Kinder bekommen will. 
Natürlich sind wir alle total emanzipiert und leben in einer Gesellschaft, in der man alles werden kann – auch als Frau.
Offen damit umzugehen und dazu zu stehen, dass ich keine Kinder kriegen will, ist nach meiner Erfahrung nicht immer klug.

Wir Frauen sind zwar nicht mehr nur zum Kinderkriegen da, die Sparkassenwerbung vor einigen Jahren hat das bestätigt – Kinder sind keine Altersvorsorge:
Soweit so gut, aber... Ja Aber eigentlich sollten wir doch welche bekommen.

Als uns als Ehepaar langsam klar wurde, dass wir keine Kinder haben wollen, gingen wir sehr offen damit um. Die Gründe hierfür wechselten im Laufe der Jahre mehrfach, aber der Grundgedanke blieb, wir wollten keine Kinder.
Die erste Motivation, uns gegen Kinder zu entscheiden, war unser ehrenamtliches Engagement. Wir wollte unsere Zeit komplett Gott schenken und arbeiteten ehrenamtlich in einer Jugendkirche mit, was damals viel Spass machte.
Uns war klar, dass Kinder unser Leben verändern würden und wir massiv unsere Zeiteinteilung verändern müssten.
Ich hatte einige negative Beispiel gesehen. Eltern, die nichts in ihrem Leben änderten, einfach weiter mit ihrem Säugling auf Konzerte, Workshops und Konferenzen gingen und nach dem zweiten und dritten Kind musste sie dann zu Hause bleiben, denn anscheinend wollten die Frauen es so.
Das Standardrollenmodel, dass sie zu Hause bleibt und er sich weiterhin selbst verwirklichen darf, sie tut es ja bereits mit dem Kind, kam für uns nicht in Frage, ebenso, das Model sie geht arbeiten und er bleibt zu Hause, kam für uns nicht in Betracht.
Ich wollte aber mein Leben mit meinem Mann verbringen und mit ihm gemeinsam Sachen machen, ich wollte nicht, dass wir eine Projektgemeinschaft werden.
In den ersten Ehejahren war es ohnehin kompliziert genug gewesen und wir hatten endlich unseren Rhythmus gefunden.
Später zogen wir nach Stuttgart und hatten neue Prioritäten.
Dann kam eine Phase von etwas eineinhalb Jahren in denen ich mir nicht mehr sicher war, keine Kinder zu wollen. Vielleicht wollte ich doch? Ich arbeitete in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit schweren mehrfachen Behinderungen. Anscheinend entwickelte ich eine fürsorgliche Seite und man attestierte mir, dass ich eine gute Mutter wäre. Der Kinderwunsch kam dann auch. Im Rückblick würde ich sagen, er kam weil die Arbeitsbedingungen immer unerträglicher für mich wurden.
Ich entschied mich zum Stellenwechsel. Wir wollten die Probezeit abwarten und dann loslegen mit dem Kinderzeugen. Nach der Probezeit, fehlte der Kinderwunsch. Ich war wieder glücklich in meinem Job. Vermutlich wäre ein Kind eine gute Flucht gewesen, aus einer extrem unbefriedigende Arbeitsstelle zu flüchten. Verständlich, natürlich, das machen viele Frauen und dennoch ist es nicht weniger egoistisch, als keine Kinder zu bekommen, oder?

In einem Gespräch mit meinem Schwager, sagte ich mal, das ich durchgehend bis zu Rente in alle Kassen einzahle und somit eine soziale Verantwortung tragen würde und durchgehend für die Gesellschaft arbeite und auch in die Sozial -und Rentenkasse einzahle.
Er belehrte mich eines besseren. Es ist wesentlich sozialer, Kinder zu bekommen, die später unsere Rente Zahlen – Stichwort: Generationenvertrag.
Heute glaube ich, dieses Argument nur vorgebracht zu haben um nicht vor anderen, aber vor allem nicht vor mir selbst als egoistisch dar zu stehen. Denn als Frau sollte man das besser nicht sein. Ein egoistischer Mann ist weitaus angesehener, als eine egoistische Frau.
Das begründe ich mit meinem persönlichen Umfeld. Ich kenne nicht eine Frau die ihre Karriere oder Träume in dem Ausmass lebt, wie Männer es tun. Sie verzichten meist auf alles oder sie überschlagen sich, um alles unter einen Hut zu bringen.

Man hat mir mitgeteilt keinen Lebenssinn zu haben, wenn ich keine Kinder bekomme und natürlich bin ich egoistisch. Ja das bin ich. Mir ist der Preis zu hoch und der Kinderwunsch zu klein.

Ich werde im Alter alleine sein und keine Enkel haben, weil ich keine Kinder habe die mir Enkel machen können. Hat meine Mutter auch nicht und sie hat mich. Allerdings hätte sie auch nichts von den Enkeln, da wir 480 Kilometer auseinander wohnen.
Ihr ist das egal, sie möchte gerne Fotos haben und sie herumzeigen. Da ich keine Kinder habe, entfällt das und sie leidet, weil ich keine Kinder haben will.
Mir wurde auch schon mitgeteilt, dass ich im Alter auf mich allein gestellt bin, da ich keine Kinder habe, die mich pflegen werden. Statistisch gesehen hätte irgendein Kind nicht gereicht; geschlechtlich meine ich, es hätte schon ein Mädchen sein müssen.
Jungs übernehmen die Pflege ihrer Eltern drei mal weniger als Mädchen.
Kinder wegen der Altersvorsorge oder als Pflegegarant zu zeugen, finde ich wiederum ebenso egoistisch.
Es gibt unterschiedliche Gründe warum Frauen/Paare keine Kinder bekommen. Manche können nicht und per se davon auszugehen, dass sie Kinder kriegen wollen und können, finde ich fast schon zwanghaft.
Mir wurde auf den Bauch geklopft und ich wurde gefragt, wann es denn soweit wäre.
Ich hätte so gerne gesagt:“ Ich habe grade eine Unterleibsoperation hinter mir, weil ich Krebs habe. Die Brüste kommen nächste Woche dran“, oder „wir kommen gerade von der künstlichen Befruchtung und hoffen, dass es diesmal klappt“.
Ich kenne genug Beispiel die es versuchen und versuchen und es nicht an die große Glocke hängen. Und diese Frauen/Paare leiden unter den Selbstverständlichkeiten des Vermehrens.
Ich freue mich über jede Frau die Kinder möchte und bekommt. Aber ich möchte ebenso erfreulich sein, wenn ich keine Kinder bekomme.

21 Mai 2013

Antwort auf einen Post ..... Jesus Freak und wofür würdest du sterben


Nach Deinem Post, lieber Andi habe ich mir überlegt wie es mir mit der Feststellung, du bist doch so ein Jesusfrak, geht.
Es ist mir peinlich, weil ich so viele meiner Geschwister peinlich finde und mich ihrer schäme und das sind noch die oftmals nette Gefühle.
Ja den Jesus habe ich nach wie vor lieb. Ich bin ein Gottfan, ein Jesusanhänger ein Jesusfreak und ich stelle fest, dass ich es oft trotz der Bewegung und trotz meiner Geschwister bin.
Ich stelle fest, dass ich Euch (liebe Geschwister im Allgemeinen) einzeln sehr liebe und in der Masse unerträglich finde.
Wenn die Massendynamik losgeht, die grosse Kollektivmeinung kommt, möchte ich laufen gehen... weit weg. Da ist mir egal ob die lieben Geschwister nun katholisch, freakisch, emergent oder charismatisch sind – nur weg.
Es ist oft so anstrengend an den vielen offiziellen Meinungen vorbei Eure Meinung herauszufinden. Da bin ich dann lieber face to face bei Kaffee oder Bier.
Erschreckender Weise kommt dann öfter mehr der Gnade und Liebe Christi rüber, als im Rudel.
Und dennoch gehören wir wohl zur gleichen Familie.
Allerdings muss ich Euch nicht lieben, mögen und bejubeln.... Ich versuche die unter Euch, die mir peinlich sind zu respektieren eventuell zu ehren, wenn ich es schaffe.
Und um den Kreis zu schließen lieber Andi, ich würde mein Bein, meinen Arm oder andere Gliedmaßen nur hergeben, wenn es die Situation erzwingt. Wenn einzelne bedroht sind, als Menschen und ich sie damit retten könnte, dann würde ich es tun. Für meinen Glauben, bevor ich ihn verleugne würde ich eher dafür sterben.
Aber für eine Ideologie oder eine damit zusammenhängende Bewegung NEIN.

02 Mai 2013

Gewonnen

Ich habe es wirklich geschafft.
In dreißig Tagen habe ich 50400 Wörter geschreiben. Man sollte es einen Roman nennen können, wenn....
Ja wenn ich nicht mehrfach, den Charakter der Figuren hätte ändern müssen,  Leute komplett rausgestrichen hätte und das Ende nicht so pathetisch und lahm wäre.

Trotzdem bin ich zufrieden.
Ich habe festgestellt, dass ich wirklich am Stück schreiben kann und das länger als zwanzig Minuten.
Ich weiß jetzt viele Dinge, die man besser nicht macht und einges, was man machen sollte.

Die Geschichte an sich ist cool gewesen, aber hat sie wirklich genug Potenzial um mehr als eineKurzgeschichte zu sein?
Für 500000 Worte wares zu lang.

Werde ich noch mal an einem Camp teilnehmen?  Ich denke schon.
Werde ich an der Geschichte weiter arbeiten und Dir lieber einziger Leser Einblick geben.... vielleicht.
Ich möchte es gerne.

23 April 2013

Schadenfreude

Ich fuhr heute in eines dieser völlig überteuerten Parkhäuser in Stuttgart. (Eigentlich könnte man für die Parkgebühren auch mit einen Taxi, wenn nicht mit einer Mietlimo vorfahren).
Männer können wohl  bewiesernmassen besser Tickets aus Schranken ziehen als Frauen. Sie fahren präzisier an den Automaten und müssen nicht halb aus dem Fenster fallen um den alberne Papierschnipsel zu schnappen.
Vor mir an der Schranke, war ein Typ im BMW-Cabrio und er konnte es nicht.
Er hing halb aus seinem Fahrerfenster und als das nicht reichte, musste er seine Türe aufmachen.

Dann war ich dran. Ich war cool. Ich fuhr perfekt an den Schnipserausgeber ran, lies profihaft das Fenster runter, entnahm besagten Schnipsel lässig mit zwei Fingern und lies den Schnipsel elegant fallen.
Ich stieg also cool aus meinem Auto aus, nachdem ich es gekonnt abgewürgt hatte und es einen eleganten  Satz nach vorne machte. Die Autotür schlug dynamisch vor den Schnipselautomaten und ich habe mich ganz bestimmt sehr sexy nach dem VERDAMMTEN DRECKSTEIL gebückt!

22 April 2013

NaNoWriMo

Seit ich von meinem wundervollen Mann und meinen, ebenfalls wundervollen Freunden ein IPAD zum Geburtstag bekam, schreibe ich wie wild.
Leider ist es nicht blogbar. Hier die Erklärung.
Mit dem neuen Spielzeug habe ich Podcasts entdeckt und durch eine Podcast der Schreib Dilettanten bin ich auf NaNoWriMo (nanowrimo.org) gestossen.
Was ist das ?  Es Steht für National Novelist Writing Month.
Das Ziel ist in einem Monat einen kompletten Roman zu schreiben. Natürlich nicht in druckreif.
Der Innere Zensor soll ausgeschaltet werden und wenn man  pro Tag ca 1660 Worte schreibt, hat man keine Zeit auf den alten Spassbremser zu hören.
Der Durchschnittliche Roman hat wohl 50 000 Worte. Das sind dann 1660 Worte am Tag und die wollen geschrieben werden.
Ich habe eine Geschichte angefangen, sie während des Schreibens mehrfach geändert und diverse frustrierte Phasen gehabt. Ein ganz und gar ungezogenes Kind ist sie.
Aber es macht Spass und ich komme voran, besser als ich dachte und schlechter als ich sollte.
Aus den 1666 Worten sind mittlerweile 2160 Worte geworden.


25 März 2013

Die Kunst an der Kunst ist es, anderen zu erklären, was Kunst ist


Ich verstehe weder Künstler, noch verstehe ich Kunst. Meist finde ich die Kunst scheisse und die Ansichten von Künstlern, bezüglich ihrer Kunst völlig unverständlich.

Ich könnte sogar noch ein Ausrufungszeichen dranhängen so ernst ist es mir damit.

Es ist mir egal wen Künstler wählen oder welche Ideale sie haben. Dort, in den „Künstlerkreisen“ sind alle politischen und ideologischen Ideale vertreten. - gemalt sehen manche wohl ziemlich albern aus – man stelle sich vor ein Künstler würde alles in den Farben seiner Gesinnung, sei sie nun politisch oder spirituell, malen- Bilder in Baghwan orange, new age bunt oder Nazi Braun – ich befürchte mit Schrecken, dass es das gibt und das es als Kunst in Künstleraugen gilt.

Wenn Oma Schmidt solche Bilder malen würde, wäre es keine Kunst. Denn Oma Schmidt hat nicht viele Jahr auf einer Uni studiert wie man Kunst macht.
Oma Schmidts Bilder wären nett, ansehnlich, ausdrucksstark für eine Rentnerin ihres Alters.
Vielleicht könnte Oma Schmidt auch noch Bilder verkaufen, auf einer Plattform im Internet oder bei ebay. Sie könnte ihre Bilder, Skulpturen ,was auch immer sie geschaffen hat, auch in einer Bank oder bei ihrem Zahnarzt ausstellen. Vielleicht würden sich Menschen für Oma Schmidts Machwerke interessieren, eventuell etwas kaufen, aber es wären keine Kunstkenner die das täten.
Denn und ich zitiere hier Künstler – also Leute die das studiert haben und somit auf jeden Fall Ahnung haben- dann kann man sich in der Szene nicht mehr blicken lassen und man verliert seine Glaubwürdigkeit als Künstler. Haben mir Künstler gesagt.

Ich habe mit verschiedene Menschen gesprochen, die sich Künstler nennen. Sie maßen sich an, Bilder als künstlerisch wertvoll oder nicht zu bezeichnen weil sie es studiert haben!
Es ist also wertvoller, wenn ein Künstler eine Hand malt, weil er es über Jahre gelernt hat. Auch wenn ich das gleiche Ergebnis abliefern könnte, wäre meine Hand nicht so wertvoll.
Jetzt muss der Künstler diese Hand zu einem ordentliche Preis anbieten, weil er über all die Jahre studiert hat und sich deshalb nun auch Künstler nenne darf – im Gegensatz zu Oma Schmidt, die sich zwar Künstlerin nennt, aber keine ist, weil a.) ihre Bilder blöde Blumen darstellen und keine explodierten Gebärmütter, b.) sie den Kram auf ebay verkauft und nicht über eine kleine Galerie in der niemand etwas kauft und c.) sie keinen exorbitanten Preis für ihre Malereien nimmt – das letzte Bild ging bei ebay 15,80 € plus Versand weg.

Und hier herrschen leider Angebot und Nachfrage. Leider sind die wenigsten Menschen in der Lage, den eigentliche Wert eurer Werke zu bezahlen, eure Arbeitszeit, das Material und im besten Fall noch den ideellen Wert des Bildes als Werk.
Welcher null acht fünfzehn Mensch kann das bezahlen?


Das Argument zu den sogenannten Modernen, dass meine siebenjährige Nichte das auch kann, zählt nicht, denn der Künstler könnte ja so malen, dass Oma Schmidt und Frau Meier es erkennen würden, er tut es aber nicht, da er noch was anderes damit sagen will.
Falls die nette Sozialarbeiterin vom Arbeitsamt ihrem Berufsfrust mit wilden Farbbombings auf Stahl Ausdruck verleihen möchte, ist das keine Kunst. Sie kann die traurigen, zornigen und armseligen Gestalten, die tagtäglich vor ihrem Schreibtisch auf- und wieder in ihre Anonymität abtauchen, nicht so zeichnen oder malen, dass man etwas erkenne würde.
Sie hat Sozialarbeit studiert und nicht bildhafte Malerei. Aber sie kann abstrakt malen und falls mir oder dir das Bild gefällt, dann hast du keinen Sinn für Kunst, Du hast das Bild nicht auf einer hippen Vernisage, ins kleinen Schwarze gekleidet, die Champagnerflöte in der Hand, entdeckt, sonder im Wartezimmer deines Zahnarztes den Mund voller Schmerz und Wattwürste.

Ist es Kunst weil der Künstler es könnte, es aber nicht tut,weil er damit was sagen will?
Dann möchte ich hiermit meinen Abidurchschnitt von 3,4 sofort auf eine satte, saftige 1 aufgewertet wissen. Meine Lehrer haben immer gesagt: “Tanja, sie können es doch, warum machen sie es dann nicht?“ Meine Antwort heute:“ Ich will damit was sagen“!

Kunst ist wichtig. Sie bringt uns zum lachen oder weinen, vielleicht macht sie uns zornig, aber sie macht etwas mit uns.
Mir tut es von Herzen leid, dass Banker ein Standardgehalt kriegen und viele von ihnen noch weit mehr als das bekommen, die meisten Künstler aber am sprichwörtlichen Hungertuch nagen - trotz drei Nebenjobs.
Natürlich muss Kunst bezahlt werden und das soll sie auch. Ich bin der Meinung, dass Kunst mindestens genauso wichtig ist, wie das verdammte korrupte Bankwesen. Leider gibt es keinen Mindestlohn für Künstler.


Niemand erschliesst uns Kunst, erklärt sie, macht uns die bizarren Kleksereien zugänglich.

Ich frage mich, ob Künstler, ich meine die unter ihnen, die nicht berühmt und berüchtigt sind, also die armen Künstler, es sich nicht extraschwer machen, in dem sie sich diesen Dogmen unterordnen. (Kunst muss besondere Orte haben, besondere Preise und besondere Kritiker/Liebhaber)

Liebe Künstler, ich will eure Werke sehen, aber ich will nicht auf ein Vernisage im kleinen Schwarzen. Dort muss ich dann so tun, als hätte ich Ahnung und Bilder kraftvoll finden und ausdrucksstark.
Niemand erschliesst uns Kunst, erklärt sie, macht uns die bizarren Kleksereien zugänglich.

Ich möchte Eure Kunst da finden wo ich bin. Auf der Straße, bei Lidl, im Krankenhaus in Clubs und Kneipen.
Ich möchte eure Kunst bezahlen können, wenn sie mir gefällt.