24 Juli 2015

Sommer

 
Sommer ist die Zeit, in der die Erwachsenen Fünfe grade sein lassen, man ein Eis bekommt auch wenn man zu satt zu Eisessen ist.
Sommer ist mit den anderen aus der Siedlung zum Stausee fahren, mit Nina und Patrick in die Sterne sehen und an Markus denken.
Vorher hatten wie uns kaum gekannt. Vielleicht kannten die anderen sich vom sehen auf dem Schulhof. Sie waren Klassen auseinander. Ich ging auf eine andere Schule.
Von einem Tag auf den anderen waren wir unzertrennlich.
Wir waren plötzlich eine Clique. Die Sommerferien hatten angefangen und unsere jeweiligen Freunde waren im Urlaub. Stefan brachte Patrick mit, ich brachte Nina mit und Patrick brachte Markus mit.
Vormittags hingen Nina und ich alleine rum. Wenn die Jungs mit ihrem Ferienjob in der Konservenfabrik fertig waren, gingen wir schwimmen oder wir tranken aromatisierten Tee, den wir im Teeladen von Onkel Georg gekauft hatten. Stefan nahm uns Kassetten auf und wir hörten Dire Strates, Supertramp und Pink Floyd statt Madonna und Cindy Lauper. Wir sprachen über Politik und Menschen, die die Meinung der Anderen nicht stehen lassen können.
Wir waren weitherzig. Vielleicht konnten wir mit unseren Unterschieden umgehen, weil der Sommer unsere einzige Gemeinsamkeit war.
Wir waren alle ein bisschen verliebt ineinander. Die einzigen bei denen es gepasst hätte waren Nina und Patrick, aber das war nachdem wir alle aus dem Urlaub zurück waren, vorbei.
Überhaupt war danach alles vorbei.
Als wir uns bei Patrick trafen, nachdem wir alle aus dem Urlaub zurück waren, waren wir Fremde.
Die Sonne schien und es war heiß, aber unser Sommer hatte seine Farbe verloren.
Patrick hatte mit dem Rauchen angefangen. Wir kamen in sein Zimmer, Nina Hagen sang von einem geilen Straps auf dem Klo vom Bahnhof Zoo und wir sahen, wie er seine Zigarette ausmachte.
Wir saßen in seinem Zimmer und versuchte gegen die betreten Stimmung anzureden. Ich gab mit meinem Englandabenteuer an, was nicht cool gefunden wurde. Ute erzählte von Bootsausflügen und Patrick fand es dekadent. Wir wollte die alte Vertrautheit der ersten Ferienwochen zurückhaben und scheiterten. Wir hatten nichts mehr gemeinsam. Der Sommer war vorbei.

15 Juli 2015

Buchempfehlung für Schreiberlinge ohne Zeit

 Keine Generation hat so viel Zeit wie die unsere und dennoch rennen wir konstant der Zeit hinterher, als ob wir keine hätten.

Die Bücher zum Thema Zeitmanagement und Selbstoptimierung füllen einige Regale der gängigen Buchhandlungen.

Daneben stehen die Ratgeber wie man glücklich wird, obwohl der Ehepartner ein garstiger Garstel ist. Die Lösung ist, es liegt an einem selbst und man muss nur aufhören zu jammern und das Leben endlich anpacken.

Ich stehe auf so was. Ich liebe Pläne und ToDo-Listen und mein Herz und Mein Hirn machen sich so oft gegenseitig durcheinander, dass ich denke ich bin die Einzige, die es nicht hinbekommt.

Es wäre doch wundervoll, wenn man durch strikte Einhalten von Plänen und Listen ein perfektes Leben führen könnte.

Wir hätten die optimale work-life-Balance, würde Qualitätszeit mit unseren Lieben verbringen und das schlechte Gewissen, irgendwo nicht genug investiert zu haben, wäre endlich aus unseren Herzen ausgesiedelt.

Ich war mal wieder auf der Suche danach. Schreiben die große Leidenschaft, für die ich nie genug Zeit habe, sollte optimiert werden. Den Zeiträuber Facebook hatte ich schon ausgetauscht gegen Twitter. Wie gut oder schlecht das für meine Zeit ist, kann ich noch nicht sagen.

Durch den Podcast der Schreibdilettanten, die ich bereits mehrfach wärmstens empfohlen habe, stieß ich auf den Schreibratgeber „Zeit zum Schreiben“ von Richard Norden.

Einige Knoten sind bei mir geplatzt. Wie die meisten Schreibratgeber empfiehlt er einen festen Zeitpunkt an dem man schreiben soll. Das war bisher meine Krux. Denn im Schichtdienst gibt es keine geregelten Tagesabläufe, in die man seine Schreiberei integrieren kann.

Seine Empfehlung über eine Woche alles was man tut zu dokumentieren, hat mir hier weitergeholfen. Ich habe das Protokoll über zwei Wochen geführt, um meinen Tagesablauf im Frei und bei allen drei Schichten bewerten zu können. Fazit war ich, ich brauche Urlaub. Ich wusste nicht wie viel Zeit ich wirklich in meine Arbeit investiere – es ist mehr als gedacht. Die mit Warten verbrachte Zeit habe ich ebenfalls unterschätzt, gestückelt kam ich auf eine gute Stunde.

Ich habe, nach Auswertung der Sache, für mich beschlossen, dass ich a. immer nach dem Aufstehe schreiben will b. einen alternativen Zeitpunkt brauche, falls a nicht klappt und es c einfach Tage gibt, an denen es eben nicht klappt. Wenn ich in einer Nachtwache extrem viel machen musste und zu keiner Pause kam, ist Schlaf durchaus wichtiger, als schreiben und dann bleibt mir eben nur noch die Zeit für die Dusche und zu essen, bevor ich wieder ins Krankenhaus muss.

Norden legt wert auf Schlaf und sagt, dass diese Zeit auf keinen Fall gekürzt werden soll. Das ist ein Fehler, den ich immer schon gemacht habe. Wenn ich an etwas gekürzt habe, dann am Schlaf. „Ich will nichts verpassen“, „noch eben schnell ….“ und „dann mach ich morgen eben einen Mittagsschlaf“.

Richard Norden weist, als weiteren Rat, auf die vielen Wartezeiten hin, die uns im Alltag begegnen und die man gut mit Notizen machen oder kleineren Schreibprojekten füllen kann. Ob man nun seine Frühstückspause, das Warten auf die Bahn, auf den Partner, den Arzt etc. mit Candy Crush verbringt, wildem whatsappen, Facebook oder eben mit Schreiben, ist eine Entscheidung. Es ist jedenfalls Zeit, die man hat.

Natürlich stehen viele weitere Tips in dem Buch. Herausragend war für mich noch die Idee sich kleine Ziele zu stecken und sie zeitlich zu begrenzen. Beispielsweise in einem Monaten die Charaktere für ein Buch zu entwickeln, im nächsten Monat die Recherche zu machen und sich einen weiteren Monat mit der Planung des Buches zu beschäftigen.

Wer sich für das Buch interessiert oder für die Dilettanten, die immer wieder nützliche Tips und Ideen haben oder das ezine WritersWorkshop von Richard Norden abonnieren möchte.... just klick.